Linux/SELinux/04/03 Hauptkonfigurationsdatei
Linux/SELinux/04/03 Hauptkonfigurationsdatei - Hauptkonfigurationsdatei
Beschreibung
- Hauptkonfigurationsdatei
/etc/selinux/config
- Auf Debian und RHEL ist /etc/selinux/config die zentrale SELinux-Konfigurationsdatei.
- Die Datei steuert den dauerhaften SELinux-Status und den Namen der zu ladenden SELinux-Policy.
- Änderungen in dieser Datei werden in der Regel erst nach einem Neustart wirksam.
- Temporäre Laufzeitwechsel zwischen enforcing und permissive erfolgen mit setenforce.
Beispielkonfiguration
SELINUX=enforcing
SELINUXTYPE=targeted
- SELINUX=
Die Option SELINUX flegt fest, ob SELinux deaktiviert oder aktiviert ist und in welchem Modus es läuft.
| Wert | Wirkung | Hinweis |
|---|---|---|
| enforcing | Die SELinux-Policy wird durchgesetzt. Zugriffe werden auf Grundlage der Policy-Regeln erlaubt oder verweigert. Verweigerungen werden protokolliert. | Geeigneter Modus für produktive Systeme. |
| permissive | Die SELinux-Policy bleibt geladen, wird aber nicht durchgesetzt. Zugriffe werden nicht blockiert, mögliche Verweigerungen jedoch protokolliert. | Geeignet für Fehlersuche, Policy-Analyse und die schrittweise Aktivierung von SELinux. |
| disabled | Es wird keine SELinux-Policy geladen. SELinux schützt das System in diesem Zustand nicht, und AVC-Meldungen werden nicht protokolliert. | In aktueller Debian- und RHEL-Dokumentation wird dieser Eintrag als veraltete Methode zum dauerhaften Deaktivieren beschrieben. Für eine vollständige Deaktivierung wird selinux=0 als Kernel-Parameter verwendet. |
Praktisches Beispiel für einen temporären Wechsel in den Permissive-Modus:
setenforce 0
- Die Änderung durch setenforce gilt nur bis zum nächsten Neustart.
- SELINUXTYPE=
Die Option SELINUXTYPE legt die zu verwendende SELinux-Policy fest.
| Wert | Bedeutung | Hinweis |
|---|---|---|
| targeted | Standard-Policy mit gezielter Einschränkung ausgewählter Dienste und Domänen. | Auf RHEL ist targeted die übliche Standard-Policy. Auf Debian ist der Wert gültig, wenn die entsprechende Policy installiert ist. |
| mls | Multi-Level-Security-Policy mit zusätzlicher Trennung über Sicherheitsstufen. | Spezialfall für MLS-Umgebungen. |
| policy_name | Generischer Policy-Name. | Debian dokumentiert SELINUXTYPE allgemein als Namen der installierten Policy unter /etc/selinux/{SELINUXTYPE}/. |
- Eine Änderung von SELINUXTYPE erfordert einen Neustart und kann zusätzlich ein Relabeling des Dateisystems notwendig machen.
- Die zugehörige Policy muss installiert sein, bevor der Wert in SELINUXTYPE verwendet wird.
Aktuelle Konfiguration prüfen
Die laufende Konfiguration und die in der Datei hinterlegten Werte lassen sich direkt prüfen:
cat /etc/selinux/config
getenforce
sestatus
- getenforce zeigt den aktuellen Modus: Enforcing, Permissive oder Disabled.
- sestatus zeigt zusätzlich unter anderem die geladene Policy und den Modus aus der Konfigurationsdatei.
Modus ändern
Verwenden Sie das Dienstprogramm setenforce, um zwischen dem Durchsetzungs- und dem permissiven Modus zu wechseln
Mit setenforce vorgenommene Änderungen bleiben nach einem Neustart nicht erhalten
- Um in den Durchsetzungsmodus zu wechseln, geben Sie als Linux-Root-Benutzer den Befehl setenforce 1 ein
- Um in den permissiven Modus zu wechseln, geben Sie den Befehl setenforce 0 ein
- SELinux-Modus anzeigen
sudo getenforce
Permissive
- Permissive Modus setzen
sudo setenforce 0
sudo getenforce
Permissive
- Enforcing Modus setzen
sudo setenforce 1
sudo getenforce
Enforcing
- Permissiven Modus für Domänen
In Linux können Sie einzelne Domänen in den permissiven Modus versetzen, während das System im Enforcing-Modus läuft
Um etwa die Domäne httpd_t in den permissiven Modus zu versetzen
sudo semanage permissive -a httpd_t
Weitere Informationen finden Sie in Linux/SELinux/11_Fehlerbehebung/Lösungen#Permissive_Domänen
- Hinweis
- Dauerhafte Änderungen an Zuständen und Modi werden in Linux/SELinux/04/04 Dauerhafte Änderungen behandelt
Hinweise zur Änderung
- Für dauerhafte Änderungen muss /etc/selinux/config angepasst und das System neu gestartet werden.
- Soll SELinux auf einem System aktiviert werden, auf dem es zuvor deaktiviert war, ist permissive der sichere Zwischenschritt.
- RHEL-Dokumentation konzentriert sich in der Grundkonfiguration meist auf SELINUX und SELINUXTYPE.
- Debian-Manpages dokumentieren zusätzlich optionale Einträge wie AUTORELABEL= und REQUIRESEUSERS=.
Weblinks
Red Hat Documentation:
- Debian Manpages
- https://manpages.debian.org/testing/policycoreutils/selinux_config.5.en.html
- https://manpages.debian.org/testing/selinux-utils/selinux.8.en.html
- https://manpages.debian.org/testing/selinux-utils/getenforce.8.en.html