Zum Inhalt springen

Linux/SELinux/Praxis/1 Sicherheitskontext: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Foxwiki
Weiterleitungsziel von 04/07 Kontexte nach Linux/SELinux/04/07 Kontexte geändert
Markierung: Weiterleitungsziel geändert
 
(34 dazwischenliegende Versionen von einem anderen Benutzer werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
'''Sicherheitskontext''' - Struktur und Auslesen des Sicherheitskontexts
#WEITERLEITUNG [[Linux/SELinux/04/07_Kontexte]]
 
== Kontext und Label ==
Im SELinux-System (Security-Enhanced Linux) wird der Zugriff auf Ressourcen nicht auf Grundlage der Eigentümerrechte gesteuert (wie im klassischen DAC-Modell), sondern auf Grundlage von '''Sicherheitskontexten'''
 
Ein Kontext ist ein spezielles Label, das jedem Systemobjekt zugewiesen wird (Dateien, Prozessen, Netzwerkports)
 
Datei-Labels werden direkt im Dateisystem als '''erweiterte Dateiattribute (Extended Attributes oder xattr)''' gespeichert
* SELinux verwendet dabei das Attribut mit dem Namen security.selinux
 
Auf das Vorhandensein erweiterter Attribute weist ein Punkt am Ende der Attributanzeige bei Verwendung von ls -l hin
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" line copy>
# sudo ls -l /var/log/apt/
total 388
-rw-r--r--. 1 root root 43628 Mar 21 12:52 eipp.log.xz
-rw-r--r--. 1 root root 54225 Mar 21 12:52 history.log
-rw-r-. 1 root adm 283440 Mar 21 12:52 term.log
</syntaxhighlight>
 
=== Kontextzeichenfolge ===
; Anatomie der Kontextzeichenfolge
Das vollständige Label eines Sicherheitskontexts besteht aus vier (manchmal fünf) durch Doppelpunkte getrennten Elementen
 
; Typische Struktur
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line>
user : role : type : level
</syntaxhighlight>
 
== Typen ==
; Bedeutung des Typs (Type) in der Targeted Policy
In den meisten modernen Distributionen (RHEL, CentOS, Fedora, Debian) wird standardmäßig die Policy '''Targeted''' verwendet
* In diesem Modell liegt der Schwerpunkt auf '''Type Enforcement (TE)''' — der erzwungenen Zuweisung von Typen
'''Zur Analyse von Sicherheitslabels (Kontexten) werden Standard-Linux-Werkzeuge mit der zusätzlichen Option''' -Z '''verwendet.'''
 
Die Option -Z wird von fast allen grundlegenden Befehlen unterstützt
 
* ''cp -Z'' — kopiert eine Datei und weist ihr sofort den korrekten Kontext des Zielverzeichnisses zu (den Standardkontext des Verzeichnisses)
:* Im Gegensatz dazu bewahrt der Parameter -a den ursprünglichen Kontext der Datei
* ''mkdir -Z'' — erstellt ein Verzeichnis, das sofort den Standardkontext erhält (ohne dass restorecon ausgeführt werden muss)
* Außerdem die Anzeigeprogramme: ''ls -Z'' (Dateien), ''ps -Z'' (Prozesse), ''id -Z'' (Benutzer)
 
=== Kontext von Dateien und Verzeichnissen ===
Zum Anzeigen des Kontexts von Dateien wird der Befehl ls -Z verwendet
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
ls -Z /var/log
</syntaxhighlight>
 
Ausgabe
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" line copy>
system_u:object_r:var_log_t:s0 README
system_u:object_r:var_log_t:s0 alternatives.log
system_u:object_r:httpd_log_t:s0 apache2
system_u:object_r:apt_var_log_t:s0 apt
system_u:object_r:auditd_log_t:s0 audit
system_u:object_r:faillog_t:s0 btmp
system_u:object_r:var_log_t:s0 cloud-init-output.log
system_u:object_r:var_log_t:s0 cloud-init.log
system_u:object_r:var_log_t:s0 dpkg.log
</syntaxhighlight>
 
=== Interpretation der Typen: ===
Bei der Analyse von Kontexten sollte man auf die Suffixe der Typen achten, da diese häufig auf ihren Zweck hinweisen
 
* ''_t'': Allgemeines Suffix für Typen (type)
* ''_exec_t'': Typ, der ausführbaren Dateien (Binärdateien) zugewiesen wird
* ''_conf_t'': Typ für Konfigurationsdateien
* ''_log_t'': Typ für Logdateien
* ''_tmp_t'': Typ für temporäre Dateien
 
== Extended Attributes ==
; Speicherung auf dem Datenträger (Extended Attributes)
SELinux-Sicherheitskontexte werden nicht in einer separaten Datenbank oder einem zentralen Journal gespeichert
* Sie sind ein integraler Bestandteil des Dateisystems und werden zusammen mit den Dateien verschoben, wenn diese kopiert oder verschoben werden (sofern die verwendeten Werkzeuge die Beibehaltung der Attribute unterstützen)
 
=== Begriff Extended Attributes (xattr) ===
'''Erweiterte Attribute (xattr)''' sind eine Funktion von Dateisystemen (wie Ext4, XFS, Btrfs), die es ermöglichen, einer Datei oder einem Verzeichnis zusätzliche Metadaten im Format „Schlüssel=Wert“ zuzuordnen
 
Während Standardattribute (Zugriffsrechte, Eigentümer, Zeitstempel) eine feste Struktur haben, ermöglichen erweiterte Attribute die Speicherung beliebiger Daten
* Genau hier speichert SELinux die Kontextzeichenfolge unter dem Schlüssel security.selinux
 
== Namensräume ==
; Namensräume (Namespaces)
Zur Vermeidung von Konflikten und zur Gewährleistung der Sicherheit sind erweiterte Attribute in '''Namensräume''' unterteilt
 
Jeder Namensraum hat eigene Zugriffsregeln
{| class="wikitable big"
!'''Namensraum'''
!'''Zweck'''
!'''Zugriff'''
|-
|'''security'''
|Wird von Sicherheitsmodulen verwendet (SELinux, AppArmor, IMA)
|Der Zugriff ist auf den Kernel und Prozesse mit besonderen Privilegien beschränkt
|-
|system
|Wird vom Kernel zur Speicherung von Systemdaten verwendet, zum Beispiel von Access Control Lists (ACL)
|In der Regel nur für den Kernel zugänglich
|-
|user
|Ist für Benutzeranwendungen und Dokumente vorgesehen
|Wird durch die standardmäßigen Zugriffsrechte (DAC) geregelt
|-
|trusted
|Zur Speicherung von Daten, auf die nur Prozesse mit dem Privileg CAP_SYS_ADMIN zugreifen dürfen
|Für normale Benutzer unsichtbar, selbst wenn sie Eigentümer der Datei sind
|}
 
== Attribute ==
; Arbeit mit Attributen
Direkte Arbeit mit Attributen: getfattr und setfattr
 
Obwohl für die Verwaltung von SELinux häufiger spezialisierte Befehle (chcon, semanage) verwendet werden, ermöglichen Low-Level-Werkzeuge aus dem Paket attr, zu sehen, wie diese Daten aus Sicht des Dateisystems aussehen
 
=== Attribute anzeigen ===
; Attribute anzeigen (getfattr)
Zum Lesen eines Attributs einer bestimmten Datei wird der Befehl getfattr verwendet
* Um den SELinux-Kontext anzuzeigen, muss der vollständige Schlüsselname im Namensraum security angegeben werden
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" line copy>
getfattr -n security.selinux /etc/passwd
</syntaxhighlight>
 
Um alle vorhandenen Attribute einer Datei anzuzeigen, wird ein Befehl der Form ''getfattr -m . -d /etc/passwd'' verwendet
 
=== Attribute setzen ===
; Attribute setzen (setfattr)
Der Befehl setfattr ermöglicht es, den Kontextwert manuell zu ändern
* Diese Aktion erfordert Superuser-Rechte und wird in der Regel nur zu Debugging-Zwecken oder für ein tieferes Systemverständnis ausgeführt
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" line copy>
touch testfile
setfattr -n security.selinux -v "unconfined_u:object_r:user_home_t:s0" testfile
</syntaxhighlight>
 
Bei der Verwendung von setfattr prüft das System die Korrektheit des eingegebenen Kontexts nicht so streng, wie es die SELinux-Werkzeuge tun
* Ein Fehler in der Zeichenfolge kann dazu führen, dass die Datei für Zielprozesse unzugänglich wird.</blockquote>
 
== Praktische Übung ==
=== Modus prüfen ===
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy>
getenforce
</syntaxhighlight>
 
Wenn der Befehl'' Enforcing ''zurückgibt, schalten Sie ihn vorübergehend mit dem Befehl'' setenforce 0 ''auf'' Permissive ''um.''
 
=== Blockierende Situation ===
; Erzeugen einer blockierenden Situation
Sie haben eine Datei erstellt, ihr jedoch versehentlich (oder absichtlich) einen Kontext zugewiesen, der weder für einen normalen Benutzer noch für das aktuelle Verzeichnis vorgesehen ist
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" line copy>
touch /tmp/testfile
ls -Z /tmp/testfile
</syntaxhighlight>
 
Ausgabe
<syntaxhighlight lang="console" highlight="" line copy>
# sudo ls -Z /tmp/testfile
unconfined_u:object_r:user_tmp_t:s0 /tmp/testfile
</syntaxhighlight>
 
Wie an der Konsolenausgabe zu sehen ist, hat die Datei den Typ user_tmp_t, der typisch für Dateien im Verzeichnis /tmp ist
* Viele Programme haben Leserechte auf dieses Verzeichnis
* Weisen wir der Datei nun den Typ shadow_t zu
 
Unter normalen Umständen haben nur Passwortdateien diesen Typ, und normalen Prozessen sowie Benutzern ist die Interaktion mit solchen Dateien untersagt
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" copy>
setfattr -n security.selinux -v "system_u:object_r:shadow_t:s0" /tmp/testfile
</syntaxhighlight>
 
Zum Setzen von Attributen kann auch das Werkzeug chcon verwendet werden; in diesem Fall sieht der Befehl wie folgt aus
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
chcon -t shadow_t /tmp/testfile
</syntaxhighlight>
 
Über das Werkzeug chcon sprechen wir etwas später noch genauer
 
Prüfung, ob die Attribute korrekt gesetzt wurden
<syntaxhighlight lang="console" highlight="" line copy>
# sudo ls -Z /tmp/testfile
unconfined_u:object_r:shadow_t:s0 /tmp/testfile
</syntaxhighlight>
 
Schließlich muss nun ein Verstoß provoziert werden; dazu versuchen wir, die Datei zu lesen oder zu ändern
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
echo "test" > /tmp/testfile
</syntaxhighlight>
 
Nun betrachten wir die AVC-Ereignisse mit dem Werkzeug ausearch
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
ausearch -m AVC -ts recent
</syntaxhighlight>
 
Und wir werden nichts sehen, denn standardmäßig gelangt ein Benutzer, der sich per SSH oder über die Konsole anmeldet, in den Standardrichtlinien (Targeted Policy) in die Domäne unconfined_t (uneingeschränkt)
 
Das kann mit dem Befehl id -Z geprüft werden
<syntaxhighlight lang="console" highlight="" line copy>
# sudo id -Z
unconfined_u:unconfined_r:unconfined_t:s0-s0:c0.c1023
</syntaxhighlight>
 
Prozessen in der Domäne unconfined ist praktisch alles erlaubt
 
SELinux sieht, dass ein „uneingeschränkter“ Prozess eine Datei liest, und selbst wenn die Datei einen ungewöhnlichen Typ hat (wie shadow_t), betrachtet es dies für diesen konkreten Prozess nicht als Richtlinienverstoß
 
'''Um die Funktionsweise von SELinux zu prüfen, muss das Lesen der Datei mit dem Kontext eines anderen Prozesses gestartet werden, zum Beispiel''' httpd_t'''.'''
 
Da der Typ httpd_t keinen Zugriff auf ausführbare Dateien des Typs bin_t hat (dieser Typ ist für cat gesetzt), erstellen wir eine Kopie von cat und weisen ihr den Typ httpd_t zu
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" line copy>
cp /usr/bin/cat /tmp/fake_httpd
setfattr -n security.selinux -v "system_u:object_r:httpd_t:s0" /tmp/fake_httpd sudo oder chcon -t httpd_t /tmp/fake_httpd
</syntaxhighlight>
Prüfung
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" line copy>
systemd-run -p SELinuxContext=system_u:system_r:httpd_t:s0 /tmp/fake_httpd /tmp/testfile
</syntaxhighlight>
* In SELinuxContext wird der Kontext für den Start angegeben
** Anschließend wird cat mit dem Sicherheitstyp httpd_t gestartet und versucht, /tmp/testfile zu lesen
 
Wir betrachten die AVC-Einträge
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
ausearch -m AVC -ts recent -c fake_httpd
 
Ausgabe
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
type=AVC msg=audit(1774103099.579:33834): avc: denied { getattr } for pid=38589 comm="fake_httpd" path="/tmp/testfile" dev="tmpfs" ino=117 scontext=system_u:system_r:httpd_t:s0 tcontext=unconfined_u:object_r:shadow_t:s0 tclass=file permissive=1
</syntaxhighlight>
 
* { getattr } zeigt, welche konkrete Aktion das Subjekt auszuführen versucht hat
* tcontext zeigt den Kontext des Objekts, auf das ein unbefugter Zugriff versucht wurde
* scontext zeigt den Kontext des Subjekts, das versucht hat, auf das Objekt mit tcontext zuzugreifen
* path zeigt den Pfad zur Datei
 
'''Wie im Log zu sehen ist, wurde der Zugriff für fake_httpd bereits beim Lesen der Dateiattribute verweigert!'''
 
Außerdem ist zu erkennen, dass es für SELinux keine Rolle spielt, unter welchem Benutzer der Prozess gestartet wurde, der gegen die Regeln verstoßen wollte
* Auch Zugriffsrechte wie chmod 777 beeinflussen das Ergebnis nicht
 
Versuchen wir dasselbe mit dem Typ user_home_t
* Dieser Typ wird für Dateien im Home-Verzeichnis eines Benutzers verwendet
* Der Prozess httpd darf keine Leserechte auf Dateien im Home-Verzeichnis eines Benutzers haben
 
Zur Veranschaulichung geben wir der Datei zusätzlich Vollzugriff für alle
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
setfattr -n security.selinux -v "system_u:object_r:user_home_t:s0" /tmp/testfile
chmod 777 /tmp/testfile
systemd-run -p SELinuxContext=system_u:system_r:httpd_t:s0 /tmp/fake_httpd /tmp/testfile
ausearch -m AVC -ts recent -c fake_httpd
</syntaxhighlight>
 
Und erneut erscheint im Log eine Meldung über einen Verstoß
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
type=AVC msg=audit(1774103685.752:33957): avc: denied { getattr } for pid=38729 comm="fake_httpd" path="/tmp/testfile" dev="tmpfs" ino=117 scontext=system_u:system_r:httpd_t:s0 tcontext=system_u:object_r:user_home_t:s0 tclass=file permissive=1
 
; Wichtig
: Wenn dieselbe verbotene Aktion mehrmals hintereinander ausgeführt wird, erscheint sie nicht jedes Mal im Log, um Spam zu vermeiden
 
Um den SELinux-Cache zu leeren, kann ein Neustart des Betriebsmodus verwendet werden
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
setenforce 1 && setenforce 0
</syntaxhighlight>
 
== Kopieren/Verschieben ==
; Verhalten beim Kopieren (cp) und Verschieben (mv)
In diesem Abschnitt wird das Verhalten des Kontexts beim Kopieren und Verschieben von Dateien gezeigt
 
Zunächst ist wichtig zu verstehen, dass bei der Beibehaltung des Kontexts bei der Arbeit mit Dateien — zum Beispiel beim Verschieben — ein normaler Benutzer nur den Namensraum user.* überträgt, während der Superuser alle Namensräume außer system.* kopiert
 
In der Praxis bedeutet das, dass die Beibehaltung von SELinux-Labels über xattr in der Regel Root-Rechte erfordert
* In dieser Lektion arbeiten wir ausschließlich als Benutzer root
 
=== Kopieren einer Datei ===
Für einen sauberen Versuch erstellen wir ein temporäres Verzeichnis, das ein Webserver-Verzeichnis simuliert, und weisen ihm den passenden Kontext zu
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
mkdir /tmp/web_root
chcon -t httpd_sys_content_t /tmp/web_root
ls -Zd /tmp/web_root
</syntaxhighlight>
 
Nun erstellen wir zwei identische Testdateien im gewöhnlichen Verzeichnis /tmp (wo Dateien standardmäßig mit dem Kontext user_tmp_t angelegt werden)
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
touch /tmp/file_to_copy
touch /tmp/file_to_move
ls -Z -1 /tmp/file_to_*
</syntaxhighlight>
 
; Ausgabe
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
sudo ls -Z -1 /tmp/file_to_*
unconfined_u:object_r:user_tmp_t:s0 /tmp/file_to_copy
unconfined_u:object_r:user_tmp_t:s0 /tmp/file_to_move
</syntaxhighlight>
 
Wir kopieren die erste Datei in unser „Web-Verzeichnis“ und sehen uns das Ergebnis an
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
cp /tmp/file_to_copy /tmp/web_root/
ls -Z /tmp/web_root/file_to_copy
</syntaxhighlight>
 
; Ausgabe
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
sudo ls -Z /tmp/web_root/file_to_copy
unconfined_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0 /tmp/web_root/file_to_copy
</syntaxhighlight>
 
Die Datei hat ihren Typ auf httpd_sys_content_t '''geändert'''
 
Das Werkzeug cp erstellt auf dem Datenträger eine '''vollständig neue Datei''' (einen neuen inode)
* Nach den SELinux-Regeln '''erbt jede neue Datei standardmäßig den Kontext ihres Elternverzeichnisses'''
* Das Verzeichnis /tmp/web_root/ hat den Typ für Web-Inhalte, deshalb wurde auch die neue Datei als Web-Inhalt markiert
* Der Webserver wird sie lesen können
 
=== Verschieben einer Datei ===
Nun verschieben wir die zweite Datei und prüfen ihren Kontext
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
mv /tmp/file_to_move /tmp/web_root/
ls -Z /tmp/web_root/file_to_move
</syntaxhighlight>
 
; Ausgabe
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
sudo ls -Z /tmp/web_root/file_to_move
unconfined_u:object_r:user_tmp_t:s0 /tmp/web_root/file_to_move
</syntaxhighlight>
 
Die Datei hat ihren alten Typ user_tmp_t '''beibehalten'''
 
Das Werkzeug mv erstellt (bei einem Verschieben innerhalb desselben Dateisystems) keine neue Datei
* Es ändert lediglich den Verzeichniseintrag, also die Zuordnung der Datei von einem Verzeichnis in ein anderes
* Die Datei bleibt physisch dieselbe, und alle ihre erweiterten Attribute (einschließlich des SELinux-Labels) „wandern“ zusammen mit ihr
* Der Webserver wird sie '''nicht lesen können''' und einen Zugriffsfehler liefern
 
=== Verhalten steuern ===
==== Attribute beibehalten ====
; Kopieren unter Beibehaltung der Attribute
Für verschiedene Zwecke, zum Beispiel zum Schutz wichtiger Daten oder für Backups, kann es erforderlich sein, den Kontext beim Kopieren vollständig beizubehalten
 
Dafür wird das '''Flag''' --preserve=context (oder der '''Archivmodus''' -a) verwendet
 
Wir erstellen eine Testdatei
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
touch /tmp/important_file
chcon -t shadow_t /tmp/important_file
</syntaxhighlight>
 
Wir kopieren sie mit ausdrücklicher Anweisung, den SELinux-Kontext beizubehalten
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
cp --preserve=context /tmp/important_file /tmp/web_root/important_backup
</syntaxhighlight>
 
oder
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
cp -a /tmp/important_file /tmp/web_root/important_backup
 
Prüfung
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
ls -Z /tmp/web_root/important_backup
</syntaxhighlight>
 
Damit zwingen wir cp, nicht nur den Dateiinhalt, sondern auch die erweiterten Sicherheitsattribute zu kopieren
* Das ist bei der Erstellung von Backups von entscheidender Bedeutung
 
==== Verschieben mit Vererbung ====
Wir haben die Dateien einer Website nach /tmp heruntergeladen und wollen sie nach /var/www/html verschieben, damit sie sofort den korrekten Web-Kontext erhalten und die Website ohne 403-Forbidden-Fehler funktioniert
 
==== Variante 1 Flag -Z ====
Werkzeuge aus der coreutils-Familie sind in modernen Linux-Distributionen gut über SELinux informiert
* Ein großes -Z veranlasst den Befehl mv, das System unmittelbar zu fragen: ''„Welcher Kontext sollte hier standardmäßig gesetzt werden?“'' und diesen dann anzuwenden.<blockquote>Die Standardkontexte für Verzeichnisse werden in einer Datenbank gespeichert und mit dem Werkzeug semanage verwaltet; eine ausführliche Besprechung folgt in späteren Lektionen
* In diesem Beispiel verwenden wir das Verzeichnis /var/www/html mit dem Standardkontext httpd_sys_content_t anstelle von /tmp/web_root, weil die SELinux-Datenbank keinen Eintrag dafür hat, welcher Standardkontext für /tmp/web_root gesetzt werden soll.</blockquote>
 
Wir bereiten die benötigte Datei vor
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
touch /tmp/site_index.html
 
Wir verschieben sie mit dem Flag -Z
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
mv -Z /tmp/site_index.html /var/www/html/
</syntaxhighlight>
 
Prüfung
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
ls -Z /var/www/html/site_index.html
</syntaxhighlight>
 
Ausgabe
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
sudo ls -Z /var/www/html/site_index.html
unconfined_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0 /var/www/html/site_index.html
</syntaxhighlight>
 
Die Datei wurde physisch verschoben, aber ihr SELinux-Label wurde automatisch gemäß den Standardregeln des neuen Verzeichnisses neu gesetzt
 
==== Variante 2 Kontext wiederherstellen ====
Das Flag -Z kann man leicht einmal vergessen
* Für solche Fälle gibt es die Möglichkeit, den Kontext mit dem Werkzeug restorecon (restore context) auf das Standardlabel zurückzusetzen
 
Wir erstellen eine weitere Datei und verschieben sie auf klassische Weise, also ohne Vererbung
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
touch /tmp/another_file.html
ls -Z /tmp/another_file.html
mv /tmp/another_file.html /var/www/html/
</syntaxhighlight>
 
Wiederherstellung des Labels
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
restorecon -v /var/www/html/another_file.html
</syntaxhighlight>
 
Ausgabe
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
sudo restorecon -v /var/www/html/another_file.html
Relabeled /var/www/html/another_file.html from unconfined_u:object_r:user_tmp_t:s0 to unconfined_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0
</syntaxhighlight>
 
Das Werkzeug restorecon ist in Systemen mit SELinux ein nützliches Hilfsmittel zur Diagnose von Problemen nach dem Verschieben von Dateien in Systemverzeichnisse
* Der Parameter -v wird verwendet, um Details auf der Konsole auszugeben
 
=== Verschieben mit rsync ===
Zunächst ist wichtig zu beachten, dass rsync -a weder ACLs noch erweiterte Attribute xattr einschließt
 
Die Option -X veranlasst rsync, erweiterte Attribute beizubehalten
 
Zur Festigung erstellen wir ein Dateipaar
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
touch rsynced1 && touch rsynced2
</syntaxhighlight>
 
Wir versuchen, sie auf verschiedene Arten in das Verzeichnis /tmp/web_root zu verschieben
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
rsync -a rsynced1 /tmp/web_root/
rsync -aX rsynced2 /tmp/web_root/
ls -Z -1 /tmp/web_root/rsy*
</syntaxhighlight>
 
Ausgabe
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" line copy>
# sudo ls -Z -1 /tmp/web_root/rsy*
unconfined_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0 /tmp/web_root/rsynced1
unconfined_u:object_r:user_home_t:s0 /tmp/web_root/rsynced2
</syntaxhighlight>
 
Daraus folgt
* ''rsync -a'': überträgt Standardattribute
* ''rsync -A'': überträgt ACLs
* ''rsync -X'': überträgt xattrs
 
In der Praxis wird für Backups am häufigsten der universelle Befehl ''rsync -aHAX'' verwendet, der alle Attributarten einschließt; dabei steht der Parameter H für Hardlinks
 
Die häufigsten Probleme bei der Arbeit von rsync mit Attributen hängen mit einer Ausführung ohne ausreichende Privilegien zusammen
* Abschließend ist wichtig zu erwähnen, dass security.selinux von NFS möglicherweise nicht unterstützt wird, da dort eine ältere xattr-Semantik verwendet wird
 
= Archivierung und chcon =
== Archivierung ==
Archivierungsprogramme ignorieren standardmäßig xattr
 
Wenn man versucht, mit dem üblichen Befehl ''tar -cvf'' ein Backup einer Website zu erstellen und dieses anschließend auf einem anderen Server zu entpacken, gehen alle Labels verloren
* Die entpackten Dateien erhalten einen zufälligen Kontext des aktuellen Verzeichnisses, und der Webserver gibt einen Fehler 403 zurück
 
Damit tar Dateien zusammen mit ihren Sicherheitslabels archiviert und wieder entpackt, muss dies explizit über die entsprechenden Parameter angegeben werden
 
* Erstellen eines Backups unter Beibehaltung der Kontexte
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
tar --xattrs --selinux -cvf website_backup.tar /var/www/html
</syntaxhighlight>
 
* Prüfen, ob xattr vorhanden ist
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
tar --selinux -tvf website_backup.tar
</syntaxhighlight>
* Entpacken
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line copy>
tar --xattrs --selinux -xvf website_backup.tar -C /tmp/restore_dir/
</syntaxhighlight>
Wichtig: Das Dienstprogramm zip sowie viele andere Archivierungsprogramme unterstützen SELinux nicht
 
Für die Arbeit mit Labels sollte daher tar (oder alternativ star) verwendet werden
 
== chcon ==
=== Beschreibung ===
Der Befehl '''chcon''' (change context) wird verwendet, um den '''SELinux-Kontext einer Datei oder eines Verzeichnisses direkt zu ändern'''
* Er kann den vollständigen Kontext auf einmal setzen, nur einzelne Kontextfelder (zum Beispiel den Typ) ändern oder mit ''--reference'' den Kontext einer anderen Datei übernehmen
 
Zuvor haben wir in den vorherigen Lektionen bereits die Werkzeuge setfattr und chcon verwendet
* Wie man sehen kann, ist chcon komfortabler, da sich damit einzelne Felder gezielt ändern lassen
* Außerdem wird chcon als primäres Werkzeug für die Arbeit mit SELinux-Kontexten empfohlen, während setfattr ein Low-Level-Werkzeug ist, das mit Nicht-SELinux-xattr arbeitet
 
Die wichtigste Einschränkung von chcon (genauso wie von setfattr) besteht darin, dass die Änderungen '''nicht dauerhaft''' sind: Sie können nach restorecon oder nach einem vollständigen Relabeling des Dateisystems verloren gehen
* Daher wird dieses Werkzeug hauptsächlich verwendet für
 
* Laborübungen,
* schnelle Diagnose,
* temporäre Überprüfung von Richtlinien
 
Die dauerhafte Konfiguration von Labels erfolgt mit dem Werkzeug semanage und einem anschließenden Aufruf von restorecon
* Näheres zum Werkzeug semanage folgt in den nächsten Lektionen
 
== Verwendung ==
Zur Demonstration erstellen wir die erforderlichen Dateien und Verzeichnisse und prüfen den Kontext des Verzeichnisses sowie der Dateien
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" line>
mkdir -p /tmp/web_content/images
cd /tmp/web_content/
touch manual
touch test.conf
touch images/image.png
ls -Zd /tmp/web_content/
ls -Z -1 /tmp/web_content/
</syntaxhighlight>
 
Diesem Verzeichnis wurde der Typ ''user_tmp_t'' vererbt, ebenso den darin enthaltenen Dateien
 
Versuchen wir, den vollständigen Kontext manuell zu setzen
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" line>
chcon system_u:object_r:httpd_sys_content_t:s0 manual
ls -Z -1
</syntaxhighlight>
 
Diese Methode wird nur selten verwendet, da für SELinux in der Regel das Feld type am wichtigsten ist
 
Um das Feld type zu ändern, wird der Parameter -t verwendet
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="1" line>
chcon -t shadow_t manual
</syntaxhighlight>
 
Zum Ändern der Felder user und role werden entsprechend die Parameter ''-u'' und ''-r'' verwendet
 
Der Parameter -R erlaubt die rekursive Verarbeitung von Verzeichnissen
 
Weisen wir dem gesamten Verzeichnis web_content den Typ httpd_sys_content_t zu und verwenden dabei den Parameter ''-v'', um Details anzuzeigen
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" line>
chcon -R -v -t httpd_sys_content_t /tmp/web_content
ls -Z -1
</syntaxhighlight>
Um den Kontext von einem bereits korrekt gelabelten Objekt zu kopieren, kann der Parameter ''--reference=RFILE'' verwendet werden
<syntaxhighlight lang="bash" highlight="" line>
touch /tmp/ref
chcon -R --reference=/tmp/ref /tmp/web_content
ls -Z -1
</syntaxhighlight>
 
Abschließend sollten noch die Parameter für den Umgang mit Symlinks erwähnt werden
* ''--dereference'' (standardmäßig verwendet): wirkt nicht auf den symbolischen Link selbst, sondern auf das Objekt, auf das er verweist
* ''--no-dereference'', ''-h'': ändert den symbolischen Link selbst und nicht das Zielobjekt
 
[[Kategorie:Linux/SELinux/Praxis]]

Aktuelle Version vom 28. März 2026, 14:03 Uhr

Weiterleitung nach: