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Linux/SELinux/04/07 Kontexte: Unterschied zwischen den Versionen

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=== SELinux-Kontexte – Dateien kennzeichnen ===
{{navigation|Linux/SELinux/04/06 Booleane|Linux/SELinux/04/08 Typen}}
Auf Systemen, auf denen SELinux läuft, werden alle Prozesse und Dateien so gekennzeichnet, dass sie sicherheitsrelevante Informationen darstellen
'''Linux/SELinux/04/07 Kontexte''' - Struktur und Auslesen des Sicherheitskontexts
* Diese Informationen werden als SELinux-Kontext bezeichnet
* Bei Dateien kann dies mit dem Befehl [[ls -Z]] angezeigt werden
ls -Z file1
-rw-rw-r-- user1 group1 unconfined_u:object_r:user_home_t:s0 file1


In diesem Beispiel stellt SELinux einen Benutzer ([[unconfined_u]]), eine Rolle ([[object_r]]), einen Typ ([[user_home_t]]) und eine Stufe ([[s0]]) bereit
== Kontext und Label ==
* Diese Informationen werden verwendet, um Entscheidungen zur Zugriffskontrolle zu treffen
Im SELinux-System (Security-Enhanced Linux) wird der Zugriff auf Ressourcen nicht auf Grundlage der Eigentümerrechte gesteuert (wie im klassischen DAC-Modell), sondern auf Grundlage von '''Sicherheitskontexten'''
* Auf DAC-Systemen wird der Zugriff auf Basis der Linux-Benutzer- und Gruppen-IDs kontrolliert
* SELinux-Richtlinienregeln werden nach den DAC-Regeln überprüft
* SELinux-Richtlinienregeln werden nicht angewendet, wenn DAC-Regeln den Zugriff zuvor verweigern


; Hinweis
; Wichtig
: Standardmäßig erben neu erstellte Dateien und Verzeichnisse den SELinux-Typ ihrer übergeordneten Verzeichnisse
:* SELinux-Richtlinienregeln (MAC) werden erst '''nach''' den klassischen Linux-Zugriffsrechten (DAC — Eigentümer, Gruppe, rwx) überprüft.
* Wenn Sie beispielsweise eine neue Datei im Verzeichnis [[/etc]] erstellen, das mit dem Typ [[etc_t]] gekennzeichnet ist, erbt die neue Datei denselben Typ
:* Wenn bereits die DAC-Regeln den Zugriff verweigern, blockiert das System sofort. SELinux wird in diesem Fall gar nicht erst angewendet und erzeugt folglich auch keine AVC-Meldungen im Audit-Log.
ls -dZ - /etc
 
Ein Kontext ist ein spezielles Label, das jedem Systemobjekt zugewiesen wird (Dateien, Prozessen, Netzwerkports)
drwxr-xr-x root root system_u:object_r:‚'etc_t‘':s0 /etc
 
Datei-Labels werden direkt im Dateisystem als '''erweiterte Dateiattribute (Extended Attributes oder xattr)''' gespeichert
* SELinux verwendet dabei das Attribut mit dem Namen security.selinux
 
Auf das Vorhandensein erweiterter Attribute weist ein Punkt am Ende der Attributanzeige bei Verwendung von ls -l hin
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
sudo ls -l /var/log/apt/
total 388
-rw-r--r--. 1 root root 43628 Mar 21 12:52 eipp.log.xz
-rw-r--r--. 1 root root 54225 Mar 21 12:52 history.log
-rw-r-. 1 root adm 283440 Mar 21 12:52 term.log
</syntaxhighlight>
 
=== Kontextzeichenfolge ===
; Anatomie der Kontextzeichenfolge
Das vollständige Label eines Sicherheitskontexts besteht aus vier (manchmal fünf) durch Doppelpunkte getrennten Elementen
 
; Typische Struktur
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line>
user : role : type : level
</syntaxhighlight>
 
== Typen ==
; Bedeutung des Typs (Type) in der Targeted Policy
In den meisten modernen Distributionen (RHEL, CentOS, Fedora, Debian) wird standardmäßig die Policy '''Targeted''' verwendet
* In diesem Modell liegt der Schwerpunkt auf '''Type Enforcement (TE)''' — der erzwungenen Zuweisung von Typen
'''Zur Analyse von Sicherheitslabels (Kontexten) werden Standard-Linux-Werkzeuge mit der zusätzlichen Option''' -Z '''verwendet.'''
 
Die Option -Z wird von fast allen grundlegenden Befehlen unterstützt
 
* ''cp -Z'' — kopiert eine Datei und weist ihr sofort den korrekten Kontext des Zielverzeichnisses zu (den Standardkontext des Verzeichnisses)
:* Im Gegensatz dazu bewahrt der Parameter -a den ursprünglichen Kontext der Datei
* ''mkdir -Z'' — erstellt ein Verzeichnis, das sofort den Standardkontext erhält (ohne dass restorecon ausgeführt werden muss)
* Außerdem die Anzeigeprogramme: ''ls -Z'' (Dateien), ''ps -Z'' (Prozesse), ''id -Z'' (Benutzer)
 
=== Kontext von Dateien und Verzeichnissen ===
; Vererbung (Inheritance)
: Standardmäßig erben neu erstellte Dateien und Verzeichnisse den SELinux-Typ ihrer übergeordneten Verzeichnisse. Wenn Sie beispielsweise eine neue Datei im Verzeichnis ''/etc'' erstellen, das mit dem Typ ''etc_t'' gekennzeichnet ist, erhält die neue Datei automatisch denselben Typ.


sudo touch /etc/file1
Zum Anzeigen des Kontexts von Dateien wird der Befehl ls -Z verwendet
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
ls -Z /var/log
</syntaxhighlight>


sudo ls -lZ /etc/file1
Ausgabe
-rw-r--r-- root root unconfined_u:object_r:‚'etc_t‘':s0 /etc/file1
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" line copy>
system_u:object_r:var_log_t:s0 README
system_u:object_r:var_log_t:s0 alternatives.log
system_u:object_r:httpd_log_t:s0 apache2
system_u:object_r:apt_var_log_t:s0 apt
system_u:object_r:auditd_log_t:s0 audit
system_u:object_r:faillog_t:s0 btmp
system_u:object_r:var_log_t:s0 cloud-init-output.log
system_u:object_r:var_log_t:s0 cloud-init.log
system_u:object_r:var_log_t:s0 dpkg.log
</syntaxhighlight>


SELinux bietet mehrere Befehle zur Verwaltung der Dateisystem-Kennzeichnung, wie beispielsweise [[chcon]], [[semanage fcontext]], [[restorecon]] und [[matchpathcon]]
=== Interpretation der Typen ===
Bei der Analyse von Kontexten sollte man auf die Suffixe der Typen achten, da diese häufig auf ihren Zweck hinweisen
{| class="wikitable options gnu big"
|-
! Kontext !! Beschreibung
|-
| _t || Allgemeines Suffix für Typen (type)
|-
| _exec_t || Typ, der ausführbaren Dateien (Binärdateien) zugewiesen wird
|-
| _conf_t || Typ für Konfigurationsdateien
|-
| _log_t || Typ für Logdateien
|-
| _tmp_t || Typ für temporäre Dateien
|}


==== Temporäre Änderungen: chcon ====
== Extended Attributes ==
Der Befehl [[chcon]] ändert den SELinux-Kontext für Dateien
; Speicherung auf dem Datenträger
* Änderungen, die mit dem Befehl [[chcon]] vorgenommen werden, bleiben jedoch nicht bestehen, wenn das Dateisystem neu gekennzeichnet wird oder der Befehl [[restorecon]]
SELinux-Sicherheitskontexte werden nicht in einer separaten Datenbank oder einem zentralen Journal gespeichert
* Die SELinux-Richtlinie legt fest, ob Benutzer den SELinux-Kontext für eine bestimmte Datei ändern dürfen
* Sie sind ein integraler Bestandteil des Dateisystems und werden zusammen mit den Dateien verschoben, wenn diese kopiert oder verschoben werden (sofern die verwendeten Werkzeuge die Beibehaltung der Attribute unterstützen)
* Bei der Verwendung von [[chcon]] geben Benutzer den gesamten oder einen Teil des SELinux-Kontexts an, der geändert werden soll
* Ein falscher Dateityp ist eine häufige Ursache dafür, dass SELinux den Zugriff verweigert


==== Kurzreferenz ====
; Begriff Extended Attributes (xattr)
* Führen Sie den Befehl [[chcon -t ‚'type‘' 'file-name‘' ]], um den Dateityp zu ändern, wobei ‚'type‘' ein SELinux-Typ ist, wie z. B. [ [httpd_sys_content_t]], und ‚'file-name‘' ein Datei- oder Verzeichnisname ist
'''Erweiterte Attribute (xattr)''' sind eine Funktion von Dateisystemen (wie Ext4, XFS, Btrfs), die es ermöglichen, einer Datei oder einem Verzeichnis zusätzliche Metadaten im Format „Schlüssel=Wert“ zuzuordnen
chcon -t httpd_sys_content_t ‚'file-name‘'


* Führen Sie den Befehl [[chcon -R -t ‚'type‘' ‚'directory-name‘']] aus, um den Typ des Verzeichnisses und dessen Inhalt zu ändern, wobei ‚'type‘' ein SELinux-Typ ist, wie beispielsweise [[httpd_sys_content_t]], und ‚'Verzeichnisname‘' ein Verzeichnisname ist
Während Standardattribute (Zugriffsrechte, Eigentümer, Zeitstempel) eine feste Struktur haben, ermöglichen erweiterte Attribute die Speicherung beliebiger Daten
chcon -R -t httpd_sys_content_t ‚'Verzeichnisname‘'


; Ändern des Typs einer Datei oder eines Verzeichnisses
Hier speichert SELinux die Kontextzeichenfolge unter dem Schlüssel security.selinux
Das folgende Verfahren zeigt, wie der Typ und keine anderen Attribute des SELinux-Kontexts geändert werden
* Das Beispiel in diesem Abschnitt funktioniert genauso für Verzeichnisse, beispielsweise wenn [[file1]] ein Verzeichnis wäre. # Wechseln Sie in Ihr Home-Verzeichnis
# Erstellen Sie eine neue Datei und zeigen Sie deren SELinux-Kontext an
touch file1


ls -Z file1
== Namensräume ==
-rw -rw-r-- user1 group1 unconfined_u:object_r:user_home_t:s0 file1
; Namensräume (Namespaces)
Zur Vermeidung von Konflikten und zur Gewährleistung der Sicherheit sind erweiterte Attribute in Namensräume unterteilt


In diesem Beispiel umfasst der SELinux-Kontext für [[file1]] den SELinux-Benutzer [[unconfined_u]], die Rolle [[object_r]], den Typ [[user_home_t]] und die [[s0]] Ebene
Jeder Namensraum hat eigene Zugriffsregeln
* Eine Beschreibung der einzelnen Bestandteile des SELinux-Kontexts finden Sie in Kapitel&nbsp;2, ‚'SELinux-Kontexte‘'
{| class="wikitable big options"
# Geben Sie den folgenden Befehl ein, um den Typ in [[samba_share_t]] zu ändern
!Namensraum
* Die Option [[-t]] ändert nur den Typ
!Zweck
* Zeigen Sie anschließend die Änderung an
!Zugriff
chcon -t samba_share_t file1
|-
|security
|Wird von Sicherheitsmodulen verwendet (SELinux, AppArmor, IMA)
|Der Zugriff ist auf den Kernel und Prozesse mit besonderen Privilegien beschränkt
|-
|system
|Wird vom Kernel zur Speicherung von Systemdaten verwendet, zum Beispiel von Access Control Lists (ACL)
|In der Regel nur für den Kernel zugänglich
|-
|user
|Ist für Benutzeranwendungen und Dokumente vorgesehen
|Wird durch die standardmäßigen Zugriffsrechte (DAC) geregelt
|-
|trusted
|Zur Speicherung von Daten, auf die nur Prozesse mit dem Privileg CAP_SYS_ADMIN zugreifen dürfen
|Für normale Benutzer unsichtbar, selbst wenn sie Eigentümer der Datei sind
|}


ls -Z file1
== Attribute ==
-rw-rw-r-- user1 group1 unconfined_u:object_r:samba_share_t:s0 file1
; Arbeit mit Attributen
getfattr und setfattr


# Verwenden Sie den folgenden Befehl, um den SELinux-Kontext für die Datei [[file1]] wiederherzustellen
Obwohl für die Verwaltung von SELinux häufiger spezialisierte Befehle (chcon, semanage) verwendet werden, ermöglichen Low-Level-Werkzeuge aus dem Paket attr, zu sehen, wie diese Daten aus Sicht des Dateisystems aussehen
* Verwenden Sie die Option [[-v]], um die Änderungen anzuzeigen
restorecon -v file1
restorecon reset file1 context unconfined_u:object_r:samba_share_t:s0->system_u:object_r:user_home_t:s0


In diesem Beispiel wird der vorherige Typ, [[samba_share_t]], auf den korrekten Typ, [[user_home_t]], zurückgesetzt
=== Attribute anzeigen ===
* Bei Verwendung der Targeted-Richtlinie (der Standard-SELinux-Richtlinie in Red&nbsp;Hat&nbsp;Enterprise&nbsp;Linux) liest der Befehl [[restorecon]] die Dateien im Verzeichnis [[/etc/selinux/targeted/contexts/files/]] aus, um festzustellen, welchen SELinux-Kontext die Dateien haben sollten
; Attribute anzeigen (getfattr)
Zum Lesen eines Attributs einer bestimmten Datei wird der Befehl getfattr verwendet
* Um den SELinux-Kontext anzuzeigen, muss der vollständige Schlüsselname im Namensraum security angegeben werden
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
getfattr -n security.selinux /etc/passwd
</syntaxhighlight>


; Ändern der Typen eines Verzeichnisses und seines Inhalts
Um alle vorhandenen Attribute einer Datei anzuzeigen, wird ein Befehl der Form ''getfattr -m . -d /etc/passwd'' verwendet
Das folgende Beispiel zeigt, wie ein neues Verzeichnis erstellt und der Dateityp des Verzeichnisses sowie dessen Inhalt auf einen vom Apache-HTTP-Server verwendeten Typ geändert wird
* Die Konfiguration in diesem Beispiel wird verwendet, wenn Sie möchten, dass der Apache-HTTP-Server ein anderes Dokumentstammverzeichnis (anstelle von [[/var/www/html/]]) verwendet
# Erstellen Sie als Root-Benutzer ein neues [ [web/]]-Verzeichnis und anschließend 3 leere Dateien ([[file1]], [[file2]] und [[file3]]) in diesem Verzeichnis
* Das [[web/]]-Verzeichnis und die darin enthaltenen Dateien sind mit dem Typ [[default_t]] gekennzeichnet
sudo mkdir /web
sudo touch /web/file{1,2,3}
sudo ls -dZ /web
drwxr-xr-x root root unconfined_u:object_r:default_t:s0 /web


sudo ls -lZ /web
=== Attribute setzen ===
; Attribute setzen (setfattr)
-rw-r--r-- root root unconfined_u:object_r:default_t:s0 file1
Der Befehl setfattr ermöglicht es, den Kontextwert manuell zu ändern
-rw-r--r-- root root unconfined_u:object_r:default_t:s0 file2
* Diese Aktion erfordert Superuser-Rechte und wird in der Regel nur zu Debugging-Zwecken oder für ein tieferes Systemverständnis ausgeführt
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
-rw-r--r-- root root unconfined_u:object_r:default_t:s0 file3
touch testfile
setfattr -n security.selinux -v "unconfined_u:object_r:user_home_t:s0" testfile
</syntaxhighlight>


# Geben Sie als root den folgenden Befehl ein, um den Typ des Verzeichnisses [[web/]] (und dessen Inhalt) in [[httpd_sys_content_t]] zu ändern
Bei der Verwendung von setfattr prüft das System die Korrektheit des eingegebenen Kontexts nicht so streng, wie es die SELinux-Werkzeuge tun
sudo chcon -R -t httpd_sys_content_t /web/
* Ein Fehler in der Zeichenfolge kann dazu führen, dass die Datei für Zielprozesse unzugänglich wird.</blockquote>


sudo ls -dZ /web/
== Anwendung ==
drwxr-xr-x root root unconfined_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0 /web/
=== Modus prüfen ===
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy>
sudo ls -lZ /web/
getenforce
-rw-r--r-- root root unconfined_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0 file1
</syntaxhighlight>
-rw-r--r-- root root unconfined_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0 file2
-rw-r--r-- root root unconfined_u:object_r: httpd_sys_content_t:s0 file3


# Um die Standard-SELinux-Kontexte wiederherzustellen, verwenden Sie das Dienstprogramm [[restorecon]] als root
Wenn der Befehl'' Enforcing ''zurückgibt, schalten Sie ihn vorübergehend mit dem Befehl'' setenforce 0 ''auf'' Permissive ''um.''
sudo restorecon -R -v /web/
restorecon reset /web context unconfined_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0->system_u:object_r:default_t:s0
restorecon reset /web/file2 context unconfined_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0->system_u:object_r:default_t:s0
restorecon reset /web/file3 context unconfined_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0->system_u:object_r:default_t: s0
restorecon reset /web/file1 context unconfined_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0->system_u:object_r:default_t:s0


Weitere Informationen zu [[chcon]] finden Sie auf der chcon(1)-Manpage
=== Blockierende Situation ===
; Erzeugen einer blockierenden Situation
Sie haben eine Datei erstellt, ihr jedoch versehentlich (oder absichtlich) einen Kontext zugewiesen, der weder für einen normalen Benutzer noch für das aktuelle Verzeichnis vorgesehen ist
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy>
touch /tmp/testfile
</syntaxhighlight>
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy>
ls -Z /tmp/testfile
</syntaxhighlight>
<syntaxhighlight lang="console" highlight="" line>
unconfined_u:object_r:user_tmp_t:s0 /tmp/testfile
</syntaxhighlight>


; Hinweis
Wie an der Konsolenausgabe zu sehen ist, hat die Datei den Typ '''user_tmp_t''', der typisch für Dateien im Verzeichnis /tmp ist
: Typen-Enforcement ist die wichtigste Berechtigungssteuerung, die in der SELinux-Targeted-Policy verwendet wird
* Viele Programme haben Leserechte auf dieses Verzeichnis
* In den meisten Fällen können SELinux-Benutzer und -Rollen ignoriert werden
* Weisen wir der Datei nun den '''Typ shadow_t''' zu


==== Dauerhafte Änderungen: semanage fcontext ====
Unter normalen Umständen haben nur Passwortdateien diesen Typ, und normalen Prozessen sowie Benutzern ist die Interaktion mit solchen Dateien untersagt
Der Befehl [[semanage fcontext]] wird verwendet, um den SELinux-Kontext von Dateien zu ändern
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy>
* Um die Kontexte neu erstellter Dateien und Verzeichnisse anzuzeigen, geben Sie als root den folgenden Befehl ein
setfattr -n security.selinux -v "system_u:object_r:shadow_t:s0" /tmp/testfile
sudo semanage fcontext -C -l
</syntaxhighlight>


Änderungen, die mit [[semanage fcontext]] vorgenommen wurden, werden von den folgenden Dienstprogrammen verwendet
Zum Setzen von Attributen kann auch das Werkzeug chcon verwendet werden; in diesem Fall sieht der Befehl wie folgt aus
* Das Dienstprogramm [[setfiles]] wird verwendet, wenn ein Dateisystem neu gekennzeichnet wird, und das Dienstprogramm [[restorecon]] stellt die Standard-SELinux-Kontexte wieder her
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy>
* Das bedeutet, dass durch [[semanage fcontext]] vorgenommene Änderungen dauerhaft sind, selbst wenn das Dateisystem neu gekennzeichnet wird
chcon -t shadow_t /tmp/testfile
* Die SELinux-Richtlinie steuert, ob Benutzer den SELinux-Kontext für eine bestimmte Datei ändern können
</syntaxhighlight>


==== Kurzübersicht ====
Über das Werkzeug chcon sprechen wir etwas später noch genauer besprochen
Um SELinux-Kontextänderungen vorzunehmen, die eine Neukennzeichnung des Dateisystems überdauern
# Geben Sie den folgenden Befehl ein und achten Sie darauf, den vollständigen Pfad zur Datei oder zum Verzeichnis zu verwenden
sudo semanage fcontext -a ‚'Optionen‘' ‚'Dateiname‘ ‚|‘'Verzeichnisname'‚


# Verwenden Sie das Dienstprogramm [[restorecon]], um die Kontextänderungen anzuwenden
Prüfung, ob die Attribute korrekt gesetzt wurden
sudo restorecon -v ‘'Dateiname'‚|‘'Verzeichnisname'‚
<syntaxhighlight lang="console" highlight="1" copy>
sudo ls -Z /tmp/testfile
</syntaxhighlight>
<syntaxhighlight lang="console" highlight="" line>
unconfined_u:object_r:shadow_t:s0 /tmp/testfile
</syntaxhighlight>


===== Verwendung regulärer Ausdrücke mit semanage fcontext =====
Schließlich muss nun ein Verstoß provoziert werden; dazu versuchen wir, die Datei zu lesen oder zu ändern
Damit der Befehl [[semanage fcontext]] korrekt funktioniert, können Sie entweder einen vollqualifizierten Pfad oder ‘'' Perl-kompatible reguläre Ausdrücke ()‚‘'
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy>
* Das einzige verwendete ‚'PCRE‘'-Flag ist [[PCRE2_DOTALL]], wodurch der Platzhalter [[.]] mit allem übereinstimmt, einschließlich einer neuen Zeile
echo "test" > /tmp/testfile
* Zeichenfolgen, die Pfade darstellen, werden als Bytes verarbeitet, was bedeutet, dass Nicht-ASCII-Zeichen nicht durch einen einzelnen Platzhalter abgeglichen werden
</syntaxhighlight>


Beachten Sie, dass mit [[semanage fcontext]] angegebene Dateikontextdefinitionen in umgekehrter Reihenfolge zu ihrer Definition ausgewertet werden
Nun betrachten wir die AVC-Ereignisse mit dem Werkzeug ausearch
der letzte Eintrag wird unabhängig von der Stammlänge zuerst ausgewertet
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy>
* Lokale Dateikontextänderungen, die in [[file_contexts.local]] gespeichert sind, haben eine höhere Priorität als die in Policy-Modulen angegebenen
ausearch -m AVC -ts recent
* Das bedeutet, dass immer dann, wenn in [[file_contexts.local]] gefunden wird, werden keine anderen Dateikontextdefinitionen berücksichtigt
</syntaxhighlight>
 
Und wir werden nichts sehen, denn standardmäßig gelangt ein Benutzer, der sich per SSH oder über die Konsole anmeldet, in den Standardrichtlinien (Targeted Policy) in die Domäne '''unconfined_t''' (uneingeschränkt)
 
Das kann mit dem Befehl id -Z geprüft werden
<syntaxhighlight lang="console" highlight="1" copy>
sudo id -Z
</syntaxhighlight>
<syntaxhighlight lang="console" highlight="" line>
unconfined_u:unconfined_r:unconfined_t:s0-s0:c0.c1023
</syntaxhighlight>
 
Prozessen in der Domäne unconfined ist praktisch alles erlaubt
 
SELinux sieht, dass ein „uneingeschränkter“ Prozess eine Datei liest, und auch wenn die Datei einen ungewöhnlichen Typ hat (wie '''shadow_t'''), betrachtet es dies für diesen konkreten Prozess nicht als Richtlinienverstoß
 
Um die Funktionsweise von SELinux zu prüfen, muss das Lesen der Datei mit dem Kontext eines anderen Prozesses gestartet werden, zum Beispiel ''' httpd_t'''.
 
Da der Typ '''httpd_t''' keinen Zugriff auf ausführbare Dateien des Typs '''bin_t''' hat (dieser Typ ist für cat gesetzt), erstellen wir eine Kopie von cat und weisen ihr den Typ '''httpd_t''' zu
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy>
cp /usr/bin/cat /tmp/fake_httpd
</syntaxhighlight>
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy>
setfattr -n security.selinux -v "system_u:object_r:httpd_t:s0" /tmp/fake_httpd sudo oder chcon -t httpd_t /tmp/fake_httpd
</syntaxhighlight>
 
Prüfung
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" copy>
systemd-run -p SELinuxContext=system_u:system_r:httpd_t:s0 /tmp/fake_httpd /tmp/testfile
</syntaxhighlight>
In SELinuxContext wird der Kontext für den Start angegeben
* Anschließend wird cat mit dem Sicherheitstyp httpd_t gestartet und versucht, /tmp/testfile zu lesen
 
Wir betrachten die AVC-Einträge
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy>
ausearch -m AVC -ts recent -c fake_httpd
</syntaxhighlight>
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" line>
type=AVC msg=audit(1774103099.579:33834): avc: denied { getattr } for pid=38589 comm="fake_httpd" path="/tmp/testfile" dev="tmpfs" ino=117 scontext=system_u:system_r:httpd_t:s0 tcontext=unconfined_u:object_r:shadow_t:s0 tclass=file permissive=1
</syntaxhighlight>
 
* { getattr } zeigt, welche konkrete Aktion das Subjekt auszuführen versucht hat
* tcontext zeigt den Kontext des Objekts, auf das ein unbefugter Zugriff versucht wurde
* scontext zeigt den Kontext des Subjekts, das versucht hat, auf das Objekt mit tcontext zuzugreifen
* path zeigt den Pfad zur Datei
 
'''Wie im Log zu sehen ist, wurde der Zugriff für fake_httpd bereits beim Lesen der Dateiattribute verweigert!'''
 
Außerdem ist zu erkennen, dass es für SELinux keine Rolle spielt, unter welchem Benutzer der Prozess gestartet wurde, der gegen die Regeln verstoßen wollte
* Auch Zugriffsrechte wie chmod 777 beeinflussen das Ergebnis nicht
 
Versuchen wir dasselbe mit dem Typ '''user_home_t'''
* Dieser Typ wird für Dateien im Home-Verzeichnis eines Benutzers verwendet
* Der Prozess httpd darf keine Leserechte auf Dateien im Home-Verzeichnis eines Benutzers haben
 
Zur Veranschaulichung geben wir der Datei zusätzlich Vollzugriff für alle
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
setfattr -n security.selinux -v "system_u:object_r:user_home_t:s0" /tmp/testfile
</syntaxhighlight>
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy>
chmod 777 /tmp/testfile
</syntaxhighlight>
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy>
systemd-run -p SELinuxContext=system_u:system_r:httpd_t:s0 /tmp/fake_httpd /tmp/testfile
</syntaxhighlight>
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy>
ausearch -m AVC -ts recent -c fake_httpd
</syntaxhighlight>
 
Und erneut erscheint im Log eine Meldung über einen Verstoß
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" line>
type=AVC msg=audit(1774103685.752:33957): avc: denied { getattr } for pid=38729 comm="fake_httpd" path="/tmp/testfile" dev="tmpfs" ino=117 scontext=system_u:system_r:httpd_t:s0 tcontext=system_u:object_r:user_home_t:s0 tclass=file permissive=1
</syntaxhighlight>


; Wichtig
; Wichtig
: Mit dem Befehl [[semanage fcontext]] festgelegte Dateikontextdefinitionen überschreiben effektiv alle anderen Dateikontextdefinitionen
: Wenn dieselbe verbotene Aktion mehrmals hintereinander ausgeführt wird, erscheint sie nicht jedes Mal im Log, um Spam zu vermeiden
* Alle regulären Ausdrücke sollten daher so spezifisch wie möglich sein, um unbeabsichtigte Auswirkungen auf andere Teile des Dateisystems zu vermeiden
 
Um den SELinux-Cache zu leeren, kann ein Neustart des Betriebsmodus verwendet werden
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy>
setenforce 1 && setenforce 0
</syntaxhighlight>


Weitere Informationen zu den in Dateikontextdefinitionen verwendeten regulären Ausdrücken und den geltenden Flags finden Sie in der [[semanage-fcontext(8) ]] Man-Seite
=== change context (chcon) ===
SELinux-Kontext einer Datei oder eines Verzeichnisses ändern


; Ändern des Typs einer Datei oder eines Verzeichnisses
; Funktionen
Das folgende Beispiel zeigt, wie der Typ einer Datei geändert wird, ohne andere Attribute des SELinux-Kontexts zu beeinflussen
* vollständigen Kontext auf einmal setzen
* Dieses Beispiel funktioniert genauso für Verzeichnisse, beispielsweise wenn [[file1]] ein Verzeichnis wäre. # Erstellen Sie als Root-Benutzer eine neue Datei im Verzeichnis [[/etc]]
* einzelne Kontextfelder (etwa den Typ) ändern
* Standardmäßig werden neu erstellte Dateien in [[/etc]] mit dem Typ [[etc_t]] gekennzeichnet
* Kontext einer anderen Datei übernehmen (--reference)
sudo touch /etc/file1
ls -Z /etc/file1
-rw-r--r-- root root unconfined_u:object_r:etc_t:s0 /etc/file1


Um Informationen zu einem Verzeichnis aufzulisten, verwenden Sie den folgenden Befehl
Zuvor wurden setfattr und chcon verwendet
ls -dZ ‚'Verzeichnisname‘'
* Wie man sehen kann, ist chcon komfortabler, da sich damit einzelne Felder gezielt ändern lassen
* Außerdem wird chcon als primäres Werkzeug für die Arbeit mit SELinux-Kontexten empfohlen, während setfattr ein Low-Level-Werkzeug ist, das mit Nicht-SELinux-xattr arbeitet


# Geben Sie als root den folgenden Befehl ein, um den Typ von [[file1]] in [[samba_share_t]] zu ändern
Die wichtigste Einschränkung von chcon (genauso wie von setfattr) besteht darin, dass die Änderungen '''nicht dauerhaft''' sind
* Die Option [[-a]] fügt einen neuen Eintrag hinzu, und die Option [[-t]] definiert einen Typ ([[samba_share_t]])
* Sie können nach restorecon oder nach einem vollständigen Relabeling des Dateisystems verloren gehen
* Beachten Sie, dass die Ausführung dieses Befehls den Typ nicht direkt ändert; [[file1]] ist weiterhin mit dem Typ [[etc_t]] gekennzeichnet
sudo semanage fcontext -a -t samba_share_t /etc/file1


sudo ls -Z /etc/file1
Daher wird dieses Werkzeug hauptsächlich verwendet für
-rw-r--r-- root root unconfined_u:object_r:etc_t:s0 /etc/file1
* Laborübungen
* schnelle Diagnose
* temporäre Überprüfung von Richtlinien


semanage fcontext -C -l
Die dauerhafte Konfiguration von Labels erfolgt mit dem Werkzeug semanage und einem anschließenden Aufruf von restorecon
* Näheres zum Werkzeug semanage folgt in den nächsten Lektionen
/etc/file1 unconfined_u:object_r:samba_share_t:s0


# Verwenden Sie als root das Dienstprogramm [[restorecon]], um den Typ zu ändern
==== Verwendung ====
* Da [[semanage]] einen Eintrag für [[/etc/file1]] in [[file_contexts.local]] hinzugefügt hat, ändert [[restorecon]] den Typ in [[samba_share_t]]
Zur Demonstration erstellen wir die erforderlichen Dateien und Verzeichnisse und prüfen den Kontext des Verzeichnisses sowie der Dateien
sudo restorecon -v /etc/file1
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
restorecon reset /etc/file1 context unconfined_u:object_r:etc_t:s0->system_u:object_r:samba_share_t:s0
mkdir -p /tmp/web_content/images
</syntaxhighlight>
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
cd /tmp/web_content/
</syntaxhighlight>
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
touch manual
</syntaxhighlight>
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
touch test.conf
</syntaxhighlight>
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
touch images/image.png
</syntaxhighlight>
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
ls -Zd /tmp/web_content/
</syntaxhighlight>
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
ls -Z -1 /tmp/web_content/
</syntaxhighlight>


; Ändern der Typen eines Verzeichnisses und seines Inhalts
Diesem Verzeichnis wurde der Typ '''user_tmp_t''' vererbt, ebenso den darin enthaltenen Dateien
Das folgende Beispiel zeigt, wie ein neues Verzeichnis erstellt und der Dateityp des Verzeichnisses sowie dessen Inhalt auf einen vom Apache-HTTP-Server verwendeten Typ geändert wird
* Die Konfiguration in diesem Beispiel wird verwendet, wenn Sie möchten, dass der Apache-HTTP-Server anstelle von [[/var/www/html/] einen anderen Dokumentenstamm verwendet ]
# Erstellen Sie als Root-Benutzer ein neues Verzeichnis [[web/]] und anschließend 3 leere Dateien ([[file1]], [[file2]] und [[file3]]) in diesem Verzeichnis
* Das Verzeichnis [[web/ ]] und die darin enthaltenen Dateien sind mit dem Typ [[default_t]] gekennzeichnet
sudo mkdir /web
sudo touch /web/file{1,2,3}
sudo ls -dZ /web
drwxr-xr-x root root unconfined_u:object_r:default_t:s0 /web
sudo ls -lZ /web
-rw-r--r-- root root unconfined_ u:object_r:default_t:s0 file1
-rw-r--r-- root root unconfined_u:object_r:default_t:s0 file2
-rw-r--r-- root root unconfined_u:object_r:default_t:s0 file3


# Geben Sie als root den folgenden Befehl ein, um den Typ des [[web/]]-Verzeichnisses und der darin enthaltenen Dateien in [[httpd_sys_content_t]] zu ändern
Versuchen wir, den vollständigen Kontext manuell zu setzen
* Die Option [[-a]] fügt einen neuen Eintrag hinzu, und die Option [[-t]] definiert einen Typ ([[httpd_sys_content_t]])
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
* Der reguläre Ausdruck [[„/web(/.*)?“] ] bewirkt, dass [[semanage]] die Änderungen auf [[web/]] sowie die darin enthaltenen Dateien anwendet
chcon system_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0 manual
* Beachten Sie, dass die Ausführung dieses Befehls den Typ nicht direkt ändert; [[web/]] und die darin enthaltenen Dateien sind weiterhin mit dem Typ [[default_t]] gekennzeichnet
</syntaxhighlight>
sudo semanage fcontext -a -t httpd_sys_content_t „/web(/.*)?“
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
ls -dZ /web
ls -Z -1
</syntaxhighlight>
drwxr-xr-x root root unconfined_u:object_r:default_t:s0 /web
ls -lZ /web
-rw-r--r-- root root unconfined_u:object_r:default_t:s0 file1
-rw-r--r-- root root unconfined_u:object_r:default_t:s0 file2
-rw-r--r-- root root unconfined_u:object_r:default_t:s0 file3


Der Befehl [[semanage fcontext -a -t httpd_sys_content_t „/web(/.*)?“]] fügt den folgenden Eintrag zu [[/etc/selinux/targeted/contexts/files/file_contexts.local]] hinzu
Diese Methode wird nur selten verwendet, da für SELinux in der Regel das Feld type am wichtigsten ist
/web(/.*)? system_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0


# Verwenden Sie als root das Dienstprogramm [[restorecon]], um den Typ von [[web/]] sowie aller darin enthaltenen Dateien
Um das Feld type zu ändern, wird der Parameter -t verwendet
* Der Parameter [[-R]] steht für rekursiv, was bedeutet, dass alle Dateien und Verzeichnisse unter [[web/]] mit dem Typ [[httpd_sys_content_t]] gekennzeichnet werden
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
* Da [[semanage]] einen Eintrag für [[/web(/.*)?]] in [[file.contexts.local]] hinzugefügt hat, ändert [[restorecon]] die Typen in [
chcon -t shadow_t manual
</syntaxhighlight>
[httpd_sys_content_t]]
sudo restorecon -R -v /web
restorecon reset /web context unconfined_u:object_r:default_t:s0->system_u:object_r: httpd_sys_content_t:s0
restorecon reset /web/file2 context unconfined_u:object_r:default_t:s0->system_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0
restorecon reset /web/file3 context unconfined_u:object_r:default_t:s0->system_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0
restorecon reset /web/file1 context unconfined_u:object_r:default_t:s0->system_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0


Beachten Sie, dass neu erstellte Dateien und Verzeichnisse standardmäßig den SELinux-Typ ihrer übergeordneten Verzeichnisse erben
Zum Ändern der Felder user und role werden entsprechend die Optionen '''-u''' und '''-r''' verwendet


; Einen hinzugefügten Kontext löschen
Der Parameter -R erlaubt die rekursive Verarbeitung von Verzeichnissen
Das folgende Beispiel zeigt das Hinzufügen und Entfernen eines SELinux-Kontexts
* Wenn der Kontext Teil eines regulären Ausdrucks ist, zum Beispiel [[/web(/.*)?]], setzen Sie den regulären Ausdruck in Anführungszeichen
sudo semanage fcontext -d „/web(/.*)?“


# Um den Kontext zu entfernen, geben Sie als Root den folgenden Befehl ein, wobei ‚'Dateiname‘'|‚'Verzeichnisname‘' der erste Teil in [[file_contexts.local]] ist
Weisen wir dem gesamten Verzeichnis web_content den Typ httpd_sys_content_t zu und verwenden dabei den Parameter '''-v''', um Details anzuzeigen
sudo semanage fcontext -d ‚'Dateiname‘'|‚'Verzeichnisname‘'
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
chcon -R -v -t httpd_sys_content_t /tmp/web_content
</syntaxhighlight>
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
ls -Z -1
</syntaxhighlight>


Das Folgende ist ein Beispiel für einen Kontext in [[file_contexts. local]]
Um den Kontext von einem bereits korrekt gelabelten Objekt zu kopieren, kann die Option '''--reference=RFILE''' verwendet werden
/test system_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
touch /tmp/ref
</syntaxhighlight>
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
chcon -R --reference=/tmp/ref /tmp/web_content
</syntaxhighlight>
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
ls -Z -1
</syntaxhighlight>


wobei der erste Teil [[test]] ist
; Parameter für den Umgang mit Symlinks
* Um zu verhindern, dass das Verzeichnis [[test/]] nach dem Ausführen von [[restorecon]] oder nach einer Neulabelung des Dateisystems mit dem [[httpd_sys_content_t]]-Label versehen wird, geben Sie als Root den folgenden Befehl ein, um den Kontext aus [[file_contexts.local]] zu löschen
{| class="wikitable sortable options gnu big"
sudo semanage fcontext -d /test
|-
! Unix !! GNU !! Beschreibung
|-
| || --dereference || (standardmäßig verwendet) wirkt nicht auf den symbolischen Link selbst, sondern auf das Objekt, auf das er verweist
|-
| -h || --no-dereference || ändert den symbolischen Link selbst und nicht das Zielobjekt
|}


# Verwenden Sie als root das Dienstprogramm [[restorecon]], um den Standard-SELinux-Kontext wiederherzustellen
== Woher kommt der „richtige“ Kontext (File Contexts) ==
In der ersten Phase wurden die tatsächlichen Dateilabels betrachtet: was in security.selinux gespeichert ist, wie dies in ls -Z aussieht und warum sich cp und mv unterschiedlich verhalten


Weitere Informationen zu [[semanage]] finden Sie in den Handbuchseiten semanage(8) und semanage-fcontext(8)
In dieser Lektion kommt die nächste Modellebene hinzu: '''SELinux speichert nicht nur das aktuelle Label eines Objekts, sondern auch die Vorstellung davon, welcher Kontext einem Pfad gemäß den Regeln der Policy zugewiesen sein soll'''
Für das Verständnis der Logik der SELinux-Labeling-Regeln müssen zwei Begriffe strikt voneinander getrennt werden


; Wichtig
# '''Tatsächliches Label (Security Context).''' Das sind die Daten, die physisch in den erweiterten Attributen des Dateisystems (extended attributes — xattr) auf dem Datenträger gespeichert sind
: Wenn Sie den SELinux-Kontext mit [[semanage fcontext -a]] ändern, verwenden Sie den vollständigen Pfad zur Datei oder zum Verzeichnis, um zu vermeiden, dass Dateien nach einer Neukennzeichnung des Dateisystems oder nach dem Ausführen des Befehls [
#* Genau dieses Label sehen der Linux-Kernel und das SELinux-Modul beim Zugriff auf eine Datei und verwenden es für die Zugriffsentscheidung
   
# '''Erwarteter Kontext (File Context).''' Das ist eine Regel, die in der '''SELinux-Policy-Datenbank''' definiert ist
[restorecon]]-Befehls
#* Sie legt fest, welches Label einer Datei oder einem Verzeichnis an einem bestimmten Pfad ''zugewiesen werden soll''
 
=== Wo SELinux Informationen über erwartete Kontexte speichert ===
In der Default-Policy befinden sich die Änderungen im Zusammenhang mit File Contexts im Verzeichnis
/etc/selinux/default/contexts/files/
 
Die aktuelle Policy kann mit dem Befehl sestatus angezeigt werden
 
# sestatus
..
SELinux root directory:    /etc/selinux
Loaded policy name:      default
..
 
==== Struktur der File-Context-Dateien ====
* file_contexts — Basistabelle der File Contexts der aktiven Policy
* file_contexts.local — lokale administrative Ergänzungen
* file_contexts.homedirs — separate Einstellungen für Home-Verzeichnisse
* .subs und .subs_dist — Dateien für Pfadsubstitutionen
 
Um zu verstehen, wie das System Pfade und Labels einander zuordnet, öffnen wir die Datei /etc/selinux/default/contexts/file/file_contexts
head /etc/selinux/default/contexts/files/file_contexts
 
; Ausgabe
/.*                system_u:object_r:default_t:s0
/a?quota\.(user|group)  --  system_u:object_r:quota_db_t:s0
/sys(/.*)?            system_u:object_r:sysfs_t:s0
/xen(/.*)?            system_u:object_r:xen_image_t:s0
/mnt(/[^/]*)    -l  system_u:object_r:mnt_t:s0
/mnt(/[^/]*)?      -d  system_u:object_r:mnt_t:s0
/dev/.*              system_u:object_r:device_t:s0
/etc/.*              system_u:object_r:etc_t:s0
/opt/.*              system_u:object_r:usr_t:s0
/run/.*         <<none>>
 
Jede Zeile in dieser Datei stellt eine feste Anweisung für SELinux dar und besteht aus zwei oder drei Spalten
# '''Regulärer Ausdruck (Regular Expression).''' Die erste Spalte beschreibt den Pfad
#* SELinux verwendet reguläre Ausdrücke im PCRE*-Format (Perl-compatible regular expression)
#* Beispielsweise bedeutet der Ausdruck /var/www(/.*)?: sowohl das Verzeichnis /var/www selbst als auch absolut jede Datei oder jedes Unterverzeichnis darin
#* Wichtig zur PCRE-Verarbeitung:
#*:* Das einzige verwendete Flag ist '''PCRE2_DOTALL'''. Dadurch stimmt der Platzhalter ''.'' (Punkt) mit jedem beliebigen Zeichen überein, '''einschließlich Zeilenumbrüchen'''
#*:* Zeichenfolgen, die Pfade darstellen, werden strikt als Bytes verarbeitet. Das bedeutet, dass Nicht-ASCII-Zeichen (wie beispielsweise deutsche Umlaute) unter Umständen nicht durch einen einzelnen Platzhalter abgeglichen werden können
# '''Objekttyp (optional).''' Die zweite Spalte kann präzisieren, für welchen Typ von Dateisystemobjekten die Regel gilt
#* -d — nur auf Verzeichnisse anwenden
#* -- — nur auf reguläre Dateien anwenden
#* ''Falls die Spalte fehlt, gilt die Regel für alle Objekte am angegebenen Pfad.''
# '''Erwarteter Kontext (Security Context).''' Die letzte Spalte enthält das Referenzlabel, das dem Objekt zugewiesen werden soll
#* Das wichtigste Element hierbei ist '''Type''' (zum Beispiel httpd_sys_content_t), der die Zugriffsdomänen bestimmt
 
(* PCRE - Perl-compatible regular expression)
 
Bei der Initialisierung des Dateisystems oder beim erzwungenen Zurücksetzen der Labels (Relabeling) liest der Kernel diese Datei Zeile für Zeile von oben nach unten
* Wenn das Dienstprogramm eine Übereinstimmung zwischen dem Dateipfad und dem regulären Ausdruck findet, weist es dem Objekt den entsprechenden Kontext aus der dritten Spalte zu
 
== Struktur von File-Context-Regeln und ihre Prioritäten ==
Im vorherigen Schritt wurde die Quelle der Dateikontexte analysiert — die Datenbank file_contexts
* In dieser Lektion gehen wir tiefer in die Funktionsweise dieser Datenbank: wie das System die Zuordnungstabelle path -> label genau liest und wie es entscheidet, welcher Kontext zugewiesen wird, wenn mehrere Regeln auf denselben Pfad passen
 
=== Format einer File-Context-Regel ===
Jeder Eintrag in file_contexts, file_contexts.local und file_contexts.homedirs hat dieselbe Grundform
pathname [file_type] context
 
* pathname — vollständiger Pfad oder regulärer PCRE-Ausdruck, anhand dessen SELinux nach Übereinstimmungen sucht
* file_type — optionale Einschränkung auf einen Objekttyp
* context — der Kontext, der dem Objekt zugewiesen werden soll
 
==== pathname ====
Betrachten wir ein Beispiel für eine Regel
/var/www(/.*)?  system_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0
 
* Die Regel deckt den gesamten Teilbaum /var/www ab, also das Verzeichnis selbst und alle darin enthaltenen Objekte
 
==== file_type ====
Die optionale zweite Spalte schränkt die Regel auf einen bestimmten Objekttyp ein
 
In File Contexts werden folgende Bezeichnungen verwendet
{| class="wikitable options big col1center"
! Wert !! Beschreibung
|-
| d
|Verzeichnis
|-
| -
|reguläre Datei
|-
| l
|symbolischer Link
|-
| s
|Socket
|-
| p
|Named Pipe
|-
| c
|Zeichengerätedatei
|-
| b
|Blockgerätedatei
|}
 
==== context ====
Die letzte Spalte enthält genau den '''erwarteten Security Context''', der für einen übereinstimmenden Pfad zurückgegeben werden soll
* Im Normalfall ist das ein vollständiges Label im Format user:role:type:range
 
Zulässig ist auch der spezielle Wert <<none>>
* Er bedeutet, dass beim Relabeling für den übereinstimmenden Pfad kein Kontext gesetzt werden soll und dass ein Lookup kein Ergebnis zurückliefert
 
=== Prioritäten der Regeln ===
 
==== Basis- und modulare Policy-Definitionen ====
Um Konflikte zu vermeiden, verwendet der SELinux-Parser ein striktes Prioritätssystem
 
# '''Eine exakte Übereinstimmung hat die höchste Priorität.''' Eine Regel, die einen Pfad ohne Platzhalter regulärer Ausdrücke beschreibt (zum Beispiel genau /etc/passwd), gewinnt immer gegenüber allgemeineren Ausdrücken
# '''Die maximale Länge der Übereinstimmung bestimmt die Spezifität.''' Falls es keine exakte Übereinstimmung gibt, gewinnt die spezifischste Regel — also diejenige, bei der der übereinstimmende Teil des Pfads länger ist
#* Eine Regel für /var/www/html(/.*)? sticht eine allgemeinere Regel für /var/www(/.*)?
# '''Eine explizite Angabe der Objektklasse erhöht die Priorität.''' Bei gleicher Länge der Übereinstimmung hat eine Regel mit explizit angegebenem Klassifizierer (zum Beispiel -d für Verzeichnisse oder -- für reguläre Dateien) Vorrang vor einer Regel ohne Klassenangabe
 
Dank dieser Hierarchie werden Basislabels auf der Ebene der Wurzel des Dateisystems gesetzt und dann beim tieferen Abstieg im Verzeichnisbaum weiter verfeinert und überschrieben
 
==== Lokale Regeln in file_contexts.local ====
Für lokale SELinux-Regeln gilt eine andere Prioritätslogik als für Basis- und modulare Policy-Definitionen
 
# '''Lokale Regeln haben Vorrang vor der Policy.''' Jeder Eintrag aus file_contexts.local, der zum Beispiel über semanage fcontext hinzugefügt wurde, wird vor den entsprechenden Definitionen aus der Basis-Policy oder aus Modulen berücksichtigt
# '''Die Priorisierung erfolgt von neuen zu alten Einträgen.''' Lokale Regeln werden nicht nach dem Prinzip „am spezifischsten“ verarbeitet, sondern in umgekehrter Reihenfolge ihrer Hinzufügung: vom zuletzt hinzugefügten Eintrag bis zum frühesten
# '''Es wird die erste Übereinstimmung verwendet.''' Sobald eine passende lokale Regel gefunden wurde, wird die weitere Suche beendet
#* Das bedeutet, dass ein allgemeinerer, aber später hinzugefügter Ausdruck einen genaueren, aber früher erstellten Ausdruck überdecken kann
 
Daher erfordern lokale Regeln besondere Sorgfalt: Ein zu weit gefasster Ausdruck, der über semanage fcontext hinzugefügt wurde, kann unerwartet genauere Basisdefinitionen der Policy überdecken
 
Genau aus diesem Grund sollten lokale reguläre Ausdrücke möglichst eng gefasst und zielgerichtet sein, sodass sie nur den tatsächlich benötigten Abschnitt des Verzeichnisbaums überschreiben
 
=== Befehl matchpathcon ===
matchpathcon fragt die System-Policy ab und gibt den '''Standardkontext''' aus, der mit dem angegebenen Pfad verknüpft ist
* Das Werkzeug ist speziell für die Analyse des erwarteten Kontexts nützlich und nicht für den aktuellen Inhalt von xattr
* Dieses Dienstprogramm '''verwaltet keine Regeln''', sondern '''zeigt lediglich das Ergebnis der Pfadprüfung''' gegen die File-Context-Datenbank an
 
; Hauptziele bei der Verwendung von matchpathcon
* verstehen, '''welches Label ein Pfad haben sollte'''
* das '''tatsächliche Label''' mit der '''Policy-Erwartung''' vergleichen
* im Voraus prüfen, welchen Kontext ein neuer Pfad nach dem Ausführen von restorecon erhält
 
===== Prüfschichten =====
Prüfschichten entsprechend der Priorität der Regeln (von der niedrigsten zur höchsten Priorität)
* Basisregeln der Policy (file_contexts)
* Regeln für Home-Verzeichnisse (file_contexts.homedirs)
* Systemweite Pfad-Aliase der Distribution (file_contexts.subs_dist)
* Lokale Äquivalenzregeln (file_contexts.subs)
* lokale administrative Änderungen (file_contexts.local)
 
===== Optionen =====
Zunächst verwenden wir den Befehl ohne Parameter, um das erwartete Label für die Datei /etc/resolv.conf anzusehen
* Anschließend vergleichen wir es mit dem tatsächlichen Label mittels ls
 
matchpathcon /etc/resolv.conf
ls -Z /etc/resolv.conf
 
* Für die Problemdiagnose — insbesondere um zu prüfen, ob der auf dem Datenträger vorhandene Kontext mit dem Standardkontext aus der Policy übereinstimmt — ist auch der Parameter -V (Verify) praktisch
* Zur Veranschaulichung erzeugen wir eine Situation, in der das aktuelle Label nicht mit dem erwarteten übereinstimmt
 
cp -a /etc/hosts /var/log/hosts
 
matchpathcon -V /var/log/hosts
/var/log/hosts has context system_u:object_r:net_conf_t:s0, should be system_u:object_r:var_log_t:s0
 
Wichtig ist zu beachten, dass das Dienstprogramm matchpathcon für manche Pfade <<none>> zurückgeben kann (zum Beispiel für Dateien in tmp)
* Das ist ein spezieller interner Wert in der Datenbank file_contexts: Er bedeutet, dass für diesen Pfad und Objekttyp '''kein erwarteter Standardkontext gefunden wurde''' oder dass dieser Pfad '''kein Label über File Context erhalten soll'''
 
* Der Objekttyp kann mit dem Parameter -m (mode) erzwungen angegeben werden
* Das ist besonders wichtig für Pfade, die noch nicht existieren, oder wenn ein konkretes Szenario geprüft werden soll: „Was wäre, wenn dies ein Verzeichnis wäre?“ oder „Was wäre, wenn dies eine Datei wäre?“
 
matchpathcon -m dir /etc/dir
matchpathcon -m file /var/log/mylog.log
 
Zuordnung der Objekttypen in file_contexts und der ausgeschriebenen Werte für den Parameter -m
{| class="wikitable big options"
!matchpathcon -m
!file_contexts
|-
|file
|--
|-
|dir
|-d
|-
|lnk_file
|-l
|-
|sock_file
|-s
|-
|pipe
|-p
|-
|chr_file
|-c
|-
|blk_file
|-b
|}
 
Am häufigsten werden die Typen file, dir, lnk_file verwendet
 
Für Skripte und Automatisierung ist der Parameter -n (no path) praktisch
matchpathcon -n /etc/hosts
 
Die Ausgabe enthält dann nicht den Pfad, sondern nur das Ergebnis der Prüfung des erwarteten File Context
* Schließlich kann statt der aktuellen auch eine alternative Datei file_contexts verwendet werden
* Das kann für Testzwecke nützlich sein; dafür dient der Parameter -f (file contexts)
 
matchpathcon -f /tmp/test_file_contexts /srv/myapp
 
Außerdem kann mit dem Parameter -P (Policy) ein alternativer Pfad für einen vollständigen Policy-Satz verwendet werden
 
== Verwaltung von Kontexten mit semanage ==
Nun ist es endlich an der Zeit, die Verwaltung der File-Context-Datenbank zu betrachten
 
Wie bereits zuvor besprochen, überschreibt chcon direkt die erweiterten Attribute (xattr) auf dem Datenträger, teilt der SELinux-Policy-Datenbank (file_contexts) jedoch absolut nichts darüber mit
 
Änderungen, die mit chcon vorgenommen werden, sind im Maßstab des Systemlebenszyklus nur temporär
 
Sie werden bei jedem der folgenden Ereignisse unwiderruflich zerstört (durch Referenzwerte aus der Datenbank überschrieben)
* der Administrator startet das Dienstprogramm restorecon manuell für dieses Verzeichnis;
* es erfolgt ein Systemupdate eines Pakets (zum Beispiel des Webservers), dessen Installer eine Prüfung der Kontexte auslöst;
* beim Booten wird ein vollständiges Relabeling des Dateisystems initiiert (durch Erzeugen der Datei /.autorelabel)
 
=== semanage fcontext ===
Damit ein Kontext alle Updates und Relabeling-Vorgänge übersteht, muss man dem SELinux-System selbst beibringen, dass ein nicht standardmäßiger Pfad nun ein bestimmtes Label haben soll
 
Dafür wird das Werkzeug semanage (SELinux Policy Management Tool) verwendet
* Es ist das allgemeine Werkzeug zur lokalen Verwaltung von Elementen der SELinux-Policy, darunter: login mappings, SELinux users, ports, interfaces, modules, booleans, permissive types und file contexts
* Für den aktuellen Schritt ist insbesondere der Bereich fcontext relevant
 
==== Verwendung ====
Zur Demonstration versuchen wir, ein nicht standardmäßiges Verzeichnis mit hochsensiblen Daten zu schützen
 
Stellen wir uns folgende Situation vor: Entwickler haben ein internes Authentifizierungssystem ausgerollt, das Sicherungskopien der Passwort-Hashes von Benutzern in einem nicht standardmäßigen Verzeichnis speichert — /opt/app_auth/vault/
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" copy line>
mkdir -p /opt/app_auth/vault
ls -Zd /opt/app_auth/vault/
</syntaxhighlight>
 
Wenn wir uns an die Analyse der Datei file_contexts aus den vorherigen Schritten erinnern, erhalten das Verzeichnis /opt/ und sein gesamter Inhalt standardmäßig den Kontext usr_t
 
; Das ist ein öffentlicher Kontext
* '''Die meisten laufenden Dienste und Benutzer dürfen Dateien mit diesem Label lesen.'''
* '''Passwörter dort zu speichern ist unzulässig.'''
* Daher muss für dieses Verzeichnis eine grundlegende Regel erstellt werden
 
Verwenden wir dazu die Parameter -a (add) und -t (Feld type)
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
semanage fcontext -a -t shadow_t "/opt/app_auth/vault(/.*)?"
</syntaxhighlight>
 
"/opt/app_auth/vault(/.*)?" — ein regulärer Ausdruck, der das Verzeichnis selbst und absolut alle darin enthaltenen Dateien umfasst
 
Nun prüfen wir den Kontext des Verzeichnisses
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
ls -Zd /opt/app_auth/vault/
</syntaxhighlight>
...und sehen, dass sich nichts geändert hat
* Das liegt daran, dass wir zwar einen Eintrag in die Datenbank hinzugefügt haben, das bloße Hinzufügen eines Eintrags jedoch kein Relabeling auslöst
* Um die Änderungen anzuwenden, wird das uns bereits bekannte Werkzeug restorecon verwendet
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" copy line>
restorecon -Rv /opt/app_auth/vault/
ls -Zd /opt/app_auth/vault/
</syntaxhighlight>
 
Ergebnis
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" copy line>
# ls -Zd /opt/app_auth/vault/
unconfined_u:object_r:shadow_t:s0 /opt/app_auth/vault/
</syntaxhighlight>
 
Prüfen wir, ob der Eintrag in der File-Context-Datenbank vorhanden ist
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" copy line>
cat /etc/selinux/default/contexts/files/file_contexts.local
 
# This file is auto-generated by libsemanage
# Do not edit directly
 
/opt/app_auth/vault(/.*)? system_u:object_r:shadow_t:s0
</syntaxhighlight>
 
'''Jetzt sind die vertraulichen Daten zuverlässig geschützt!'''
 
==== Optionen ====
Das Werkzeug semanage verfügt über verschiedene nützliche Optionen; konzentrieren wir uns auf die wichtigsten
 
Welche nicht standardmäßigen Regeln manuell hinzugefügt wurden, kann mit der Option -l (list) zusammen mit dem Modifikator -C (Custom) angezeigt werden
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
semanage fcontext -lC
</syntaxhighlight>
 
Den Kontexttyp für den bereits in der lokalen Datenbank registrierten Pfad /srv/myweb(/.*)? kann man mit der Option -m (modify) aktualisieren
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
semanage fcontext -m -t httpd_sys_rw_content_t "/srv/myweb(/.*)?"
</syntaxhighlight>
 
Wichtig ist, dass der reguläre Ausdruck genau mit dem Eintrag in der Datenbank übereinstimmt, dessen Kontext wir ändern wollen
 
Wenn ein Dienst außer Betrieb genommen wurde und das nicht standardmäßige Verzeichnis nicht mehr benötigt wird, kann die Regel mit der Option -d gelöscht werden
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
semanage fcontext -d "/opt/app_auth/vault(/.*)?"
</syntaxhighlight>
 
=== Äquivalente Pfade (Equivalence Rules) ===
Bei der Arbeit mit mehreren Verzeichnissen entsteht häufig die Situation, dass
* bereits eine korrekt gekennzeichnete Struktur existiert
* eine Kopie dieser Struktur an einem anderen Ort erstellt werden muss
 
==== Beispielaufgabe ====
Es gibt den Standardpfad des Webservers /var/www, wir haben jedoch beschlossen, die Dateien unserer neuen Website in einem nicht standardmäßigen Verzeichnis abzulegen, zum Beispiel auf einer separaten Festplatte, die unter /srv/myweb eingehängt ist
 
Wir erstellen zur Veranschaulichung mehrere Ordner im ursprünglichen Verzeichnis /var/www und bereiten das neue Verzeichnis /srv/myweb vor
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" copy line>
mkdir -p /var/www/sessions && mkdir -p /var/www/cgi-bin
restorecon -v -R /var/www
ls -Z1 /var/www
mkdir -p /srv/myweb
cp -r /var/www/* /srv/myweb/
ls -Z1 /srv/myweb
</syntaxhighlight>
 
Standardmäßig sind für das Verzeichnis /var/www und alle seine Unterverzeichnisse (html, cgi-bin usw.) im System bereits Dutzende komplexer regulärer Ausdrücke definiert, die die korrekten Kontexte zuweisen (zum Beispiel httpd_cache_t für /var/www/uploads(/.*)?)
* Alle regulären Ausdrücke aus /var/www manuell für das neue Verzeichnis /srv/myweb umzuschreiben, wäre aufwendig, unhandlich und fehleranfällig
 
Für die Lösung solcher Aufgaben werden Äquivalenzregeln verwendet (Parameter -e des Befehls semanage fcontext)
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
semanage fcontext -a -e /var/www /srv/myweb
</syntaxhighlight>
 
Änderungen anwenden
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
restorecon -v -R /srv/myweb
</syntaxhighlight>
 
Sehen wir uns an, wie das in der Datenbank aussieht
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" copy line>
# semanage fcontext -lC
SELinux fcontext                  type        Context
/opt/app_auth/vault(/.*)?            all files    system_u:object_r:shadow_t:s0
 
SELinux Local fcontext Equivalence
/srv/myweb = /var/www
</syntaxhighlight>
 
Eine Äquivalenzregel funktioniert wie ein transparenter Alias: Wenn SELinux irgendeine Datei innerhalb von /srv/myweb/ prüft, ersetzt es in deren Pfad virtuell /srv/myweb durch /var/www und sucht erst danach Übereinstimmungen in seiner umfangreichen Datenbank regulärer Ausdrücke
 
Wenn es erforderlich ist, die Äquivalenzregel zu entfernen, geschieht dies mit dem bereits bekannten Parameter -d; man muss ihn lediglich anstelle des Parameters -a aus dem ursprünglichen Befehl verwenden
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" copy line>
semanage fcontext -d -e /var/www /srv/myweb
semanage fcontext -lC
</syntaxhighlight>
 
=== Export und Import lokaler Policies ===
Das Dienstprogramm semanage kann Policies mit den Befehlen semanage export und semanage import in eine Datei exportieren beziehungsweise aus einer Datei importieren
* In der Praxis wird das zum Beispiel verwendet, wenn ein Administrator plant, Policies von einem Testserver auf die Produktionsumgebung zu übertragen
 
==== Export ====
Verwendungsbeispiel
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
semanage export -f /tmp/selinux_local_rules.txt
</syntaxhighlight>
 
Prüfen wir, was sich darin befindet
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" copy line>
cat /tmp/selinux_local_rules.txt
boolean -D
login -D
interface -D
...
fcontext -a -f a -t shadow_t -r 's0' '/opt/app_auth/vault(/.*)?'
module -d acpi
module -d aisexec
module -d amtu
..
</syntaxhighlight>


==== Wie der Dateikontext bestimmt wird ====
Wie man sehen kann, ist die Datei logisch in drei Teile gegliedert
Die Bestimmung des Dateikontexts basiert auf Dateikontextdefinitionen, die in der Systemsicherheitsrichtlinie (den [[.fc]]-Dateien) festgelegt sind
* Basierend auf der Systemrichtlinie generiert [[semanage]] die Dateien [[file_contexts.homedirs]] und [ [file_contexts]]-Dateien


Systemadministratoren können Dateikontextdefinitionen mit dem Befehl [[semanage fcontext]] anpassen
* '''Bereinigungsblock''' (Einträge mit dem Schlüssel -D) – beim Import der Datei auf einem neuen Server (über semanage import) soll das Policy-System zu einer ''exakten Kopie'' des Quellservers werden
* Solche Anpassungen werden in der Datei [[file_contexts.local]] gespeichert
* Daher müssen alle lokalen Einstellungen gelöscht werden
* Der Schlüssel -D wird als Delete interpretiert
* '''Lokale Regeln''' (im Beispiel die einzige Regel fcontext)
* '''Block deaktivierter Policy-Module''' (Einträge mit dem Schlüssel -d) – das Policy-Set default policy in Debian ist gehärtet (hardened) und deaktiviert ungenutzte Module
* In RHEL macht die Policy targeted genau das Gegenteil: Dort sind standardmäßig von Anfang an alle Module aktiviert, unabhängig davon, ob die entsprechende Software installiert ist oder nicht


Wenn ein Kennzeichnungsprogramm wie [[matchpathcon]] oder [[restorecon]] die richtige Kennzeichnung für einen bestimmten Pfad ermittelt, sucht es zunächst nach lokalen Änderungen ([[file_contexts.local]])
==== Import ====
* Findet das Dienstprogramm kein passendes Muster, durchsucht es die Datei [[file_contexts.homedirs]] und schließlich die Datei [[file_contexts]]
Für den Import wird der Befehl semanage import verwendet; seine Syntax sieht identisch zum Export aus
* Sobald jedoch eine Übereinstimmung für einen bestimmten Dateipfad gefunden wird, endet die Suche, sucht das Dienstprogramm nicht nach weiteren Dateikontext-Definitionen
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
* Das bedeutet, dass Dateikontexte, die sich auf das Home-Verzeichnis beziehen, eine höhere Priorität haben als die übrigen, und lokale Anpassungen überschreiben die Systemrichtlinie
semanage import -f /tmp/selinux_local_rules.txt
</syntaxhighlight>


Dateikontext-Definitionen, die durch die [[Systemrichtlinie]] festgelegt sind (Inhalt der Dateien [[file_contexts.homedirs]] und [[file_contexts]]), werden vor der Auswertung nach der Länge des Stamms (Präfix des Pfads vor etwaigen Platzhaltern) sortiert
Wenn uns die importierten Policies zusagen und alles Erforderliche mit matchpathcon -V geprüft wurde, wenden wir die Änderungen an
* Das bedeutet, dass der spezifischste Pfad ausgewählt wird
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy line>
* Mit [[semanage fcontext]] festgelegte Dateikontextdefinitionen werden jedoch in umgekehrter Reihenfolge zu ihrer Definition ausgewertet
restorecon -Rv /
der letzte Eintrag wird unabhängig von der Stammlänge zuerst ausgewertet
</syntaxhighlight>


Weitere Informationen zu
{{navigation|Linux/SELinux/04/06 Booleane|Linux/SELinux/04/08 Typen}}
* der Änderung des Dateikontexts mit [[chcon]] finden Sie im Abschnitt „Temporäre Änderungen
chcon“
* das Ändern und Hinzufügen einer Dateikontextdefinition mit [[semanage fcontext]] finden Sie im Abschnitt „ Dauerhafte Änderungen
semanage fcontext“
* das Ändern und Hinzufügen einer Dateikontextdefinition durch eine Systemrichtlinienoperation, siehe Abschnitt „[[Pflege von SELinux-Labels]]“ oder Abschnitt „[[Priorisierung und Deaktivierung von SELinux-Richtlinienmodulen]]“


[[Kategorie:SELinux/DOC]]
[[Kategorie:Linux/SELinux/Praxis]]
[[Kategorie:Linux/SELinux/04]]

Aktuelle Version vom 16. Juni 2026, 09:25 Uhr

Linux/SELinux/04/07 Kontexte - Struktur und Auslesen des Sicherheitskontexts

Kontext und Label

Im SELinux-System (Security-Enhanced Linux) wird der Zugriff auf Ressourcen nicht auf Grundlage der Eigentümerrechte gesteuert (wie im klassischen DAC-Modell), sondern auf Grundlage von Sicherheitskontexten

Wichtig
  • SELinux-Richtlinienregeln (MAC) werden erst nach den klassischen Linux-Zugriffsrechten (DAC — Eigentümer, Gruppe, rwx) überprüft.
  • Wenn bereits die DAC-Regeln den Zugriff verweigern, blockiert das System sofort. SELinux wird in diesem Fall gar nicht erst angewendet und erzeugt folglich auch keine AVC-Meldungen im Audit-Log.

Ein Kontext ist ein spezielles Label, das jedem Systemobjekt zugewiesen wird (Dateien, Prozessen, Netzwerkports)

Datei-Labels werden direkt im Dateisystem als erweiterte Dateiattribute (Extended Attributes oder xattr) gespeichert

  • SELinux verwendet dabei das Attribut mit dem Namen security.selinux

Auf das Vorhandensein erweiterter Attribute weist ein Punkt am Ende der Attributanzeige bei Verwendung von ls -l hin

sudo ls -l /var/log/apt/
total 388
-rw-r--r--. 1 root root 43628 Mar 21 12:52 eipp.log.xz
-rw-r--r--. 1 root root 54225 Mar 21 12:52 history.log
-rw-r-. 1 root adm 283440 Mar 21 12:52 term.log

Kontextzeichenfolge

Anatomie der Kontextzeichenfolge

Das vollständige Label eines Sicherheitskontexts besteht aus vier (manchmal fünf) durch Doppelpunkte getrennten Elementen

Typische Struktur
user : role : type : level

Typen

Bedeutung des Typs (Type) in der Targeted Policy

In den meisten modernen Distributionen (RHEL, CentOS, Fedora, Debian) wird standardmäßig die Policy Targeted verwendet

  • In diesem Modell liegt der Schwerpunkt auf Type Enforcement (TE) — der erzwungenen Zuweisung von Typen

Zur Analyse von Sicherheitslabels (Kontexten) werden Standard-Linux-Werkzeuge mit der zusätzlichen Option -Z verwendet.

Die Option -Z wird von fast allen grundlegenden Befehlen unterstützt

  • cp -Z — kopiert eine Datei und weist ihr sofort den korrekten Kontext des Zielverzeichnisses zu (den Standardkontext des Verzeichnisses)
  • Im Gegensatz dazu bewahrt der Parameter -a den ursprünglichen Kontext der Datei
  • mkdir -Z — erstellt ein Verzeichnis, das sofort den Standardkontext erhält (ohne dass restorecon ausgeführt werden muss)
  • Außerdem die Anzeigeprogramme: ls -Z (Dateien), ps -Z (Prozesse), id -Z (Benutzer)

Kontext von Dateien und Verzeichnissen

Vererbung (Inheritance)
Standardmäßig erben neu erstellte Dateien und Verzeichnisse den SELinux-Typ ihrer übergeordneten Verzeichnisse. Wenn Sie beispielsweise eine neue Datei im Verzeichnis /etc erstellen, das mit dem Typ etc_t gekennzeichnet ist, erhält die neue Datei automatisch denselben Typ.

Zum Anzeigen des Kontexts von Dateien wird der Befehl ls -Z verwendet

ls -Z /var/log

Ausgabe

system_u:object_r:var_log_t:s0 README
system_u:object_r:var_log_t:s0 alternatives.log
system_u:object_r:httpd_log_t:s0 apache2
system_u:object_r:apt_var_log_t:s0 apt
system_u:object_r:auditd_log_t:s0 audit
system_u:object_r:faillog_t:s0 btmp
system_u:object_r:var_log_t:s0 cloud-init-output.log
system_u:object_r:var_log_t:s0 cloud-init.log
system_u:object_r:var_log_t:s0 dpkg.log

Interpretation der Typen

Bei der Analyse von Kontexten sollte man auf die Suffixe der Typen achten, da diese häufig auf ihren Zweck hinweisen

Kontext Beschreibung
_t Allgemeines Suffix für Typen (type)
_exec_t Typ, der ausführbaren Dateien (Binärdateien) zugewiesen wird
_conf_t Typ für Konfigurationsdateien
_log_t Typ für Logdateien
_tmp_t Typ für temporäre Dateien

Extended Attributes

Speicherung auf dem Datenträger

SELinux-Sicherheitskontexte werden nicht in einer separaten Datenbank oder einem zentralen Journal gespeichert

  • Sie sind ein integraler Bestandteil des Dateisystems und werden zusammen mit den Dateien verschoben, wenn diese kopiert oder verschoben werden (sofern die verwendeten Werkzeuge die Beibehaltung der Attribute unterstützen)
Begriff Extended Attributes (xattr)

Erweiterte Attribute (xattr) sind eine Funktion von Dateisystemen (wie Ext4, XFS, Btrfs), die es ermöglichen, einer Datei oder einem Verzeichnis zusätzliche Metadaten im Format „Schlüssel=Wert“ zuzuordnen

Während Standardattribute (Zugriffsrechte, Eigentümer, Zeitstempel) eine feste Struktur haben, ermöglichen erweiterte Attribute die Speicherung beliebiger Daten

Hier speichert SELinux die Kontextzeichenfolge unter dem Schlüssel security.selinux

Namensräume

Namensräume (Namespaces)

Zur Vermeidung von Konflikten und zur Gewährleistung der Sicherheit sind erweiterte Attribute in Namensräume unterteilt

Jeder Namensraum hat eigene Zugriffsregeln

Namensraum Zweck Zugriff
security Wird von Sicherheitsmodulen verwendet (SELinux, AppArmor, IMA) Der Zugriff ist auf den Kernel und Prozesse mit besonderen Privilegien beschränkt
system Wird vom Kernel zur Speicherung von Systemdaten verwendet, zum Beispiel von Access Control Lists (ACL) In der Regel nur für den Kernel zugänglich
user Ist für Benutzeranwendungen und Dokumente vorgesehen Wird durch die standardmäßigen Zugriffsrechte (DAC) geregelt
trusted Zur Speicherung von Daten, auf die nur Prozesse mit dem Privileg CAP_SYS_ADMIN zugreifen dürfen Für normale Benutzer unsichtbar, selbst wenn sie Eigentümer der Datei sind

Attribute

Arbeit mit Attributen

getfattr und setfattr

Obwohl für die Verwaltung von SELinux häufiger spezialisierte Befehle (chcon, semanage) verwendet werden, ermöglichen Low-Level-Werkzeuge aus dem Paket attr, zu sehen, wie diese Daten aus Sicht des Dateisystems aussehen

Attribute anzeigen

Attribute anzeigen (getfattr)

Zum Lesen eines Attributs einer bestimmten Datei wird der Befehl getfattr verwendet

  • Um den SELinux-Kontext anzuzeigen, muss der vollständige Schlüsselname im Namensraum security angegeben werden
getfattr -n security.selinux /etc/passwd

Um alle vorhandenen Attribute einer Datei anzuzeigen, wird ein Befehl der Form getfattr -m . -d /etc/passwd verwendet

Attribute setzen

Attribute setzen (setfattr)

Der Befehl setfattr ermöglicht es, den Kontextwert manuell zu ändern

  • Diese Aktion erfordert Superuser-Rechte und wird in der Regel nur zu Debugging-Zwecken oder für ein tieferes Systemverständnis ausgeführt
touch testfile
setfattr -n security.selinux -v "unconfined_u:object_r:user_home_t:s0" testfile

Bei der Verwendung von setfattr prüft das System die Korrektheit des eingegebenen Kontexts nicht so streng, wie es die SELinux-Werkzeuge tun

  • Ein Fehler in der Zeichenfolge kann dazu führen, dass die Datei für Zielprozesse unzugänglich wird.

Anwendung

Modus prüfen

getenforce

Wenn der Befehl Enforcing zurückgibt, schalten Sie ihn vorübergehend mit dem Befehl setenforce 0 auf Permissive um.

Blockierende Situation

Erzeugen einer blockierenden Situation

Sie haben eine Datei erstellt, ihr jedoch versehentlich (oder absichtlich) einen Kontext zugewiesen, der weder für einen normalen Benutzer noch für das aktuelle Verzeichnis vorgesehen ist

touch /tmp/testfile
ls -Z /tmp/testfile
unconfined_u:object_r:user_tmp_t:s0 /tmp/testfile

Wie an der Konsolenausgabe zu sehen ist, hat die Datei den Typ user_tmp_t, der typisch für Dateien im Verzeichnis /tmp ist

  • Viele Programme haben Leserechte auf dieses Verzeichnis
  • Weisen wir der Datei nun den Typ shadow_t zu

Unter normalen Umständen haben nur Passwortdateien diesen Typ, und normalen Prozessen sowie Benutzern ist die Interaktion mit solchen Dateien untersagt

setfattr -n security.selinux -v "system_u:object_r:shadow_t:s0" /tmp/testfile

Zum Setzen von Attributen kann auch das Werkzeug chcon verwendet werden; in diesem Fall sieht der Befehl wie folgt aus

chcon -t shadow_t /tmp/testfile

Über das Werkzeug chcon sprechen wir etwas später noch genauer besprochen

Prüfung, ob die Attribute korrekt gesetzt wurden

sudo ls -Z /tmp/testfile
unconfined_u:object_r:shadow_t:s0 /tmp/testfile

Schließlich muss nun ein Verstoß provoziert werden; dazu versuchen wir, die Datei zu lesen oder zu ändern

echo "test" > /tmp/testfile

Nun betrachten wir die AVC-Ereignisse mit dem Werkzeug ausearch

ausearch -m AVC -ts recent

Und wir werden nichts sehen, denn standardmäßig gelangt ein Benutzer, der sich per SSH oder über die Konsole anmeldet, in den Standardrichtlinien (Targeted Policy) in die Domäne unconfined_t (uneingeschränkt)

Das kann mit dem Befehl id -Z geprüft werden

sudo id -Z
unconfined_u:unconfined_r:unconfined_t:s0-s0:c0.c1023

Prozessen in der Domäne unconfined ist praktisch alles erlaubt

SELinux sieht, dass ein „uneingeschränkter“ Prozess eine Datei liest, und auch wenn die Datei einen ungewöhnlichen Typ hat (wie shadow_t), betrachtet es dies für diesen konkreten Prozess nicht als Richtlinienverstoß

Um die Funktionsweise von SELinux zu prüfen, muss das Lesen der Datei mit dem Kontext eines anderen Prozesses gestartet werden, zum Beispiel httpd_t.

Da der Typ httpd_t keinen Zugriff auf ausführbare Dateien des Typs bin_t hat (dieser Typ ist für cat gesetzt), erstellen wir eine Kopie von cat und weisen ihr den Typ httpd_t zu

cp /usr/bin/cat /tmp/fake_httpd
setfattr -n security.selinux -v "system_u:object_r:httpd_t:s0" /tmp/fake_httpd sudo oder chcon -t httpd_t /tmp/fake_httpd

Prüfung

systemd-run -p SELinuxContext=system_u:system_r:httpd_t:s0 /tmp/fake_httpd /tmp/testfile

In SELinuxContext wird der Kontext für den Start angegeben

  • Anschließend wird cat mit dem Sicherheitstyp httpd_t gestartet und versucht, /tmp/testfile zu lesen

Wir betrachten die AVC-Einträge

ausearch -m AVC -ts recent -c fake_httpd
type=AVC msg=audit(1774103099.579:33834): avc: denied { getattr } for pid=38589 comm="fake_httpd" path="/tmp/testfile" dev="tmpfs" ino=117 scontext=system_u:system_r:httpd_t:s0 tcontext=unconfined_u:object_r:shadow_t:s0 tclass=file permissive=1
  • { getattr } zeigt, welche konkrete Aktion das Subjekt auszuführen versucht hat
  • tcontext zeigt den Kontext des Objekts, auf das ein unbefugter Zugriff versucht wurde
  • scontext zeigt den Kontext des Subjekts, das versucht hat, auf das Objekt mit tcontext zuzugreifen
  • path zeigt den Pfad zur Datei

Wie im Log zu sehen ist, wurde der Zugriff für fake_httpd bereits beim Lesen der Dateiattribute verweigert!

Außerdem ist zu erkennen, dass es für SELinux keine Rolle spielt, unter welchem Benutzer der Prozess gestartet wurde, der gegen die Regeln verstoßen wollte

  • Auch Zugriffsrechte wie chmod 777 beeinflussen das Ergebnis nicht

Versuchen wir dasselbe mit dem Typ user_home_t

  • Dieser Typ wird für Dateien im Home-Verzeichnis eines Benutzers verwendet
  • Der Prozess httpd darf keine Leserechte auf Dateien im Home-Verzeichnis eines Benutzers haben

Zur Veranschaulichung geben wir der Datei zusätzlich Vollzugriff für alle

setfattr -n security.selinux -v "system_u:object_r:user_home_t:s0" /tmp/testfile
chmod 777 /tmp/testfile
systemd-run -p SELinuxContext=system_u:system_r:httpd_t:s0 /tmp/fake_httpd /tmp/testfile
ausearch -m AVC -ts recent -c fake_httpd

Und erneut erscheint im Log eine Meldung über einen Verstoß

type=AVC msg=audit(1774103685.752:33957): avc: denied { getattr } for pid=38729 comm="fake_httpd" path="/tmp/testfile" dev="tmpfs" ino=117 scontext=system_u:system_r:httpd_t:s0 tcontext=system_u:object_r:user_home_t:s0 tclass=file permissive=1
Wichtig
Wenn dieselbe verbotene Aktion mehrmals hintereinander ausgeführt wird, erscheint sie nicht jedes Mal im Log, um Spam zu vermeiden

Um den SELinux-Cache zu leeren, kann ein Neustart des Betriebsmodus verwendet werden

 setenforce 1 && setenforce 0

change context (chcon)

SELinux-Kontext einer Datei oder eines Verzeichnisses ändern

Funktionen
  • vollständigen Kontext auf einmal setzen
  • einzelne Kontextfelder (etwa den Typ) ändern
  • Kontext einer anderen Datei übernehmen (--reference)

Zuvor wurden setfattr und chcon verwendet

  • Wie man sehen kann, ist chcon komfortabler, da sich damit einzelne Felder gezielt ändern lassen
  • Außerdem wird chcon als primäres Werkzeug für die Arbeit mit SELinux-Kontexten empfohlen, während setfattr ein Low-Level-Werkzeug ist, das mit Nicht-SELinux-xattr arbeitet

Die wichtigste Einschränkung von chcon (genauso wie von setfattr) besteht darin, dass die Änderungen nicht dauerhaft sind

  • Sie können nach restorecon oder nach einem vollständigen Relabeling des Dateisystems verloren gehen

Daher wird dieses Werkzeug hauptsächlich verwendet für

  • Laborübungen
  • schnelle Diagnose
  • temporäre Überprüfung von Richtlinien

Die dauerhafte Konfiguration von Labels erfolgt mit dem Werkzeug semanage und einem anschließenden Aufruf von restorecon

  • Näheres zum Werkzeug semanage folgt in den nächsten Lektionen

Verwendung

Zur Demonstration erstellen wir die erforderlichen Dateien und Verzeichnisse und prüfen den Kontext des Verzeichnisses sowie der Dateien

mkdir -p /tmp/web_content/images
cd /tmp/web_content/
touch manual
touch test.conf
touch images/image.png
ls -Zd /tmp/web_content/
ls -Z -1 /tmp/web_content/

Diesem Verzeichnis wurde der Typ user_tmp_t vererbt, ebenso den darin enthaltenen Dateien

Versuchen wir, den vollständigen Kontext manuell zu setzen

chcon system_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0 manual
ls -Z -1

Diese Methode wird nur selten verwendet, da für SELinux in der Regel das Feld type am wichtigsten ist

Um das Feld type zu ändern, wird der Parameter -t verwendet

chcon -t shadow_t manual

Zum Ändern der Felder user und role werden entsprechend die Optionen -u und -r verwendet

Der Parameter -R erlaubt die rekursive Verarbeitung von Verzeichnissen

Weisen wir dem gesamten Verzeichnis web_content den Typ httpd_sys_content_t zu und verwenden dabei den Parameter -v, um Details anzuzeigen

chcon -R -v -t httpd_sys_content_t /tmp/web_content
ls -Z -1

Um den Kontext von einem bereits korrekt gelabelten Objekt zu kopieren, kann die Option --reference=RFILE verwendet werden

touch /tmp/ref
chcon -R --reference=/tmp/ref /tmp/web_content
ls -Z -1
Parameter für den Umgang mit Symlinks
Unix GNU Beschreibung
--dereference (standardmäßig verwendet) wirkt nicht auf den symbolischen Link selbst, sondern auf das Objekt, auf das er verweist
-h --no-dereference ändert den symbolischen Link selbst und nicht das Zielobjekt

Woher kommt der „richtige“ Kontext (File Contexts)

In der ersten Phase wurden die tatsächlichen Dateilabels betrachtet: was in security.selinux gespeichert ist, wie dies in ls -Z aussieht und warum sich cp und mv unterschiedlich verhalten

In dieser Lektion kommt die nächste Modellebene hinzu: SELinux speichert nicht nur das aktuelle Label eines Objekts, sondern auch die Vorstellung davon, welcher Kontext einem Pfad gemäß den Regeln der Policy zugewiesen sein soll Für das Verständnis der Logik der SELinux-Labeling-Regeln müssen zwei Begriffe strikt voneinander getrennt werden

  1. Tatsächliches Label (Security Context). Das sind die Daten, die physisch in den erweiterten Attributen des Dateisystems (extended attributes — xattr) auf dem Datenträger gespeichert sind
    • Genau dieses Label sehen der Linux-Kernel und das SELinux-Modul beim Zugriff auf eine Datei und verwenden es für die Zugriffsentscheidung
  2. Erwarteter Kontext (File Context). Das ist eine Regel, die in der SELinux-Policy-Datenbank definiert ist
    • Sie legt fest, welches Label einer Datei oder einem Verzeichnis an einem bestimmten Pfad zugewiesen werden soll

Wo SELinux Informationen über erwartete Kontexte speichert

In der Default-Policy befinden sich die Änderungen im Zusammenhang mit File Contexts im Verzeichnis

/etc/selinux/default/contexts/files/

Die aktuelle Policy kann mit dem Befehl sestatus angezeigt werden

# sestatus
..
SELinux root directory:     /etc/selinux
Loaded policy name:       default
..

Struktur der File-Context-Dateien

  • file_contexts — Basistabelle der File Contexts der aktiven Policy
  • file_contexts.local — lokale administrative Ergänzungen
  • file_contexts.homedirs — separate Einstellungen für Home-Verzeichnisse
  • .subs und .subs_dist — Dateien für Pfadsubstitutionen

Um zu verstehen, wie das System Pfade und Labels einander zuordnet, öffnen wir die Datei /etc/selinux/default/contexts/file/file_contexts

head /etc/selinux/default/contexts/files/file_contexts
Ausgabe
/.*                system_u:object_r:default_t:s0
/a?quota\.(user|group)  --   system_u:object_r:quota_db_t:s0
/sys(/.*)?            system_u:object_r:sysfs_t:s0
/xen(/.*)?            system_u:object_r:xen_image_t:s0
/mnt(/[^/]*)  			   -l   system_u:object_r:mnt_t:s0
/mnt(/[^/]*)?  		    -d   system_u:object_r:mnt_t:s0
/dev/.*              system_u:object_r:device_t:s0
/etc/.*              system_u:object_r:etc_t:s0
/opt/.*              system_u:object_r:usr_t:s0
/run/.* 						        <<none>>

Jede Zeile in dieser Datei stellt eine feste Anweisung für SELinux dar und besteht aus zwei oder drei Spalten

  1. Regulärer Ausdruck (Regular Expression). Die erste Spalte beschreibt den Pfad
    • SELinux verwendet reguläre Ausdrücke im PCRE*-Format (Perl-compatible regular expression)
    • Beispielsweise bedeutet der Ausdruck /var/www(/.*)?: sowohl das Verzeichnis /var/www selbst als auch absolut jede Datei oder jedes Unterverzeichnis darin
    • Wichtig zur PCRE-Verarbeitung:
      • Das einzige verwendete Flag ist PCRE2_DOTALL. Dadurch stimmt der Platzhalter . (Punkt) mit jedem beliebigen Zeichen überein, einschließlich Zeilenumbrüchen
      • Zeichenfolgen, die Pfade darstellen, werden strikt als Bytes verarbeitet. Das bedeutet, dass Nicht-ASCII-Zeichen (wie beispielsweise deutsche Umlaute) unter Umständen nicht durch einen einzelnen Platzhalter abgeglichen werden können
  2. Objekttyp (optional). Die zweite Spalte kann präzisieren, für welchen Typ von Dateisystemobjekten die Regel gilt
    • -d — nur auf Verzeichnisse anwenden
    • -- — nur auf reguläre Dateien anwenden
    • Falls die Spalte fehlt, gilt die Regel für alle Objekte am angegebenen Pfad.
  3. Erwarteter Kontext (Security Context). Die letzte Spalte enthält das Referenzlabel, das dem Objekt zugewiesen werden soll
    • Das wichtigste Element hierbei ist Type (zum Beispiel httpd_sys_content_t), der die Zugriffsdomänen bestimmt

(* PCRE - Perl-compatible regular expression)

Bei der Initialisierung des Dateisystems oder beim erzwungenen Zurücksetzen der Labels (Relabeling) liest der Kernel diese Datei Zeile für Zeile von oben nach unten

  • Wenn das Dienstprogramm eine Übereinstimmung zwischen dem Dateipfad und dem regulären Ausdruck findet, weist es dem Objekt den entsprechenden Kontext aus der dritten Spalte zu

Struktur von File-Context-Regeln und ihre Prioritäten

Im vorherigen Schritt wurde die Quelle der Dateikontexte analysiert — die Datenbank file_contexts

  • In dieser Lektion gehen wir tiefer in die Funktionsweise dieser Datenbank: wie das System die Zuordnungstabelle path -> label genau liest und wie es entscheidet, welcher Kontext zugewiesen wird, wenn mehrere Regeln auf denselben Pfad passen

Format einer File-Context-Regel

Jeder Eintrag in file_contexts, file_contexts.local und file_contexts.homedirs hat dieselbe Grundform

pathname [file_type] context
  • pathname — vollständiger Pfad oder regulärer PCRE-Ausdruck, anhand dessen SELinux nach Übereinstimmungen sucht
  • file_type — optionale Einschränkung auf einen Objekttyp
  • context — der Kontext, der dem Objekt zugewiesen werden soll

pathname

Betrachten wir ein Beispiel für eine Regel

/var/www(/.*)?  system_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0
  • Die Regel deckt den gesamten Teilbaum /var/www ab, also das Verzeichnis selbst und alle darin enthaltenen Objekte

file_type

Die optionale zweite Spalte schränkt die Regel auf einen bestimmten Objekttyp ein

In File Contexts werden folgende Bezeichnungen verwendet

Wert Beschreibung
d Verzeichnis
- reguläre Datei
l symbolischer Link
s Socket
p Named Pipe
c Zeichengerätedatei
b Blockgerätedatei

context

Die letzte Spalte enthält genau den erwarteten Security Context, der für einen übereinstimmenden Pfad zurückgegeben werden soll

  • Im Normalfall ist das ein vollständiges Label im Format user:role:type:range

Zulässig ist auch der spezielle Wert <<none>>

  • Er bedeutet, dass beim Relabeling für den übereinstimmenden Pfad kein Kontext gesetzt werden soll und dass ein Lookup kein Ergebnis zurückliefert

Prioritäten der Regeln

Basis- und modulare Policy-Definitionen

Um Konflikte zu vermeiden, verwendet der SELinux-Parser ein striktes Prioritätssystem

  1. Eine exakte Übereinstimmung hat die höchste Priorität. Eine Regel, die einen Pfad ohne Platzhalter regulärer Ausdrücke beschreibt (zum Beispiel genau /etc/passwd), gewinnt immer gegenüber allgemeineren Ausdrücken
  2. Die maximale Länge der Übereinstimmung bestimmt die Spezifität. Falls es keine exakte Übereinstimmung gibt, gewinnt die spezifischste Regel — also diejenige, bei der der übereinstimmende Teil des Pfads länger ist
    • Eine Regel für /var/www/html(/.*)? sticht eine allgemeinere Regel für /var/www(/.*)?
  3. Eine explizite Angabe der Objektklasse erhöht die Priorität. Bei gleicher Länge der Übereinstimmung hat eine Regel mit explizit angegebenem Klassifizierer (zum Beispiel -d für Verzeichnisse oder -- für reguläre Dateien) Vorrang vor einer Regel ohne Klassenangabe

Dank dieser Hierarchie werden Basislabels auf der Ebene der Wurzel des Dateisystems gesetzt und dann beim tieferen Abstieg im Verzeichnisbaum weiter verfeinert und überschrieben

Lokale Regeln in file_contexts.local

Für lokale SELinux-Regeln gilt eine andere Prioritätslogik als für Basis- und modulare Policy-Definitionen

  1. Lokale Regeln haben Vorrang vor der Policy. Jeder Eintrag aus file_contexts.local, der zum Beispiel über semanage fcontext hinzugefügt wurde, wird vor den entsprechenden Definitionen aus der Basis-Policy oder aus Modulen berücksichtigt
  2. Die Priorisierung erfolgt von neuen zu alten Einträgen. Lokale Regeln werden nicht nach dem Prinzip „am spezifischsten“ verarbeitet, sondern in umgekehrter Reihenfolge ihrer Hinzufügung: vom zuletzt hinzugefügten Eintrag bis zum frühesten
  3. Es wird die erste Übereinstimmung verwendet. Sobald eine passende lokale Regel gefunden wurde, wird die weitere Suche beendet
    • Das bedeutet, dass ein allgemeinerer, aber später hinzugefügter Ausdruck einen genaueren, aber früher erstellten Ausdruck überdecken kann

Daher erfordern lokale Regeln besondere Sorgfalt: Ein zu weit gefasster Ausdruck, der über semanage fcontext hinzugefügt wurde, kann unerwartet genauere Basisdefinitionen der Policy überdecken

Genau aus diesem Grund sollten lokale reguläre Ausdrücke möglichst eng gefasst und zielgerichtet sein, sodass sie nur den tatsächlich benötigten Abschnitt des Verzeichnisbaums überschreiben

Befehl matchpathcon

matchpathcon fragt die System-Policy ab und gibt den Standardkontext aus, der mit dem angegebenen Pfad verknüpft ist

  • Das Werkzeug ist speziell für die Analyse des erwarteten Kontexts nützlich und nicht für den aktuellen Inhalt von xattr
  • Dieses Dienstprogramm verwaltet keine Regeln, sondern zeigt lediglich das Ergebnis der Pfadprüfung gegen die File-Context-Datenbank an
Hauptziele bei der Verwendung von matchpathcon
  • verstehen, welches Label ein Pfad haben sollte
  • das tatsächliche Label mit der Policy-Erwartung vergleichen
  • im Voraus prüfen, welchen Kontext ein neuer Pfad nach dem Ausführen von restorecon erhält
Prüfschichten

Prüfschichten entsprechend der Priorität der Regeln (von der niedrigsten zur höchsten Priorität)

  • Basisregeln der Policy (file_contexts)
  • Regeln für Home-Verzeichnisse (file_contexts.homedirs)
  • Systemweite Pfad-Aliase der Distribution (file_contexts.subs_dist)
  • Lokale Äquivalenzregeln (file_contexts.subs)
  • lokale administrative Änderungen (file_contexts.local)
Optionen

Zunächst verwenden wir den Befehl ohne Parameter, um das erwartete Label für die Datei /etc/resolv.conf anzusehen

  • Anschließend vergleichen wir es mit dem tatsächlichen Label mittels ls
matchpathcon /etc/resolv.conf
ls -Z /etc/resolv.conf
  • Für die Problemdiagnose — insbesondere um zu prüfen, ob der auf dem Datenträger vorhandene Kontext mit dem Standardkontext aus der Policy übereinstimmt — ist auch der Parameter -V (Verify) praktisch
  • Zur Veranschaulichung erzeugen wir eine Situation, in der das aktuelle Label nicht mit dem erwarteten übereinstimmt
cp -a /etc/hosts /var/log/hosts
matchpathcon -V /var/log/hosts
/var/log/hosts has context system_u:object_r:net_conf_t:s0, should be system_u:object_r:var_log_t:s0

Wichtig ist zu beachten, dass das Dienstprogramm matchpathcon für manche Pfade <<none>> zurückgeben kann (zum Beispiel für Dateien in tmp)

  • Das ist ein spezieller interner Wert in der Datenbank file_contexts: Er bedeutet, dass für diesen Pfad und Objekttyp kein erwarteter Standardkontext gefunden wurde oder dass dieser Pfad kein Label über File Context erhalten soll
  • Der Objekttyp kann mit dem Parameter -m (mode) erzwungen angegeben werden
  • Das ist besonders wichtig für Pfade, die noch nicht existieren, oder wenn ein konkretes Szenario geprüft werden soll: „Was wäre, wenn dies ein Verzeichnis wäre?“ oder „Was wäre, wenn dies eine Datei wäre?“
matchpathcon -m dir /etc/dir
matchpathcon -m file /var/log/mylog.log

Zuordnung der Objekttypen in file_contexts und der ausgeschriebenen Werte für den Parameter -m

matchpathcon -m file_contexts
file
dir
lnk_file
sock_file
pipe
chr_file
blk_file

Am häufigsten werden die Typen file, dir, lnk_file verwendet

Für Skripte und Automatisierung ist der Parameter -n (no path) praktisch

matchpathcon -n /etc/hosts

Die Ausgabe enthält dann nicht den Pfad, sondern nur das Ergebnis der Prüfung des erwarteten File Context

  • Schließlich kann statt der aktuellen auch eine alternative Datei file_contexts verwendet werden
  • Das kann für Testzwecke nützlich sein; dafür dient der Parameter -f (file contexts)
matchpathcon -f /tmp/test_file_contexts /srv/myapp

Außerdem kann mit dem Parameter -P (Policy) ein alternativer Pfad für einen vollständigen Policy-Satz verwendet werden

Verwaltung von Kontexten mit semanage

Nun ist es endlich an der Zeit, die Verwaltung der File-Context-Datenbank zu betrachten

Wie bereits zuvor besprochen, überschreibt chcon direkt die erweiterten Attribute (xattr) auf dem Datenträger, teilt der SELinux-Policy-Datenbank (file_contexts) jedoch absolut nichts darüber mit

Änderungen, die mit chcon vorgenommen werden, sind im Maßstab des Systemlebenszyklus nur temporär

Sie werden bei jedem der folgenden Ereignisse unwiderruflich zerstört (durch Referenzwerte aus der Datenbank überschrieben)

  • der Administrator startet das Dienstprogramm restorecon manuell für dieses Verzeichnis;
  • es erfolgt ein Systemupdate eines Pakets (zum Beispiel des Webservers), dessen Installer eine Prüfung der Kontexte auslöst;
  • beim Booten wird ein vollständiges Relabeling des Dateisystems initiiert (durch Erzeugen der Datei /.autorelabel)

semanage fcontext

Damit ein Kontext alle Updates und Relabeling-Vorgänge übersteht, muss man dem SELinux-System selbst beibringen, dass ein nicht standardmäßiger Pfad nun ein bestimmtes Label haben soll

Dafür wird das Werkzeug semanage (SELinux Policy Management Tool) verwendet

  • Es ist das allgemeine Werkzeug zur lokalen Verwaltung von Elementen der SELinux-Policy, darunter: login mappings, SELinux users, ports, interfaces, modules, booleans, permissive types und file contexts
  • Für den aktuellen Schritt ist insbesondere der Bereich fcontext relevant

Verwendung

Zur Demonstration versuchen wir, ein nicht standardmäßiges Verzeichnis mit hochsensiblen Daten zu schützen

Stellen wir uns folgende Situation vor: Entwickler haben ein internes Authentifizierungssystem ausgerollt, das Sicherungskopien der Passwort-Hashes von Benutzern in einem nicht standardmäßigen Verzeichnis speichert — /opt/app_auth/vault/

mkdir -p /opt/app_auth/vault
ls -Zd /opt/app_auth/vault/

Wenn wir uns an die Analyse der Datei file_contexts aus den vorherigen Schritten erinnern, erhalten das Verzeichnis /opt/ und sein gesamter Inhalt standardmäßig den Kontext usr_t

Das ist ein öffentlicher Kontext
  • Die meisten laufenden Dienste und Benutzer dürfen Dateien mit diesem Label lesen.
  • Passwörter dort zu speichern ist unzulässig.
  • Daher muss für dieses Verzeichnis eine grundlegende Regel erstellt werden

Verwenden wir dazu die Parameter -a (add) und -t (Feld type)

semanage fcontext -a -t shadow_t "/opt/app_auth/vault(/.*)?"

"/opt/app_auth/vault(/.*)?" — ein regulärer Ausdruck, der das Verzeichnis selbst und absolut alle darin enthaltenen Dateien umfasst

Nun prüfen wir den Kontext des Verzeichnisses

ls -Zd /opt/app_auth/vault/

...und sehen, dass sich nichts geändert hat

  • Das liegt daran, dass wir zwar einen Eintrag in die Datenbank hinzugefügt haben, das bloße Hinzufügen eines Eintrags jedoch kein Relabeling auslöst
  • Um die Änderungen anzuwenden, wird das uns bereits bekannte Werkzeug restorecon verwendet
restorecon -Rv /opt/app_auth/vault/
ls -Zd /opt/app_auth/vault/

Ergebnis

# ls -Zd /opt/app_auth/vault/
unconfined_u:object_r:shadow_t:s0 /opt/app_auth/vault/

Prüfen wir, ob der Eintrag in der File-Context-Datenbank vorhanden ist

cat /etc/selinux/default/contexts/files/file_contexts.local

# This file is auto-generated by libsemanage
# Do not edit directly

/opt/app_auth/vault(/.*)?  system_u:object_r:shadow_t:s0

Jetzt sind die vertraulichen Daten zuverlässig geschützt!

Optionen

Das Werkzeug semanage verfügt über verschiedene nützliche Optionen; konzentrieren wir uns auf die wichtigsten

Welche nicht standardmäßigen Regeln manuell hinzugefügt wurden, kann mit der Option -l (list) zusammen mit dem Modifikator -C (Custom) angezeigt werden

semanage fcontext -lC

Den Kontexttyp für den bereits in der lokalen Datenbank registrierten Pfad /srv/myweb(/.*)? kann man mit der Option -m (modify) aktualisieren

semanage fcontext -m -t httpd_sys_rw_content_t "/srv/myweb(/.*)?"

Wichtig ist, dass der reguläre Ausdruck genau mit dem Eintrag in der Datenbank übereinstimmt, dessen Kontext wir ändern wollen

Wenn ein Dienst außer Betrieb genommen wurde und das nicht standardmäßige Verzeichnis nicht mehr benötigt wird, kann die Regel mit der Option -d gelöscht werden

semanage fcontext -d "/opt/app_auth/vault(/.*)?"

Äquivalente Pfade (Equivalence Rules)

Bei der Arbeit mit mehreren Verzeichnissen entsteht häufig die Situation, dass

  • bereits eine korrekt gekennzeichnete Struktur existiert
  • eine Kopie dieser Struktur an einem anderen Ort erstellt werden muss

Beispielaufgabe

Es gibt den Standardpfad des Webservers /var/www, wir haben jedoch beschlossen, die Dateien unserer neuen Website in einem nicht standardmäßigen Verzeichnis abzulegen, zum Beispiel auf einer separaten Festplatte, die unter /srv/myweb eingehängt ist

Wir erstellen zur Veranschaulichung mehrere Ordner im ursprünglichen Verzeichnis /var/www und bereiten das neue Verzeichnis /srv/myweb vor

mkdir -p /var/www/sessions && mkdir -p /var/www/cgi-bin
restorecon -v -R /var/www
ls -Z1 /var/www
mkdir -p /srv/myweb
cp -r /var/www/* /srv/myweb/
ls -Z1 /srv/myweb

Standardmäßig sind für das Verzeichnis /var/www und alle seine Unterverzeichnisse (html, cgi-bin usw.) im System bereits Dutzende komplexer regulärer Ausdrücke definiert, die die korrekten Kontexte zuweisen (zum Beispiel httpd_cache_t für /var/www/uploads(/.*)?)

  • Alle regulären Ausdrücke aus /var/www manuell für das neue Verzeichnis /srv/myweb umzuschreiben, wäre aufwendig, unhandlich und fehleranfällig

Für die Lösung solcher Aufgaben werden Äquivalenzregeln verwendet (Parameter -e des Befehls semanage fcontext)

semanage fcontext -a -e /var/www /srv/myweb

Änderungen anwenden

restorecon -v -R /srv/myweb

Sehen wir uns an, wie das in der Datenbank aussieht

# semanage fcontext -lC
SELinux fcontext                  type        Context
/opt/app_auth/vault(/.*)?             all files     system_u:object_r:shadow_t:s0

SELinux Local fcontext Equivalence
/srv/myweb = /var/www

Eine Äquivalenzregel funktioniert wie ein transparenter Alias: Wenn SELinux irgendeine Datei innerhalb von /srv/myweb/ prüft, ersetzt es in deren Pfad virtuell /srv/myweb durch /var/www und sucht erst danach Übereinstimmungen in seiner umfangreichen Datenbank regulärer Ausdrücke

Wenn es erforderlich ist, die Äquivalenzregel zu entfernen, geschieht dies mit dem bereits bekannten Parameter -d; man muss ihn lediglich anstelle des Parameters -a aus dem ursprünglichen Befehl verwenden

semanage fcontext -d -e /var/www /srv/myweb
semanage fcontext -lC

Export und Import lokaler Policies

Das Dienstprogramm semanage kann Policies mit den Befehlen semanage export und semanage import in eine Datei exportieren beziehungsweise aus einer Datei importieren

  • In der Praxis wird das zum Beispiel verwendet, wenn ein Administrator plant, Policies von einem Testserver auf die Produktionsumgebung zu übertragen

Export

Verwendungsbeispiel

semanage export -f /tmp/selinux_local_rules.txt

Prüfen wir, was sich darin befindet

cat /tmp/selinux_local_rules.txt
boolean -D
login -D
interface -D
...
fcontext -a -f a -t shadow_t -r 's0' '/opt/app_auth/vault(/.*)?'
module -d acpi
module -d aisexec
module -d amtu
..

Wie man sehen kann, ist die Datei logisch in drei Teile gegliedert

  • Bereinigungsblock (Einträge mit dem Schlüssel -D) – beim Import der Datei auf einem neuen Server (über semanage import) soll das Policy-System zu einer exakten Kopie des Quellservers werden
  • Daher müssen alle lokalen Einstellungen gelöscht werden
  • Der Schlüssel -D wird als Delete interpretiert
  • Lokale Regeln (im Beispiel die einzige Regel fcontext)
  • Block deaktivierter Policy-Module (Einträge mit dem Schlüssel -d) – das Policy-Set default policy in Debian ist gehärtet (hardened) und deaktiviert ungenutzte Module
  • In RHEL macht die Policy targeted genau das Gegenteil: Dort sind standardmäßig von Anfang an alle Module aktiviert, unabhängig davon, ob die entsprechende Software installiert ist oder nicht

Import

Für den Import wird der Befehl semanage import verwendet; seine Syntax sieht identisch zum Export aus

semanage import -f /tmp/selinux_local_rules.txt

Wenn uns die importierten Policies zusagen und alles Erforderliche mit matchpathcon -V geprüft wurde, wenden wir die Änderungen an

restorecon -Rv /