Linux/SELinux/04/05 Systemstart: Unterschied zwischen den Versionen
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Aktuelle Version vom 31. März 2026, 10:48 Uhr
Linux/SELinux/04/05 Ändern der SELinux-Modi beim Systemstart
Ändern der SELinux-Modi beim Systemstart
Beim Systemstart können Kernel-Parameter das SELinux-Verhalten direkt während des Bootvorgangs beeinflussen.
- Diese Parameter überschreiben die übliche SELinux-Konfiguration für den jeweiligen Start.
- Sie sind vor allem für Fehlersuche, Relabeling und Notfallszenarien relevant.
- Für dauerhafte Änderungen über die Konfigurationsdatei siehe Dauerhafte Änderungen.
| Parameter | Wirkung | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| enforcing=0 | Start im permissiven Modus | Fehlersuche und sicherer Start vor einem Relabeling |
| selinux=0 | Der Kernel lädt keine SELinux-Infrastruktur | Ausnahmefall bei schweren Startproblemen |
| autorelabel=1 | Erzwingt ein Relabeling beim nächsten Start | Reparatur fehlerhafter oder unvollständiger Dateilabels |
enforcing=0
Der Parameter enforcing=0 startet das System im permissiven Modus.
enforcing=0
- SELinux bleibt geladen, erzwingt die Policy jedoch nicht.
- Zugriffe werden nicht blockiert, mögliche Ablehnungen werden aber weiterhin protokolliert.
- Dieser Modus ist für die Fehlersuche besser geeignet als eine vollständige Deaktivierung.
- Neue Labels werden weiterhin korrekt erzeugt.
- Die entstehenden AVC-Meldungen können sich vom Enforcing-Modus unterscheiden, weil Prozesse nach einer protokollierten Ablehnung weiterlaufen können.
selinux=0
Der Parameter selinux=0 deaktiviert SELinux bereits im Kernel.
selinux=0
- Der Kernel lädt keinen Teil der SELinux-Infrastruktur.
- Dieser Parameter ist kein regulärer Weg zur Fehlersuche.
- Für Debugging sollte nach Möglichkeit enforcing=0 verwendet werden.
- Wird später wieder mit aktiviertem SELinux gestartet, ist in der Regel ein Relabeling erforderlich.
- Hinweis
- Beim Start mit selinux=0 wird /.autorelabel vorbereitet, damit das System beim nächsten Start mit aktiviertem SELinux neu gekennzeichnet werden kann.
autorelabel=1
Der Parameter autorelabel=1 erzwingt ein Relabeling beim Start.
autorelabel=1
Dies entspricht funktional dem folgenden Ablauf:
touch /.autorelabel
reboot
- Wenn viele Objekte falsch oder gar nicht gelabelt sind, sollte der Start zusätzlich permissiv erfolgen.
- Dafür kann autorelabel=1 mit enforcing=0 kombiniert werden.
Relabeling vorbereiten
Auf Debian und RHEL kann ein Relabeling auch aus dem laufenden System für den nächsten Start vorgemerkt werden.
1. Relabeling für den nächsten Start markieren:
fixfiles -F onboot
2. System neu starten:
reboot
3. Falls das System zuvor ohne SELinux betrieben wurde oder viele Labels fehlen, zusätzlich permissiv starten:
enforcing=0
- fixfiles -F onboot legt die Markierung für das Relabeling des nächsten Starts an.
- Laut Debian-Dokumentation wird /.autorelabel beim automatischen Relabeling mit fixfiles -F restore ausgewertet.
Unterschiede zwischen Debian und RHEL
- Die Kernel-Parameter enforcing=0, selinux=0 und autorelabel=1 sind distributionsunabhängig.
- RHEL dokumentiert diese Parameter direkt im SELinux-Handbuch.
- Debian dokumentiert die zugehörige Relabeling-Mechanik vor allem über fixfiles(8) und selinux_config(5).
- Die konkrete Eintragung in die Bootloader-Konfiguration ist distributions- und Bootloader-abhängig und wird hier nicht behandelt.
Hinweise
- Boot-Parameter wirken nur bei Starts, bei denen sie tatsächlich übergeben werden.
- Bleibt ein Parameter dauerhaft in der Bootloader-Konfiguration eingetragen, gilt er bei jedem weiteren Start.
- Für den normalen Betrieb sollte SELinux nicht über selinux=0, sondern nur in begründeten Ausnahmefällen vollständig deaktiviert werden.
Weblinks
Red Hat Documentation:
Debian Manpages: