BSI/200-4/07 Business Impact Analyse: Unterschied zwischen den Versionen
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== Beschreibung == | == Beschreibung == | ||
; In der BIA wird untersucht | ; In der [[BIA]] wird untersucht | ||
* welche Geschäftsprozesse zeitkritisch sind | * welche Geschäftsprozesse zeitkritisch sind | ||
*ab wann deren Ausfälle nicht tolerierbare Auswirkungen haben | *ab wann deren Ausfälle nicht tolerierbare Auswirkungen haben | ||
; Daraus werden die Wiederanlaufanforderungen abgeleitet | ; Daraus werden die Wiederanlaufanforderungen abgeleitet | ||
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* welche Ressourcen dafür benötigt werden | * welche Ressourcen dafür benötigt werden | ||
Falls die BAO schon aufgebaut wurde, helfen diese Informationen der BAO zudem | Falls die [[BAO]] schon aufgebaut wurde, helfen diese Informationen der [[BAO]] zudem | ||
* die zeitkritischen Geschäftsprozesse und Ressourcen in einem Notfall zu priorisieren | * die zeitkritischen Geschäftsprozesse und Ressourcen in einem Notfall zu priorisieren | ||
* früh zu erkennen, ob ein Schadensereignis eskaliert werden muss sowie | * früh zu erkennen, ob ein Schadensereignis eskaliert werden muss sowie | ||
* | * den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten | ||
; Prozessschritte der Business-Impact-Analyse | ; Prozessschritte der Business-Impact-Analyse | ||
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== Kenngrößen == | |||
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! Kenngröße !!Beschreibung | ! !! Kenngröße !! Beschreibung | ||
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| Maximum Tolerable Period of Disruption | | [[MTPD]] || Maximum Tolerable Period of Disruption </br>Maximal Tolerierbare Ausfallzeit, MTA || legt fest, wie lange ein Geschäftsprozess maximal ausfallen darf, bevor nicht tolerierbare Auswirkungen für die Institution auftreten | ||
* Die MTPD wird anhand einer Bewertung des Schadenspotenzials je Geschäftsprozess ermittelt. | * Die [[MTPD]] wird anhand einer Bewertung des Schadenspotenzials je Geschäftsprozess ermittelt. | ||
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| Recovery Time Objective | | [[RTO]]</br>[[WAZ]] || Recovery Time Objective</br> Geforderte Wiederanlaufzeit || wird aus der [[MTPD]] abgeleitet und sowohl den zeitkritischen Geschäftsprozessen als auch den Ressourcen zugeordnet, die relevant sind für die Aufrechterhaltung der zeitkritischen Geschäftsprozesse | ||
* Die RTO umfasst den Zeitraum vom Ausrufen des Notfalls bis zum Zeitpunkt der geforderten Inbetriebnahme der BC-Lösung | * Die [[RTO]] umfasst den Zeitraum vom Ausrufen des Notfalls bis zum Zeitpunkt der geforderten Inbetriebnahme der BC-Lösung | ||
* Im Falle von IT-Ressourcen wäre das | * Im Falle von IT-Ressourcen wäre das beispielsweise der Schwenk auf eine Ausweich- oder Ersatzressource oder das Zurücksetzen eines IT-Systems auf den letzten gesicherten Zustand | ||
* | * | ||
Die RTO muss zwingend kürzer sein als die MTPD des relevanten Geschäftsprozesses, denn die Reaktionszeit wird von der MTPD abgezogen, um mit der RTO die MTPD noch erreichen zu können | Die [[RTO]] muss zwingend kürzer sein als die [[MTPD]] des relevanten Geschäftsprozesses, denn die Reaktionszeit wird von der [[MTPD]] abgezogen, um mit der [[RTO]] die [[MTPD]] noch erreichen zu können | ||
* Zusätzlich ist es empfehlenswert, einen weiteren zeitlichen Puffer einzuplanen, da insbesondere die Detektion mit Unsicherheiten hinsichtlich des genauen zeitlichen Ablaufs einhergeht. | * Zusätzlich ist es empfehlenswert, einen weiteren zeitlichen Puffer einzuplanen, da insbesondere die Detektion mit Unsicherheiten hinsichtlich des genauen zeitlichen Ablaufs einhergeht. | ||
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| Recovery Point Objective | | [[RPO]] || Recovery Point Objective </br> Maximal zulässiger Datenverlust || legt fest, welcher Datenverlust akzeptiert wird, d. h. wie alt verfügbare Daten maximal sein dürfen, um im Notbetrieb sinnvoll damit arbeiten zu können | ||
* Diese Kenngröße dient auch dazu, um den notwendigen Datensicherungszyklus daraus abzuleiten. | * Diese Kenngröße dient auch dazu, um den notwendigen Datensicherungszyklus daraus abzuleiten. | ||
Theoretisch kann die RPO auch für analoge Informationen erhoben werden | Theoretisch kann die [[RPO]] auch für analoge Informationen erhoben werden | ||
* Da diese analogen Informationen in der Praxis aber nicht in sinnvoller Art und Weise versioniert werden können, ist es in der Regel zielführender, benötigte analoge Informationen allein über die Ressourcenkategorie Informationen zu erheben, ohne RPO zu erheben und immer vom aktuellen Stand auszugehen. | * Da diese analogen Informationen in der Praxis aber nicht in sinnvoller Art und Weise versioniert werden können, ist es in der Regel zielführender, benötigte analoge Informationen allein über die Ressourcenkategorie Informationen zu erheben, ohne [[RPO]] zu erheben und immer vom aktuellen Stand auszugehen. | ||
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| Minimum Business Continuity Objective | | [[MBCO]] || Minimum Business Continuity Objective</br>Notbetriebsniveau || definiert, wie leistungsfähig der Notbetrieb sein soll, um einen sinnvollen Geschäftsbetrieb gewährleisten zu können | ||
* Das Notbetriebsniveau wird je Geschäftsprozess individuell festgelegt | * Das Notbetriebsniveau wird je Geschäftsprozess individuell festgelegt | ||
* Hierzu kann die Leistungsfähigkeit des Notbetriebs | * Hierzu kann die Leistungsfähigkeit des Notbetriebs beispielsweise prozentual angegeben werden oder alternativ können Aktivitäten priorisiert werden | ||
* In obiger Abbildung wird das Notbetriebsniveau nur schematisch dargestellt | * In obiger Abbildung wird das Notbetriebsniveau nur schematisch dargestellt | ||
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== Vorbereitung | == Vorbereitung == | ||
=== Erhebung der Geschäftsprozesse === | === Erhebung der Geschäftsprozesse === | ||
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=== | === Parameter und Zeithorizonte === | ||
; BIA-Parameter und Zeithorizonte | |||
; Beispiel einer Bewertung des Schadenspotenzials je Zeithorizont | ; Beispiel einer Bewertung des Schadenspotenzials je Zeithorizont | ||
[[File:img-163-292.png| | [[File:img-163-292.png|700px]] | ||
; Definition von Zeithorizonten | ; Definition von Zeithorizonten | ||
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; Beispiele für Zeithorizonte | ; Beispiele für Zeithorizonte | ||
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; Schadensszenarien | ; Schadensszenarien | ||
; Innerhalb der BIA sollten mindestens die folgenden Schadensszenarien berücksichtigt werden | ; Innerhalb der [[BIA]] sollten mindestens die folgenden Schadensszenarien berücksichtigt werden | ||
* Beeinträchtigung der persönlichen Unversehrtheit | * Beeinträchtigung der persönlichen Unversehrtheit | ||
* Beeinträchtigung der Aufgabenerfüllung | * Beeinträchtigung der Aufgabenerfüllung | ||
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* ab welcher Schadenskategorie die Auswirkungen eines Ausfalls durch die Institution nicht länger toleriert werden (siehe Abbildung). Die Entscheidung darüber | * ab welcher Schadenskategorie die Auswirkungen eines Ausfalls durch die Institution nicht länger toleriert werden (siehe Abbildung). Die Entscheidung darüber | ||
* ab welcher Höhe Schäden nicht länger toleriert werden | * ab welcher Höhe Schäden nicht länger toleriert werden | ||
* sollte aufgrund der Tragweite für die weitere BC-Planung die Institutionsleitung treffen. Anhand des festgelegten Untragbarkeitsniveaus kann in der BIA identifiziert werden | * sollte aufgrund der Tragweite für die weitere BC-Planung die Institutionsleitung treffen. Anhand des festgelegten Untragbarkeitsniveaus kann in der [[BIA]] identifiziert werden | ||
* zu welchem Zeitpunkt die erwarteten Schäden so hoch werden | * zu welchem Zeitpunkt die erwarteten Schäden so hoch werden | ||
* dass diese nicht länger akzeptiert werden. Dies ist dann die MTPD des Geschäftsprozesses. | * dass diese nicht länger akzeptiert werden. Dies ist dann die [[MTPD]] des Geschäftsprozesses. | ||
; Schadenskategorien | ; Schadenskategorien | ||
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=== | === Ressourcenkategorien und -cluster === | ||
Festlegung der Ressourcenkategorien und -cluster | |||
; Ressourcenkategorien | ; Ressourcenkategorien | ||
Beispiele verschiedener Ressourcenkategorien | Beispiele verschiedener Ressourcenkategorien | ||
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; Ressourcencluster | ; Ressourcencluster | ||
; Innerhalb bestimmter Ressourcenkategorien, | ; Innerhalb bestimmter Ressourcenkategorien, beispielsweise der IT, können mitunter sehr viele einzelne Ressourcen vorhanden sein, die für die [[BIA]] relevant sind | ||
* Wenn alle Ressourcen einzeln erfasst werden, besteht jedoch die Gefahr, dass diese aufgrund der Menge und der Komplexität nicht handhabbar sind | * Wenn alle Ressourcen einzeln erfasst werden, besteht jedoch die Gefahr, dass diese aufgrund der Menge und der Komplexität nicht handhabbar sind | ||
* Es ist daher sinnvoll, Ressourcen sinnvoll zu Clustern zusammenzufassen | * Es ist daher sinnvoll, Ressourcen sinnvoll zu Clustern zusammenzufassen | ||
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* Ein Arbeitsplatz kann Teil einer größeren Infrastruktur sein und wiederum aus einer Menge an Maschinen, Geräten, Anlagen oder Betriebsmitteln zusammengesetzt sein. | * Ein Arbeitsplatz kann Teil einer größeren Infrastruktur sein und wiederum aus einer Menge an Maschinen, Geräten, Anlagen oder Betriebsmitteln zusammengesetzt sein. | ||
=== Planung der | === Planung der Erhebung === | ||
Vor Beginn der BIA sollte festgelegt werden, wie die Informationen zur BIA erhoben werden sollen. | ; Planung der BIA-Erhebung | ||
Vor Beginn der [[BIA]] sollte festgelegt werden, wie die Informationen zur [[BIA]] erhoben werden sollen. | |||
; Formate | ; Formate | ||
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* Hilfsmittel zur Erhebung und Auswertung der BIA | * Hilfsmittel zur Erhebung und Auswertung der BIA | ||
== Durchführung | == Durchführung == | ||
=== | === Zeitkritische Geschäftsprozesse === | ||
; Identifizierung zeitkritischer Geschäftsprozesse | |||
; Bewertung des Schadenspotenzials von Geschäftsprozessen | ; Bewertung des Schadenspotenzials von Geschäftsprozessen | ||
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=== Festlegung der MTPD === | === Festlegung der [[MTPD]] === | ||
; Leitfrage | ; Leitfrage | ||
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; Gründe | ; Gründe | ||
* Wenn die BIA in einem neuen BCMS-Zyklus aktualisiert wird, kann auf die bestehenden Informationen zurückgegriffen werden. Damit die Bewertung des Schadenspotenzials auch zu einem späteren Zeitpunkt nachvollziehbar ist, sollte diese begründet werden. | * Wenn die [[BIA]] in einem neuen BCMS-Zyklus aktualisiert wird, kann auf die bestehenden Informationen zurückgegriffen werden. Damit die Bewertung des Schadenspotenzials auch zu einem späteren Zeitpunkt nachvollziehbar ist, sollte diese begründet werden. | ||
* Regulatoren setzen eine Begründung voraus, um auch als außenstehende Dritte die Schadensanalyse dahingehend überprüfen zu können, ob diese plausibel ist. | * Regulatoren setzen eine Begründung voraus, um auch als außenstehende Dritte die Schadensanalyse dahingehend überprüfen zu können, ob diese plausibel ist. | ||
Die Begründung dient als Entscheidungshilfe, um geeignete Maßnahmen für die Geschäftsfortführung auszuwählen. | Die Begründung dient als Entscheidungshilfe, um geeignete Maßnahmen für die Geschäftsfortführung auszuwählen. | ||
* Wenn die einzusetzenden finanziellen oder personellen Ressourcen für diese Maßnahmen zu hoch erscheinen, dann hilft eine Begründung aus der BIA mehr als die reine Angabe einer zu erreichenden MTPD. | * Wenn die einzusetzenden finanziellen oder personellen Ressourcen für diese Maßnahmen zu hoch erscheinen, dann hilft eine Begründung aus der [[BIA]] mehr als die reine Angabe einer zu erreichenden [[MTPD]] . | ||
; Beispielhafte Begründung eines Schadenspotenzials | ; Beispielhafte Begründung eines Schadenspotenzials | ||
[[File:bcmTab22.png|600px]] | [[File:bcmTab22.png|600px]] | ||
=== | === [[RTO]] für zeitkritische Geschäftsprozesse === | ||
; Für die zeitkritischen Geschäftsprozesse muss zusätzlich die geforderte Wiederanlaufzeit RTO festgelegt werden | ; Festlegung der [[RTO]] für zeitkritische Geschäftsprozesse | ||
; Für die zeitkritischen Geschäftsprozesse muss zusätzlich die geforderte Wiederanlaufzeit [[RTO]] festgelegt werden | |||
* Sie beschreibt, wie lange der reine Wiederanlauf dauern darf, bevor es zu nicht tolerablen Schäden kommt | * Sie beschreibt, wie lange der reine Wiederanlauf dauern darf, bevor es zu nicht tolerablen Schäden kommt | ||
* Daher wird von der MTPD die BAO-Reak-tionszeit abgezogen | * Daher wird von der [[MTPD]] die BAO-Reak-tionszeit abgezogen | ||
* Die BAO-Reaktionszeit verstreicht in der Regel unabhängig von einzelnen Geschäftsprozessen, bis der Notfall ausgerufen und die relevanten BC-Pläne gestartet werden. | * Die BAO-Reaktionszeit verstreicht in der Regel unabhängig von einzelnen Geschäftsprozessen, bis der Notfall ausgerufen und die relevanten BC-Pläne gestartet werden. | ||
; Die RTO nimmt eine zentrale Rolle in der Notfallplanung und -behandlung ein | ; Die [[RTO]] nimmt eine zentrale Rolle in der Notfallplanung und -behandlung ein | ||
* Sie wird in Übungen verifiziert, sodass ein realistischeres Bild für die Notfallbehandlung entsteht. | * Sie wird in Übungen verifiziert, sodass ein realistischeres Bild für die Notfallbehandlung entsteht. | ||
Für die BAO ist dann sichtbar, wie lange der Wiederanlauf vermutlich dauern wird, sodass dort bei dem Auftrag zum Wiederanlauf gut abgeschätzt werden kann, ob die MTPD noch eingehalten werden kann | Für die [[BAO]] ist dann sichtbar, wie lange der Wiederanlauf vermutlich dauern wird, sodass dort bei dem Auftrag zum Wiederanlauf gut abgeschätzt werden kann, ob die [[MTPD]] noch eingehalten werden kann | ||
* Auch für die Notfallteams ist die RTO eine klare Zielvorgabe. | * Auch für die Notfallteams ist die [[RTO]] eine klare Zielvorgabe. | ||
; Zwischen der Bestimmung der RTO und der BAO-Reaktionszeit besteht eine Wechselwirkung: | ; Zwischen der Bestimmung der [[RTO]] und der BAO-Reaktionszeit besteht eine Wechselwirkung: | ||
Einerseits bietet es sich an, diese Reaktionszeit einfach von der MTPD abzuziehen, um an die RTO zu gelangen | Einerseits bietet es sich an, diese Reaktionszeit einfach von der [[MTPD]] abzuziehen, um an die [[RTO]] zu gelangen | ||
* Hierbei kann ein zusätzlicher Puffer berücksichtigt werden, | * Hierbei kann ein zusätzlicher Puffer berücksichtigt werden, beispielsweise für den Fall, dass beim Wiederanlauf Schwierigkeiten auftreten. | ||
Andererseits wird hier sehr deutlich, dass längere Reaktionszeiten | Andererseits wird hier sehr deutlich, dass längere Reaktionszeiten beispielsweise bei der Detektion oder Alarmierung alle Zeiträume für RTOs verkürzen | ||
* Dadurch können sich auch die Kosten erhöhen, um diese RTOs einzuhalten | * Dadurch können sich auch die Kosten erhöhen, um diese RTOs einzuhalten | ||
* Letzten Endes ist auch die BAO-Reaktionszeit eine Sollvorgabe, die sich aus den Anforderungen der Institution an die | * Letzten Endes ist auch die BAO-Reaktionszeit eine Sollvorgabe, die sich aus den Anforderungen der Institution an die [[MTPD]] s ergibt. | ||
Zudem ist es bei der Festlegung der RTO hilfreich, schon Teile der BC-Planung, | Zudem ist es bei der Festlegung der [[RTO]] hilfreich, schon Teile der BC-Planung, beispielsweise das angestrebte Notbetriebsniveau, konzeptionell vorzubereiten, sodass die [[RTO]] konkretisiert werden kann. | ||
Für nicht zeitkritische Geschäftsprozesse entfallen die nachfolgenden Schritte, da diese im Rahmen des BCM nicht weiter betrachtet werden. | Für nicht zeitkritische Geschäftsprozesse entfallen die nachfolgenden Schritte, da diese im Rahmen des [[BCM]] nicht weiter betrachtet werden. | ||
=== Festlegung des Notbetriebsniveaus (MBCO) | === Notbetriebsniveaus === | ||
; Festlegung des Notbetriebsniveaus ([[MBCO]]) | |||
Beispiel eines dokumentierten Notbetriebsniveaus | |||
[[File:bcmTab23.png|600px]] | [[File:bcmTab23.png|600px]] | ||
; Dieser Prozessschritt der BIA ist abgeschlossen | ; Abschluss | ||
* | Dieser Prozessschritt der [[BIA]] ist abgeschlossen | ||
* | * Geschäftsprozesse im GP-Umfang hinsichtlich ihres Schadenspotenzials bewertet | ||
* | * Geschäftsprozesse im GP-Umfang anhand der Kriterien mit einer [[MTPD]] versehen | ||
* für zeitkritische Geschäftsprozesse die jeweilige RTO definiert | * [[MTPD]] je zeitkritischem Geschäftsprozess begründet | ||
* | * für zeitkritische Geschäftsprozesse | ||
** die jeweilige [[RTO]] definiert | |||
** das erforderliche Notbetriebsniveau definiert | |||
== Identifizierung der Prozessabhängigkeiten (AS) | == Prozessabhängigkeiten == | ||
; Identifizierung der Prozessabhängigkeiten (AS) | |||
; Beispiel Antragsbearbeitung | ; Beispiel Antragsbearbeitung | ||
[[File:img-184-338.png|mini|400px]] | [[File:img-184-338.png|mini|400px]] | ||
Der Geschäftsprozess „Antragsbearbeitung“, mit einer RTO von 3 Tagen, ist vom Geschäftsprozess „Antragsprüfung“ abhängig | Der Geschäftsprozess „Antragsbearbeitung“, mit einer [[RTO]] von 3 Tagen, ist vom Geschäftsprozess „Antragsprüfung“ abhängig | ||
* Die Antragsprüfung hat eine geringere Prozessausführungszeit | * Die Antragsprüfung hat eine geringere Prozessausführungszeit | ||
* Zudem sind erfahrungsgemäß immer mehr Anträge bereits geprüft als in Bearbeitung (Arbeitsvorrat von einigen Tagen) | * Zudem sind erfahrungsgemäß immer mehr Anträge bereits geprüft als in Bearbeitung (Arbeitsvorrat von einigen Tagen) | ||
* Obwohl eine zeitkritische Abhängigkeit zwischen beiden Geschäftsprozessen besteht, kann der abhängige Geschäftsprozess „Antragsbearbeitung“ wiederaufgenommen werden, ohne dass der benötigte Geschäftsprozess „Antragsprüfung“ bereits läuft | * Obwohl eine zeitkritische Abhängigkeit zwischen beiden Geschäftsprozessen besteht, kann der abhängige Geschäftsprozess „Antragsbearbeitung“ wiederaufgenommen werden, ohne dass der benötigte Geschäftsprozess „Antragsprüfung“ bereits läuft | ||
* Daher wird zwischen den Prozesszuständigen vereinbart, dass die RTO des benötigten Geschäftsprozesses „Antragsprüfung“ mit 7 Tagen deutlich größer sein kann als die RTO des abhängigen Geschäftsprozesses „Antragsbearbeitung“ | * Daher wird zwischen den Prozesszuständigen vereinbart, dass die [[RTO]] des benötigten Geschäftsprozesses „Antragsprüfung“ mit 7 Tagen deutlich größer sein kann als die [[RTO]] des abhängigen Geschäftsprozesses „Antragsbearbeitung“ | ||
; Beispiel Kundschaftsbetreuung | ; Beispiel Kundschaftsbetreuung | ||
[[File:img-184-338.png|mini|400px]] | [[File:img-184-338.png|mini|400px]] | ||
Der Geschäftsprozess „Kundschaftsbetreuung“ mit einer RTO von 3 Tagen ist von einem ausgelagerten Geschäftsprozess „Telefon-Hotline-Dienst“ abhängig | Der Geschäftsprozess „Kundschaftsbetreuung“ mit einer [[RTO]] von 3 Tagen ist von einem ausgelagerten Geschäftsprozess „Telefon-Hotline-Dienst“ abhängig | ||
* Dieser stellt sicher, dass Anrufe angenommen, die Anfragen geprüft und an das richtige Team in der „Kundschaftsbetreuung“ weitergeleitet werden | * Dieser stellt sicher, dass Anrufe angenommen, die Anfragen geprüft und an das richtige Team in der „Kundschaftsbetreuung“ weitergeleitet werden | ||
* Da der benötigte Geschäftsprozess „Telefon-Hotline-Dienst“ parallel zum abhängigen Geschäftsprozess „Kundschaftsbetreuung“ ausgeführt werden muss, wird entschieden, dass die RTO des abhängigen Geschäftsprozesses übernommen wird. | * Da der benötigte Geschäftsprozess „Telefon-Hotline-Dienst“ parallel zum abhängigen Geschäftsprozess „Kundschaftsbetreuung“ ausgeführt werden muss, wird entschieden, dass die [[RTO]] des abhängigen Geschäftsprozesses übernommen wird. | ||
; Beispiel Produktion | ; Beispiel Produktion | ||
[[File:img-185-342.png|mini|400px]] | [[File:img-185-342.png|mini|400px]] | ||
Der Geschäftsprozess „Produktion“ in einer Milchfabrik, mit einer RTO von drei Tagen, ist vom nachgelagerten Geschäftsprozess „Distribution“ abhängig | Der Geschäftsprozess „Produktion“ in einer Milchfabrik, mit einer [[RTO]] von drei Tagen, ist vom nachgelagerten Geschäftsprozess „Distribution“ abhängig | ||
* Da nur begrenzte Lagermöglichkeiten für die produzierten Güter bestehen, können diese maximal zwei weitere Tage aufbewahrt werden, bevor das Lagervolumen ausgeschöpft ist | * Da nur begrenzte Lagermöglichkeiten für die produzierten Güter bestehen, können diese maximal zwei weitere Tage aufbewahrt werden, bevor das Lagervolumen ausgeschöpft ist | ||
* Um einen kontinuierlichen Produktionsfluss zu gewährleisten, wird beschlossen, die RTO des benötigten Geschäftsprozesses „Distribution“ auf fünf Tage festzulegen. | * Um einen kontinuierlichen Produktionsfluss zu gewährleisten, wird beschlossen, die [[RTO]] des benötigten Geschäftsprozesses „Distribution“ auf fünf Tage festzulegen. | ||
== Identifizierung der Ressourcenabhängigkeiten | == Ressourcenabhängigkeiten == | ||
; Identifizierung der Ressourcenabhängigkeiten | |||
Relevant für die weiteren Schritte in der BC-Planung der Ressourcen sind die folgenden BIA-Kenngrößen für Ressourcen: | Relevant für die weiteren Schritte in der BC-Planung der Ressourcen sind die folgenden BIA-Kenngrößen für Ressourcen: | ||
* Geforderte Wiederanlaufzeit (RTO) | * Geforderte Wiederanlaufzeit ([[RTO]]) | ||
* Ressourcenbedarf in Abhängigkeit zur Dauer des Notbetriebs | * Ressourcenbedarf in Abhängigkeit zur Dauer des Notbetriebs | ||
* Im Falle von Daten und IT-Ressourcen: maximal zulässiger Datenverlust (RPO) | * Im Falle von Daten und IT-Ressourcen: maximal zulässiger Datenverlust ([[RPO]]) | ||
=== RTO der | === [[RTO]] der Ressourcen === | ||
; [[RTO]] der benötigten Ressourcen | |||
; Beispiele für Ressourcenabhängigkeiten verschiedener Geschäftsprozesse | ; Beispiele für Ressourcenabhängigkeiten verschiedener Geschäftsprozesse | ||
[[File:bcmTab24.png|600px]] | [[File:bcmTab24.png|600px]] | ||
Ressourcen, deren RTO aufgrund des Minimalprinzips ermittelt wurden, sind hervor gehoben. | Ressourcen, deren [[RTO]] aufgrund des Minimalprinzips ermittelt wurden, sind hervor gehoben. | ||
=== Ressourcenbedarf in Abhängigkeit zur Dauer des Notbetriebs | === Ressourcenbedarf im Notbetrieb === | ||
Ressourcenbedarf in Abhängigkeit zur Dauer des Notbetriebs | |||
; Beispiel für Arbeitsplatz- und Personalabhängigkeiten | ; Beispiel für Arbeitsplatz- und Personalabhängigkeiten | ||
Benötigte Anzahl Arbeitsplätze oder Personal im Notbetrieb der OE Kundenmanagement | Benötigte Anzahl Arbeitsplätze oder Personal im Notbetrieb der OE Kundenmanagement | ||
[[File:bcmTab25.png|600px]] | [[File:bcmTab25.png|600px]] | ||
=== | === Recovery Point Objective === | ||
; | [[RPO]] - Recovery Point Objective (maximal zulässiger Datenverlust) | ||
; Beispiel | |||
Informationsbasierte Ressourcenabhängigkeiten verschiedener Geschäftsprozesse | |||
[[File:bcmTab26.png|600px]] | [[File:bcmTab26.png|600px]] | ||
== Identifizierung vorhandener Single Points of Failure | == Single Points of Failure == | ||
; Identifizierung vorhandener Single Points of Failure | |||
Wenn viele (sehr) zeitkritische Geschäftsprozesse eine einzelne Ressource benötigen, stellt diese ein erhöhtes Risiko für eine Geschäftsunterbrechung dar. Üblicherweise werden solche Ressourcen als ''Single Point of Failure'' bezeichnet. | Wenn viele (sehr) zeitkritische Geschäftsprozesse eine einzelne Ressource benötigen, stellt diese ein erhöhtes Risiko für eine Geschäftsunterbrechung dar. Üblicherweise werden solche Ressourcen als ''Single Point of Failure'' bezeichnet. | ||
; Arten | |||
{| class="wikitable options big" | {| class="wikitable options big gnu" | ||
! | ! !! Name !! Beschreibung | ||
|- | |- | ||
| Wissen </br>(Single Point of Knowledge | | SPoK || Wissen </br>(Single Point of Knowledge) || Person, die als einzige über alle Fähigkeiten und spezifische Kenntnisse eines Prozesses oder Verfahrens verfügt | ||
|- | |- | ||
| Technik oder Dienstleistung </br>(Single Point of Failure | | SPoF || Technik oder Dienstleistung </br>(Single Point of Failure) || Anlage, eine Komponente, ein IT-System, ein Dienstleistungsunternehmen etc., durch deren Ausfall ein Gesamtsystem nicht mehr betriebsbereit ist | ||
* Das trifft immer dann zu, wenn eine Komponente eine zentrale Funktion im Gesamtsystem übernimmt und beim Ausfall die Funktionen der anderen Komponenten beeinträchtigt | * Das trifft immer dann zu, wenn eine Komponente eine zentrale Funktion im Gesamtsystem übernimmt und beim Ausfall die Funktionen der anderen Komponenten beeinträchtigt | ||
|- | |- | ||
| Kontakte </br>(Single Point of Contact | | SPoC || Kontakte </br>(Single Point of Contact) || Person, die die alleinige Kontaktperson ist, oder eine Schnittstelle, die die alleinige Kommunikationsstelle für einen bestimmten Sachverhalt ist | ||
|- | |- | ||
| Kumulationseffekt || Ressourcen, welche von relativ vielen zeitkritischen Geschäftsprozessen benötigt werden | | Kumulationseffekt || || Ressourcen, welche von relativ vielen zeitkritischen Geschäftsprozessen benötigt werden | ||
|} | |} | ||
== Auswertung == | == Auswertung == | ||
; Gesamtübersicht | |||
* Übersicht der zeitkritischen Geschäftsprozesse und zugehörigen Kontaktpersonen | * Übersicht der zeitkritischen Geschäftsprozesse und zugehörigen Kontaktpersonen | ||
* Übersicht der Prozessabhängigkeiten | * Übersicht der Prozessabhängigkeiten | ||
* Übersicht der abhängigen Ressourcen und | * Übersicht der abhängigen Ressourcen und [[SpoF]]s sowie deren [[RTO]] bzw. [[RPO]] | ||
<noinclude> | <noinclude> | ||
---- | |||
{{Navigation|BSI/200-4/06 BIA-Vorfilter|BSI/200-4/08 Soll-Ist-Vergleich}} | |||
---- | |||
== Anhang == | == Anhang == | ||
Aktuelle Version vom 16. Juni 2026, 20:42 Uhr
BSI/200-4/07 Business Impact Analyse
Beschreibung
- In der BIA wird untersucht
- welche Geschäftsprozesse zeitkritisch sind
- ab wann deren Ausfälle nicht tolerierbare Auswirkungen haben
- Daraus werden die Wiederanlaufanforderungen abgeleitet
- ob und ab wann für diese Geschäftsprozesse ein Notbetrieb zur Verfügung stehen sollte
- welche Ressourcen dafür benötigt werden
Falls die BAO schon aufgebaut wurde, helfen diese Informationen der BAO zudem
- die zeitkritischen Geschäftsprozesse und Ressourcen in einem Notfall zu priorisieren
- früh zu erkennen, ob ein Schadensereignis eskaliert werden muss sowie
- den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten
- Prozessschritte der Business-Impact-Analyse
Kenngrößen
| Kenngröße | Beschreibung | |
|---|---|---|
| MTPD | Maximum Tolerable Period of Disruption Maximal Tolerierbare Ausfallzeit, MTA |
legt fest, wie lange ein Geschäftsprozess maximal ausfallen darf, bevor nicht tolerierbare Auswirkungen für die Institution auftreten
|
| RTO WAZ |
Recovery Time Objective Geforderte Wiederanlaufzeit |
wird aus der MTPD abgeleitet und sowohl den zeitkritischen Geschäftsprozessen als auch den Ressourcen zugeordnet, die relevant sind für die Aufrechterhaltung der zeitkritischen Geschäftsprozesse
Die RTO muss zwingend kürzer sein als die MTPD des relevanten Geschäftsprozesses, denn die Reaktionszeit wird von der MTPD abgezogen, um mit der RTO die MTPD noch erreichen zu können
|
| RPO | Recovery Point Objective Maximal zulässiger Datenverlust |
legt fest, welcher Datenverlust akzeptiert wird, d. h. wie alt verfügbare Daten maximal sein dürfen, um im Notbetrieb sinnvoll damit arbeiten zu können
Theoretisch kann die RPO auch für analoge Informationen erhoben werden
|
| MBCO | Minimum Business Continuity Objective Notbetriebsniveau |
definiert, wie leistungsfähig der Notbetrieb sein soll, um einen sinnvollen Geschäftsbetrieb gewährleisten zu können
|
Vorbereitung
Erhebung der Geschäftsprozesse
- Beispiele hierarchisch angeordneter Geschäftsprozesse
Parameter und Zeithorizonte
- BIA-Parameter und Zeithorizonte
- Beispiel einer Bewertung des Schadenspotenzials je Zeithorizont
- Definition von Zeithorizonten
Die Wahl der Zeithorizonte wird unter anderem beeinflusst durch
- die Zyklen, in denen Produkte hergestellt, Prozesse durchgeführt oder Services bereitgestellt werden,
- die Erwartungshaltung an Ausfallzeiten (unter anderem von Interessengruppen)
- interne Vorgaben und Geschäftsziele
- branchenübliche Standards
- gesetzliche Vorgaben
- Risikobereitschaft der Institution
- Beispiele für Zeithorizonte
- Schadensszenarien
- Innerhalb der BIA sollten mindestens die folgenden Schadensszenarien berücksichtigt werden
- Beeinträchtigung der persönlichen Unversehrtheit
- Beeinträchtigung der Aufgabenerfüllung
- Verstoß gegen Gesetze, Vorschriften und Verträge
- negative Innen- und Außenwirkung (Imageschaden)
- finanzielle Auswirkungen
- Untragbarkeitsniveau
Das Untragbarkeitsniveau definiert
- ab welcher Schadenskategorie die Auswirkungen eines Ausfalls durch die Institution nicht länger toleriert werden (siehe Abbildung). Die Entscheidung darüber
- ab welcher Höhe Schäden nicht länger toleriert werden
- sollte aufgrund der Tragweite für die weitere BC-Planung die Institutionsleitung treffen. Anhand des festgelegten Untragbarkeitsniveaus kann in der BIA identifiziert werden
- zu welchem Zeitpunkt die erwarteten Schäden so hoch werden
- dass diese nicht länger akzeptiert werden. Dies ist dann die MTPD des Geschäftsprozesses.
- Schadenskategorien
- Schadenskategorien und Erläuterung je Schadensszenario
Ressourcenkategorien und -cluster
Festlegung der Ressourcenkategorien und -cluster
- Ressourcenkategorien
Beispiele verschiedener Ressourcenkategorien
- Ressourcencluster
- Innerhalb bestimmter Ressourcenkategorien, beispielsweise der IT, können mitunter sehr viele einzelne Ressourcen vorhanden sein, die für die BIA relevant sind
- Wenn alle Ressourcen einzeln erfasst werden, besteht jedoch die Gefahr, dass diese aufgrund der Menge und der Komplexität nicht handhabbar sind
- Es ist daher sinnvoll, Ressourcen sinnvoll zu Clustern zusammenzufassen
- Das gängigste Beispiel für ein Cluster ist der Arbeitsplatz
- Ein Arbeitsplatz fasst alle Arbeitsmittel und Geräte zusammen, die für eine spezifische Aufgabenstellung innerhalb eines Geschäftsprozesses benötigt werden
- Hierbei kann allgemein zwischen einem Standardarbeitsplatz und Spezialarbeitsplätzen unterschieden werden
- Ein Arbeitsplatz kann Teil einer größeren Infrastruktur sein und wiederum aus einer Menge an Maschinen, Geräten, Anlagen oder Betriebsmitteln zusammengesetzt sein.
Planung der Erhebung
- Planung der BIA-Erhebung
Vor Beginn der BIA sollte festgelegt werden, wie die Informationen zur BIA erhoben werden sollen.
- Formate
- Selbstauskunft durch den Prozesseigentümer oder die -eigentümerin anhand eines papierbasierten, elektronischen oder toolgestützten Fragebogens,
- Einzelinterviews mit verschiedenen Personen (z. B. Leitenden der Organisationseinheiten, Prozesszuständigen oder sonstigen Prozessfachleuten, die Auskunft geben können)
- Workshops, mit mehreren Personen
Vorbereitung der BIA-Hilfsmittel
- Präsentation zur Erläuterung der BIA
- Liste der Geschäftsprozesse
- Hilfsmittel zur Erhebung und Auswertung der BIA
Durchführung
Zeitkritische Geschäftsprozesse
- Identifizierung zeitkritischer Geschäftsprozesse
- Bewertung des Schadenspotenzials von Geschäftsprozessen
- Worst-Case-Bewertung des Schadenspotenzials des Geschäftsprozesses „Kundschaftsanfragen bearbeiten“
- Korrekte und fehlerhafte Bewertung des Schadenspotenzials
Festlegung der MTPD
- Leitfrage
„Wenn der Geschäftsprozess ausfällt, mit welchem Schadenspotenzial [1 (gering), 2 (mittel), 3 (hoch), 4 (sehr hoch)] ist bei einem Ausfall bis zu … zu rechnen?“
- Begründung zur Bewertung des Schadenspotenzials
Die Bewertung des Schadenspotenzials muss je Geschäftsprozess begründet und dokumentiert werden.
- Gründe
- Wenn die BIA in einem neuen BCMS-Zyklus aktualisiert wird, kann auf die bestehenden Informationen zurückgegriffen werden. Damit die Bewertung des Schadenspotenzials auch zu einem späteren Zeitpunkt nachvollziehbar ist, sollte diese begründet werden.
- Regulatoren setzen eine Begründung voraus, um auch als außenstehende Dritte die Schadensanalyse dahingehend überprüfen zu können, ob diese plausibel ist.
Die Begründung dient als Entscheidungshilfe, um geeignete Maßnahmen für die Geschäftsfortführung auszuwählen.
- Wenn die einzusetzenden finanziellen oder personellen Ressourcen für diese Maßnahmen zu hoch erscheinen, dann hilft eine Begründung aus der BIA mehr als die reine Angabe einer zu erreichenden MTPD .
- Beispielhafte Begründung eines Schadenspotenzials
RTO für zeitkritische Geschäftsprozesse
- Festlegung der RTO für zeitkritische Geschäftsprozesse
- Für die zeitkritischen Geschäftsprozesse muss zusätzlich die geforderte Wiederanlaufzeit RTO festgelegt werden
- Sie beschreibt, wie lange der reine Wiederanlauf dauern darf, bevor es zu nicht tolerablen Schäden kommt
- Daher wird von der MTPD die BAO-Reak-tionszeit abgezogen
- Die BAO-Reaktionszeit verstreicht in der Regel unabhängig von einzelnen Geschäftsprozessen, bis der Notfall ausgerufen und die relevanten BC-Pläne gestartet werden.
- Die RTO nimmt eine zentrale Rolle in der Notfallplanung und -behandlung ein
- Sie wird in Übungen verifiziert, sodass ein realistischeres Bild für die Notfallbehandlung entsteht.
Für die BAO ist dann sichtbar, wie lange der Wiederanlauf vermutlich dauern wird, sodass dort bei dem Auftrag zum Wiederanlauf gut abgeschätzt werden kann, ob die MTPD noch eingehalten werden kann
- Auch für die Notfallteams ist die RTO eine klare Zielvorgabe.
- Zwischen der Bestimmung der RTO und der BAO-Reaktionszeit besteht eine Wechselwirkung
Einerseits bietet es sich an, diese Reaktionszeit einfach von der MTPD abzuziehen, um an die RTO zu gelangen
- Hierbei kann ein zusätzlicher Puffer berücksichtigt werden, beispielsweise für den Fall, dass beim Wiederanlauf Schwierigkeiten auftreten.
Andererseits wird hier sehr deutlich, dass längere Reaktionszeiten beispielsweise bei der Detektion oder Alarmierung alle Zeiträume für RTOs verkürzen
- Dadurch können sich auch die Kosten erhöhen, um diese RTOs einzuhalten
- Letzten Endes ist auch die BAO-Reaktionszeit eine Sollvorgabe, die sich aus den Anforderungen der Institution an die MTPD s ergibt.
Zudem ist es bei der Festlegung der RTO hilfreich, schon Teile der BC-Planung, beispielsweise das angestrebte Notbetriebsniveau, konzeptionell vorzubereiten, sodass die RTO konkretisiert werden kann.
Für nicht zeitkritische Geschäftsprozesse entfallen die nachfolgenden Schritte, da diese im Rahmen des BCM nicht weiter betrachtet werden.
Notbetriebsniveaus
- Festlegung des Notbetriebsniveaus (MBCO)
Beispiel eines dokumentierten Notbetriebsniveaus
- Abschluss
Dieser Prozessschritt der BIA ist abgeschlossen
- Geschäftsprozesse im GP-Umfang hinsichtlich ihres Schadenspotenzials bewertet
- Geschäftsprozesse im GP-Umfang anhand der Kriterien mit einer MTPD versehen
- MTPD je zeitkritischem Geschäftsprozess begründet
- für zeitkritische Geschäftsprozesse
- die jeweilige RTO definiert
- das erforderliche Notbetriebsniveau definiert
Prozessabhängigkeiten
- Identifizierung der Prozessabhängigkeiten (AS)
- Beispiel Antragsbearbeitung

Der Geschäftsprozess „Antragsbearbeitung“, mit einer RTO von 3 Tagen, ist vom Geschäftsprozess „Antragsprüfung“ abhängig
- Die Antragsprüfung hat eine geringere Prozessausführungszeit
- Zudem sind erfahrungsgemäß immer mehr Anträge bereits geprüft als in Bearbeitung (Arbeitsvorrat von einigen Tagen)
- Obwohl eine zeitkritische Abhängigkeit zwischen beiden Geschäftsprozessen besteht, kann der abhängige Geschäftsprozess „Antragsbearbeitung“ wiederaufgenommen werden, ohne dass der benötigte Geschäftsprozess „Antragsprüfung“ bereits läuft
- Daher wird zwischen den Prozesszuständigen vereinbart, dass die RTO des benötigten Geschäftsprozesses „Antragsprüfung“ mit 7 Tagen deutlich größer sein kann als die RTO des abhängigen Geschäftsprozesses „Antragsbearbeitung“
- Beispiel Kundschaftsbetreuung

Der Geschäftsprozess „Kundschaftsbetreuung“ mit einer RTO von 3 Tagen ist von einem ausgelagerten Geschäftsprozess „Telefon-Hotline-Dienst“ abhängig
- Dieser stellt sicher, dass Anrufe angenommen, die Anfragen geprüft und an das richtige Team in der „Kundschaftsbetreuung“ weitergeleitet werden
- Da der benötigte Geschäftsprozess „Telefon-Hotline-Dienst“ parallel zum abhängigen Geschäftsprozess „Kundschaftsbetreuung“ ausgeführt werden muss, wird entschieden, dass die RTO des abhängigen Geschäftsprozesses übernommen wird.
- Beispiel Produktion

Der Geschäftsprozess „Produktion“ in einer Milchfabrik, mit einer RTO von drei Tagen, ist vom nachgelagerten Geschäftsprozess „Distribution“ abhängig
- Da nur begrenzte Lagermöglichkeiten für die produzierten Güter bestehen, können diese maximal zwei weitere Tage aufbewahrt werden, bevor das Lagervolumen ausgeschöpft ist
- Um einen kontinuierlichen Produktionsfluss zu gewährleisten, wird beschlossen, die RTO des benötigten Geschäftsprozesses „Distribution“ auf fünf Tage festzulegen.
Ressourcenabhängigkeiten
- Identifizierung der Ressourcenabhängigkeiten
Relevant für die weiteren Schritte in der BC-Planung der Ressourcen sind die folgenden BIA-Kenngrößen für Ressourcen:
- Geforderte Wiederanlaufzeit (RTO)
- Ressourcenbedarf in Abhängigkeit zur Dauer des Notbetriebs
- Im Falle von Daten und IT-Ressourcen: maximal zulässiger Datenverlust (RPO)
RTO der Ressourcen
- RTO der benötigten Ressourcen
- Beispiele für Ressourcenabhängigkeiten verschiedener Geschäftsprozesse
Ressourcen, deren RTO aufgrund des Minimalprinzips ermittelt wurden, sind hervor gehoben.
Ressourcenbedarf im Notbetrieb
Ressourcenbedarf in Abhängigkeit zur Dauer des Notbetriebs
- Beispiel für Arbeitsplatz- und Personalabhängigkeiten
Benötigte Anzahl Arbeitsplätze oder Personal im Notbetrieb der OE Kundenmanagement
Recovery Point Objective
RPO - Recovery Point Objective (maximal zulässiger Datenverlust)
- Beispiel
Informationsbasierte Ressourcenabhängigkeiten verschiedener Geschäftsprozesse
Single Points of Failure
- Identifizierung vorhandener Single Points of Failure
Wenn viele (sehr) zeitkritische Geschäftsprozesse eine einzelne Ressource benötigen, stellt diese ein erhöhtes Risiko für eine Geschäftsunterbrechung dar. Üblicherweise werden solche Ressourcen als Single Point of Failure bezeichnet.
- Arten
| Name | Beschreibung | |
|---|---|---|
| SPoK | Wissen (Single Point of Knowledge) |
Person, die als einzige über alle Fähigkeiten und spezifische Kenntnisse eines Prozesses oder Verfahrens verfügt |
| SPoF | Technik oder Dienstleistung (Single Point of Failure) |
Anlage, eine Komponente, ein IT-System, ein Dienstleistungsunternehmen etc., durch deren Ausfall ein Gesamtsystem nicht mehr betriebsbereit ist
|
| SPoC | Kontakte (Single Point of Contact) |
Person, die die alleinige Kontaktperson ist, oder eine Schnittstelle, die die alleinige Kommunikationsstelle für einen bestimmten Sachverhalt ist |
| Kumulationseffekt | Ressourcen, welche von relativ vielen zeitkritischen Geschäftsprozessen benötigt werden |
Auswertung
- Gesamtübersicht
- Übersicht der zeitkritischen Geschäftsprozesse und zugehörigen Kontaktpersonen
- Übersicht der Prozessabhängigkeiten
- Übersicht der abhängigen Ressourcen und SpoFs sowie deren RTO bzw. RPO
Anhang
Siehe auch
- BSI/200-4/02 Einführung
- BSI/200-4/03 Initiierung
- BSI/200-4/04 Konzeption und Planung
- BSI/200-4/05 Besondere Aufbauorganisation
- BSI/200-4/06 BIA-Vorfilter
- BSI/200-4/07 Business Impact Analyse
- BSI/200-4/08 Soll-Ist-Vergleich
- BSI/200-4/09 Risikoanalyse
- BSI/200-4/10 Business-Continuity-Strategie
- BSI/200-4/11 Geschäftsfortführung
- BSI/200-4/11 Geschäftsfortführung/Erstellung
- BSI/200-4/11 Geschäftsfortführung/Qualitätssicherung und Freigabe
- BSI/200-4/11 Geschäftsfortführung/Vorbereitung
- BSI/200-4/12 Wiederanlauf
- BSI/200-4/12 Wiederanlauf/Erstellung
- BSI/200-4/12 Wiederanlauf/Vorbereitung
- BSI/200-4/13 Üben und Testen
- BSI/200-4/14 Leistungsüberprüfung und Berichterstattung
- BSI/200-4/15 Aufrechterhaltung und Verbesserung
- BSI/200-4/Anhang