Network File System/Client: Unterschied zwischen den Versionen
| (11 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
== Beschreibung == | |||
= | Das Network Filesystem ist die gebräuchlichste Methode unter Unix, um Verzeichnisse über Rechnergrenzen hinweg verfügbar zu machen | ||
Das Network Filesystem ist die gebräuchlichste Methode unter Unix, um Verzeichnisse über Rechnergrenzen hinweg verfügbar zu machen | * Einen kurzen Abriss zur Historie und Intention des NFS erhalten Sie im Abschnitt zum NFS-Server | ||
== Voraussetzungen == | == Voraussetzungen == | ||
=== Kernelunterstützung === | === Kernelunterstützung === | ||
Die Unterstützung des NFS-Dateisystems ist Aufgabe des Kernels | Die Unterstützung des NFS-Dateisystems ist Aufgabe des Kernels | ||
* Vermutlich integriert der aktuelle Kernel bereits die erforderliche Eigenschaft; ein Blick in die Datei ''/proc/filesystems'' schafft Gewissheit | |||
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy> | |||
cat /proc/filesystems | cat /proc/filesystems | ||
nodev sockfs | nodev sockfs | ||
| Zeile 16: | Zeile 18: | ||
reiserfs | reiserfs | ||
nodev supermount | nodev supermount | ||
</syntaxhighlight> | |||
Im Beispiel fehlt offensichtlich ein entsprechender Eintrag für das NFS-Dateisystem | Im Beispiel fehlt offensichtlich ein entsprechender Eintrag für das NFS-Dateisystem | ||
* Bei aktuellen Kerneln, die heutigen Distributionen beiliegen, muss das noch nichts bedeuten.. | |||
* Eventuell ist die Unterstützung im Kernel nur als Modul kompiliert, und solange das Modul noch nicht geladen wurde, wird der Kernel das Dateisystem auch nicht kennen | |||
* Das Modul sollte nun von Hand geladen werden | |||
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy> | |||
sudo modprobe nfs | |||
</syntaxhighlight> | |||
Eine Ausschrift der Art ''modprobe: Can't locate module nfs'' resultiert entweder aus einer falschen Konfiguration der Modulabhängigkeiten (unwahrscheinlich) oder aber aus einer fehlenden Unterstützung durch den Kernel | |||
* Die Generierung eines neuen Kernels wird notwendig sein.. | |||
Bei erfolgreichem ''modprobe''-Aufruf erscheint folgende Zeile am Ende der Datei ''/proc/filesystems'' | |||
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy> | |||
Bei erfolgreichem ''modprobe''-Aufruf erscheint folgende Zeile am Ende der Datei ''/proc/filesystems'' | tail -2 /proc/filesystems | ||
nodev supermount | |||
nodev nfs | |||
</syntaxhighlight> | |||
=== Portmapper === | === Portmapper === | ||
Für die Grundfunktionalität eines NFS-Clients ist die Aktivierung des Portmappers nicht notwendig | Für die Grundfunktionalität eines NFS-Clients ist die Aktivierung des Portmappers nicht notwendig | ||
* Erst wenn Programme mit Dateisperren auf importierten NFS-Verzeichnissen arbeiten, werden auf Clientseite zwei RPC-Dienste (''rpc.lockd'' und ''rpc.statd'') und damit der Portmapper erforderlich | |||
Das Vorgehen zum Start des Portmappers und der beiden Dienste erfolgt analog zur Beschreibung im NFS-Server-Abschnitt | Das Vorgehen zum Start des Portmappers und der beiden Dienste erfolgt analog zur Beschreibung im NFS-Server-Abschnitt | ||
* Beachten Sie auch die dortigen Hinweise zu ggf. erforderlichen Sicherheitseinstellungen in den Dateien ''/etc/host.allow'' und ''/etc/hosts.deny'' | |||
* Ebenfalls in der Abhandlung zum Server finden Sie eine Diskussion zur Arbeitsweise von Network-Lock-Manager (''rpc.lockd'') und Network-Status-Monitor (''rpc.statd'') | |||
Bei aktuelleren RedHat- und SuSE-Distributionen finden Sie oft ein Skript /etc/init.d/nfs, über das Sie komfortabel den Client starten und beenden können (genau genommen startet das Skript auch nur die beiden RPC-Dienste und mountet alle in der Datei /etc/fstab erwähnten NFS-Dateisysteme) | Bei aktuelleren RedHat- und SuSE-Distributionen finden Sie oft ein Skript /etc/init.d/nfs, über das Sie komfortabel den Client starten und beenden können (genau genommen startet das Skript auch nur die beiden RPC-Dienste und mountet alle in der Datei /etc/fstab erwähnten NFS-Dateisysteme) | ||
== NFS-Dateisystems mounten == | |||
=== Welcher Server bietet was? === | === Welcher Server bietet was? === | ||
Für gewöhnlich wird der Administrator eines NFS-Servers die Verzeichnisse nur für konkrete Rechner exportieren und den Verantwortlichen dieser Clients alle notwendigen Informationen zum Zugriff zukommen lassen | Für gewöhnlich wird der Administrator eines NFS-Servers die Verzeichnisse nur für konkrete Rechner exportieren und den Verantwortlichen dieser Clients alle notwendigen Informationen zum Zugriff zukommen lassen | ||
* Dennoch kann von einem Client leicht verifiziert werden, ob ein Rechner als NFS-Server fungiert und welche Verzeichnisse er welchen Rechnern zur Verfügung stellt | |||
Das Kommando ''showmount'' dient zur Abfrage eines Servers | ; showmount | ||
Das Kommando ''showmount'' dient zur Abfrage eines Servers | |||
* Werden, abgesehen vom Servernamen, keine weiteren Optionen angegeben, so werden die aktuell zum Server verbundenen Clients aufgelistet | |||
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy> | |||
user@venus> showmount sonne.galaxis.de | |||
All mount points on sonne.galaxis.de | |||
erde.galaxis.de | |||
venus.galaxis.de | venus.galaxis.de | ||
</syntaxhighlight> | |||
Aus Sicht eines NFS-Clients ist die Option ''-e'' nützlich, die dem Server Auskunft über die exportierten Verzeichnisse entlockt | Aus Sicht eines NFS-Clients ist die Option ''-e'' nützlich, die dem Server Auskunft über die exportierten Verzeichnisse entlockt | ||
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy> | |||
user@venus> showmount -e sonne.galaxis.de | |||
Export list for sonne.galaxis.de | |||
/home *.galaxis.de | |||
/usr/share *.galaxis.de | /usr/share *.galaxis.de | ||
</syntaxhighlight> | |||
Siehe auch [[showmount]] | |||
=== Das Mount-Kommando === | === Das Mount-Kommando === | ||
Auch zum Mounten von NFS-Verzeichnissen dient das Kommando mount | Auch zum Mounten von NFS-Verzeichnissen dient das Kommando mount | ||
* Es gelten dieselben Voraussetzungen wie zum Einhängen lokaler Dateisysteme: Die notwendigen Rechte müssen gegeben sein (auch auf Serverseite) und der Mountpunkt - also das Zielverzeichnis - muss existieren | |||
Der Aufruf von mount folgt nun diesem Schema | |||
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy> | |||
mount -t nfs [ -o <Optionen> ] <Servername>:<Verzeichnis auf Server> <lokaler Mountpunkt> | mount -t nfs [ -o <Optionen> ] <Servername>:<Verzeichnis auf Server> <lokaler Mountpunkt> | ||
</syntaxhighlight> | |||
Anstatt des Servernamens ist auch die Angabe einer IP-Adresse zulässig | Anstatt des Servernamens ist auch die Angabe einer IP-Adresse zulässig | ||
* Neben den allgemeingültigen Optionen für das Mount-Kommando steuern NFS-spezifische Optionen vorwiegend das Verhalten des Kommandos im Fehlerfall | |||
; Beispiel | |||
Als konkretes Beispiel soll vom NFS-Server ''sonne.galaxis.de'' das dort freigegebene Verzeichnis ''/home'' importiert werden | |||
* Als Mountpunkt wurde lokal ein Verzeichnis ''/mnt/home'' erzeugt | |||
* Der Aufruf sieht wie folgt aus | |||
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy> | |||
root@erde> mount -t nfs sonne.galaxis.de:/home/ /home | root@erde> mount -t nfs sonne.galaxis.de:/home/ /home | ||
</syntaxhighlight> | |||
=== Etwas Komfort === | === Etwas Komfort === | ||
; Automatisierung | |||
Die kürzere und elegantere Schreibweise wäre ein Eintrag in die Datei /etc/fstab , die statische Informationen über Dateisysteme, ihre Mountpunkte und Optionen enthält | |||
; /etc/fstab | |||
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="11-12" line copy> | |||
sonne:/home /home nfs bg,soft,intr,retry=5 0 0 | |||
sonne:/usr/share /usr/share nfs defaults 0 0 | |||
</syntaxhighlight> | |||
sonne:/usr/share /usr/share nfs defaults 0 0 | |||
Zur Bedeutung der einzelnen Felder finden Sie Erläuterungen im Abschnitt Dateisysteme, /etc/fstab des Kapitels ''Systemadministration'' | Zur Bedeutung der einzelnen Felder finden Sie Erläuterungen im Abschnitt Dateisysteme, /etc/fstab des Kapitels ''Systemadministration'' | ||
* Wichtig für unser Beispiel sind die beiden letzten Einträge | |||
* Anstelle der Gerätedatei bei lokalen Dateinamen tritt nun das zu importierende Verzeichnis in der Form ''Server:/Pfad'' | |||
* Als Typ des Dateisystems muss ''nfs'' in die dritte Spalte eingetragen werden | |||
* Die beiden letzten Spalten sollten bei importierten Verzeichnissen stets ''0'' sein, da sowohl ein Backup als auch eine Überprüfung des Dateisystems Aufgabe des Servers (der Rechner, auf dem diese Dateisysteme lokal liegen) ist | |||
; Zweck der Einträge | |||
Zum einen genügt nun ein einziger Aufruf, um alle in der Datei benannten NFS-Verzeichnisse gleichzeitig zu importieren | |||
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy> | |||
root@erde> mount -a -t nfs | |||
</syntaxhighlight> | |||
Zum | Zum anderen sinkt selbst bei Import einzelner Einträge der Tippaufwand, da als Argument für das Kommando ''mount'' entweder die Angabe der Server-Pfad-Kombination oder auch nur die Angabe des lokalen Mountpunkts genügt | ||
Mit jedem der beiden folgenden Aufrufe könnte das Verzeichnis ''/home'' vom Server ''sonne'' gemountet werden | |||
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy> | |||
# Angabe des Servers+Pfads | |||
root@erde> mount sonne:/home | |||
# Angabe des lokalen Mountpunkts | |||
root@erde> mount /home | root@erde> mount /home | ||
</syntaxhighlight> | |||
== Mount-Optionen == | === Mount-Optionen === | ||
Durch gezielten Einsatz einiger Optionen des mount -Kommandos lassen sich die Zugriffe auf Daten eines NFS-Verzeichnisses mitunter erheblich beschleunigen | Durch gezielten Einsatz einiger Optionen des mount-Kommandos lassen sich die Zugriffe auf Daten eines NFS-Verzeichnisses mitunter erheblich beschleunigen | ||
* Auch kann das Verhalten im Fehlerfall über Argumente gesteuert werden | |||
* Selbstverständlich lassen sich solche Angaben auch in der /etc/fstab dauerhaft eintragen | |||
{| class="wikitable big options" | {| class="wikitable big options" | ||
| | ! Option !! Beschreibung | ||
|Schreib- und Lesezugriff bzw. Nur-Lese-Zugriff | |- | ||
|rw, ro | |||
|Schreib- und Lesezugriff bzw. Nur-Lese-Zugriff | |||
* Beachten Sie, dass die Rechte höchstens weiter eingeschränkt werden können, d.h | |||
* ein vom Server nur-lesend-exportiertes Verzeichnis kann lokal nicht zum Schreiben freigegeben werden, umgekehrt kann die Schreibberechtigung lokal verboten werden, auch wenn der Server diese zuließe | |||
|- | |- | ||
| | |fg | ||
|Jeder gescheiterte Mountvorgang wird eine Fehlermeldung erzeugen; der Vorgang läuft im Vordergrund (''foreground'') | |Jeder gescheiterte Mountvorgang wird eine Fehlermeldung erzeugen; der Vorgang läuft im Vordergrund (''foreground'') | ||
|- | |- | ||
| | |bg | ||
|Scheitert der Mountvorgang im ersten Versuch, wird er im Hintergrund (''background'') solange wiederholt, bis er erfolgreich war oder ''retry'' erreicht wurde | |Scheitert der Mountvorgang im ersten Versuch, wird er im Hintergrund (''background'') solange wiederholt, bis er erfolgreich war oder ''retry'' erreicht wurde | ||
|- | |- | ||
| | |retrans=zahl | ||
|Anzahl der Wiederholungsversuche, um einen Mount durchzuführen | |Anzahl der Wiederholungsversuche, um einen Mount durchzuführen | ||
* Der Default-Wert liegt bei 5 | |||
|- | |- | ||
| | |hard | ||
|Ein Programm wird während des Zugriffs auf ein NFS-Verzeichnis hängen bleiben, falls der Server zusammenbricht | |Ein Programm wird während des Zugriffs auf ein NFS-Verzeichnis hängen bleiben, falls der Server zusammenbricht | ||
* Nach Wiederanlaufen des Servers fährt das Programm mit seiner Arbeit fort | |||
* ein hängendes Programm, kann nur unterbrochen werden, wenn die Option ''intr'' angegeben wurde | |||
|- | |- | ||
| | |soft | ||
|Der Kernel wird, falls der Server eine bestimmte Zeit lang (''retrans*timeo'') nicht antwortet, einen Fehler generieren und die auf den Server wartenden Prozesse informieren | |Der Kernel wird, falls der Server eine bestimmte Zeit lang (''retrans*timeo'') nicht antwortet, einen Fehler generieren und die auf den Server wartenden Prozesse informieren | ||
* Die Zeitdauer zwischen den Versuchen kann mit ''timeo=Sekunden'' eingestellt werden | |||
|- | |- | ||
| | |intr, nointr | ||
|Möglichkeit des Abbruchs durch eine Tastenkombination (''interrupt'') bzw, das Verhindern derselben | |Möglichkeit des Abbruchs durch eine Tastenkombination (''interrupt'') bzw, das Verhindern derselben | ||
|- | |- | ||
| | |remount | ||
|Aushängen eines Verzeichnisses, um es sofort wieder (beispielsweise mit neuen Optionen) einzuhängen | |Aushängen eines Verzeichnisses, um es sofort wieder (beispielsweise mit neuen Optionen) einzuhängen | ||
|- | |- | ||
| | |suid, nosuid | ||
|Möglichkeit zur Benutzung des SUID-Bit auf dem eingehängten Dateisystem | |Möglichkeit zur Benutzung des SUID-Bit auf dem eingehängten Dateisystem | ||
|- | |- | ||
| | |retry=zahl | ||
|Anzahl der erfolglosen Mount-Versuche (Voreinstellung ist 10000), bis endgültig abgebrochen wird | |Anzahl der erfolglosen Mount-Versuche (Voreinstellung ist 10000), bis endgültig abgebrochen wird | ||
|- | |- | ||
| | |wsize=zahl | ||
|Setzt die Blockgröße beim Schreiben über NFS auf ''Bytes'' byte | |Setzt die Blockgröße beim Schreiben über NFS auf ''Bytes'' byte | ||
* Voreinstellung ist 1024, sollte aber auf 8192 gesetzt werden | |||
|- | |- | ||
| | |rsize=zahl | ||
|Setzt die Blockgröße beim Lesen über NFS auf ''Bytes'' byte | |Setzt die Blockgröße beim Lesen über NFS auf ''Bytes'' byte | ||
* Voreinstellung ist 1024, sollte aber auf 8192 gesetzt werden | |||
|- | |- | ||
| | |timeo=zahl | ||
|Zeitspanne für Wiederholversuche, angegeben in Zehntelsekunden | |Zeitspanne für Wiederholversuche, angegeben in Zehntelsekunden | ||
|- | |- | ||
| | |proto=protokoll | ||
|ab Version 3: Angabe des Protokolls (UDP oder TCP) | |ab Version 3: Angabe des Protokolls (UDP oder TCP) | ||
|- | |- | ||
Aktuelle Version vom 30. Dezember 2025, 12:01 Uhr
Beschreibung
Das Network Filesystem ist die gebräuchlichste Methode unter Unix, um Verzeichnisse über Rechnergrenzen hinweg verfügbar zu machen
- Einen kurzen Abriss zur Historie und Intention des NFS erhalten Sie im Abschnitt zum NFS-Server
Voraussetzungen
Kernelunterstützung
Die Unterstützung des NFS-Dateisystems ist Aufgabe des Kernels
- Vermutlich integriert der aktuelle Kernel bereits die erforderliche Eigenschaft; ein Blick in die Datei /proc/filesystems schafft Gewissheit
cat /proc/filesystems
nodev sockfs
nodev tmpfs
nodev pipefs
nodev proc
ext2
nodev devpts
reiserfs
nodev supermount
Im Beispiel fehlt offensichtlich ein entsprechender Eintrag für das NFS-Dateisystem
- Bei aktuellen Kerneln, die heutigen Distributionen beiliegen, muss das noch nichts bedeuten..
- Eventuell ist die Unterstützung im Kernel nur als Modul kompiliert, und solange das Modul noch nicht geladen wurde, wird der Kernel das Dateisystem auch nicht kennen
- Das Modul sollte nun von Hand geladen werden
sudo modprobe nfs
Eine Ausschrift der Art modprobe: Can't locate module nfs resultiert entweder aus einer falschen Konfiguration der Modulabhängigkeiten (unwahrscheinlich) oder aber aus einer fehlenden Unterstützung durch den Kernel
- Die Generierung eines neuen Kernels wird notwendig sein..
Bei erfolgreichem modprobe-Aufruf erscheint folgende Zeile am Ende der Datei /proc/filesystems
tail -2 /proc/filesystems
nodev supermount
nodev nfs
Portmapper
Für die Grundfunktionalität eines NFS-Clients ist die Aktivierung des Portmappers nicht notwendig
- Erst wenn Programme mit Dateisperren auf importierten NFS-Verzeichnissen arbeiten, werden auf Clientseite zwei RPC-Dienste (rpc.lockd und rpc.statd) und damit der Portmapper erforderlich
Das Vorgehen zum Start des Portmappers und der beiden Dienste erfolgt analog zur Beschreibung im NFS-Server-Abschnitt
- Beachten Sie auch die dortigen Hinweise zu ggf. erforderlichen Sicherheitseinstellungen in den Dateien /etc/host.allow und /etc/hosts.deny
- Ebenfalls in der Abhandlung zum Server finden Sie eine Diskussion zur Arbeitsweise von Network-Lock-Manager (rpc.lockd) und Network-Status-Monitor (rpc.statd)
Bei aktuelleren RedHat- und SuSE-Distributionen finden Sie oft ein Skript /etc/init.d/nfs, über das Sie komfortabel den Client starten und beenden können (genau genommen startet das Skript auch nur die beiden RPC-Dienste und mountet alle in der Datei /etc/fstab erwähnten NFS-Dateisysteme)
NFS-Dateisystems mounten
Welcher Server bietet was?
Für gewöhnlich wird der Administrator eines NFS-Servers die Verzeichnisse nur für konkrete Rechner exportieren und den Verantwortlichen dieser Clients alle notwendigen Informationen zum Zugriff zukommen lassen
- Dennoch kann von einem Client leicht verifiziert werden, ob ein Rechner als NFS-Server fungiert und welche Verzeichnisse er welchen Rechnern zur Verfügung stellt
- showmount
Das Kommando showmount dient zur Abfrage eines Servers
- Werden, abgesehen vom Servernamen, keine weiteren Optionen angegeben, so werden die aktuell zum Server verbundenen Clients aufgelistet
user@venus> showmount sonne.galaxis.de
All mount points on sonne.galaxis.de
erde.galaxis.de
venus.galaxis.de
Aus Sicht eines NFS-Clients ist die Option -e nützlich, die dem Server Auskunft über die exportierten Verzeichnisse entlockt
user@venus> showmount -e sonne.galaxis.de
Export list for sonne.galaxis.de
/home *.galaxis.de
/usr/share *.galaxis.de
Siehe auch showmount
Das Mount-Kommando
Auch zum Mounten von NFS-Verzeichnissen dient das Kommando mount
- Es gelten dieselben Voraussetzungen wie zum Einhängen lokaler Dateisysteme: Die notwendigen Rechte müssen gegeben sein (auch auf Serverseite) und der Mountpunkt - also das Zielverzeichnis - muss existieren
Der Aufruf von mount folgt nun diesem Schema
mount -t nfs [ -o <Optionen> ] <Servername>:<Verzeichnis auf Server> <lokaler Mountpunkt>
Anstatt des Servernamens ist auch die Angabe einer IP-Adresse zulässig
- Neben den allgemeingültigen Optionen für das Mount-Kommando steuern NFS-spezifische Optionen vorwiegend das Verhalten des Kommandos im Fehlerfall
- Beispiel
Als konkretes Beispiel soll vom NFS-Server sonne.galaxis.de das dort freigegebene Verzeichnis /home importiert werden
- Als Mountpunkt wurde lokal ein Verzeichnis /mnt/home erzeugt
- Der Aufruf sieht wie folgt aus
root@erde> mount -t nfs sonne.galaxis.de:/home/ /home
Etwas Komfort
- Automatisierung
Die kürzere und elegantere Schreibweise wäre ein Eintrag in die Datei /etc/fstab , die statische Informationen über Dateisysteme, ihre Mountpunkte und Optionen enthält
- /etc/fstab
sonne:/home /home nfs bg,soft,intr,retry=5 0 0
sonne:/usr/share /usr/share nfs defaults 0 0
Zur Bedeutung der einzelnen Felder finden Sie Erläuterungen im Abschnitt Dateisysteme, /etc/fstab des Kapitels Systemadministration
- Wichtig für unser Beispiel sind die beiden letzten Einträge
- Anstelle der Gerätedatei bei lokalen Dateinamen tritt nun das zu importierende Verzeichnis in der Form Server:/Pfad
- Als Typ des Dateisystems muss nfs in die dritte Spalte eingetragen werden
- Die beiden letzten Spalten sollten bei importierten Verzeichnissen stets 0 sein, da sowohl ein Backup als auch eine Überprüfung des Dateisystems Aufgabe des Servers (der Rechner, auf dem diese Dateisysteme lokal liegen) ist
- Zweck der Einträge
Zum einen genügt nun ein einziger Aufruf, um alle in der Datei benannten NFS-Verzeichnisse gleichzeitig zu importieren
root@erde> mount -a -t nfs
Zum anderen sinkt selbst bei Import einzelner Einträge der Tippaufwand, da als Argument für das Kommando mount entweder die Angabe der Server-Pfad-Kombination oder auch nur die Angabe des lokalen Mountpunkts genügt
Mit jedem der beiden folgenden Aufrufe könnte das Verzeichnis /home vom Server sonne gemountet werden
# Angabe des Servers+Pfads
root@erde> mount sonne:/home
# Angabe des lokalen Mountpunkts
root@erde> mount /home
Mount-Optionen
Durch gezielten Einsatz einiger Optionen des mount-Kommandos lassen sich die Zugriffe auf Daten eines NFS-Verzeichnisses mitunter erheblich beschleunigen
- Auch kann das Verhalten im Fehlerfall über Argumente gesteuert werden
- Selbstverständlich lassen sich solche Angaben auch in der /etc/fstab dauerhaft eintragen
| Option | Beschreibung |
|---|---|
| rw, ro | Schreib- und Lesezugriff bzw. Nur-Lese-Zugriff
|
| fg | Jeder gescheiterte Mountvorgang wird eine Fehlermeldung erzeugen; der Vorgang läuft im Vordergrund (foreground) |
| bg | Scheitert der Mountvorgang im ersten Versuch, wird er im Hintergrund (background) solange wiederholt, bis er erfolgreich war oder retry erreicht wurde |
| retrans=zahl | Anzahl der Wiederholungsversuche, um einen Mount durchzuführen
|
| hard | Ein Programm wird während des Zugriffs auf ein NFS-Verzeichnis hängen bleiben, falls der Server zusammenbricht
|
| soft | Der Kernel wird, falls der Server eine bestimmte Zeit lang (retrans*timeo) nicht antwortet, einen Fehler generieren und die auf den Server wartenden Prozesse informieren
|
| intr, nointr | Möglichkeit des Abbruchs durch eine Tastenkombination (interrupt) bzw, das Verhindern derselben |
| remount | Aushängen eines Verzeichnisses, um es sofort wieder (beispielsweise mit neuen Optionen) einzuhängen |
| suid, nosuid | Möglichkeit zur Benutzung des SUID-Bit auf dem eingehängten Dateisystem |
| retry=zahl | Anzahl der erfolglosen Mount-Versuche (Voreinstellung ist 10000), bis endgültig abgebrochen wird |
| wsize=zahl | Setzt die Blockgröße beim Schreiben über NFS auf Bytes byte
|
| rsize=zahl | Setzt die Blockgröße beim Lesen über NFS auf Bytes byte
|
| timeo=zahl | Zeitspanne für Wiederholversuche, angegeben in Zehntelsekunden |
| proto=protokoll | ab Version 3: Angabe des Protokolls (UDP oder TCP) |